Miriam Welte und Kristina Vogel (r.) sind im Hauptberuf Polizistinnen © getty

Die Olympiasiegerinnen verteidigen im Teamsprint bei der Bahnrad-WM den Titel. Im 1000-m-Zeitfahren wird Joachim Eilers Dritter.

Minsk - Erst Polizeimeister, jetzt Weltmeister: Die Teamsprint-Olympiasiegerinnen Miriam Welte und Kristina Vogel haben sich bei der Bahnrad-WM in Minsk zum zweiten Mal nach 2012 das begehrte Regenbogentrikot geholt und dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) einen glänzenden Auftakt beschert.

Das Duo aus Erfurt und Kaiserslautern besiegte in einer Neuauflage des olympischen Finals das Team aus China mit Gong Jinjie und Guo Shuang und verteidigte damit erfolgreich seinen Titel von Melbourne.

Joachim Eilers holte zudem Bronze im 1000-m-Zeitfahren.

Sieg trotz schlechter Vorzeichen

Welte und Vogel schlugen die Chinesinnen im Finale in 33,053 Sekunden um drei Hundertstel und sorgten für eine kleine Sensation, denn die Goldmädels von London waren mit beträchtlichem Trainingsrückstand in die Titelkämpfe gegangen.

In den letzten Monaten hatte die Polizeiausbildung Priorität und war der Lebensmittelpunkt. Vogel hatte ihre letzte Prüfung erst am Freitag gehabt, vor der Ankunft in Minsk hatten beide nicht einmal miteinander trainiert.

"Geiles Gefühl"

Es ist unglaublich", sagte Welte: "Mir fehlen die Worte. Ich kann's nicht erklären, ich kann's nicht beschreiben, ich freu' mich einfach wahnsinnig". Vogel, die sich nach der Siegerehrung eine Träne aus dem Auge wischte, fand es einfach nur "ein richtig geiles Gefühl".

Welte und Vogel mussten sich in Minsk daher ganz auf ihre Intuition und die gewachsene Harmonie aus den Vorjahren verlassen.

"Wir sind ja nicht das erste Jahr zusammen. Wir schleifen in Minsk den Diamanten einmal, dann passt das schon", hatte Vogel im Vorfeld gesagt.

Den Titel aus Melbourne zu verteidigen, das schien dennoch zu hoch gegriffen. "Zaubern können wir nicht", hatte Welte gesagt, und auch Bundestrainer Detlef Uibel hatte keine "Riesendinge" erwartet.

Bronze an Eilers

Zuvor hatte schon der gebürtige Kölner Eilers mit Bronze im nicht olympischen 1000-m-Zeitfahren geglänzt. Der 22-Jährige bewältigte den Kilometer in 1:01,450 Minuten, war damit allerdings deutlich langsamer als der neue Weltmeister Francois Pervis aus Frankreich (1:00,221).

"Das ist meine erste Medaille bei einer WM, das ist schon geil, unglaublich", sagte Eilers, der sich den Sprung auf das Podium auch als Ziel gesetzt hatte.

Eilers wie einst Nimke

Eilers tritt in die Fußstapfen des viermaligen Weltmeisters Stefan Nimke aus Schwerin, der die Disziplin in den letzten Jahren dominiert und noch im Vorjahr in Melbourne den Titel geholt hatte, sich nun aber ebenfalls der Ausbildung bei der Polizei widmet.

Bundestrainer Uibel war von Eilers' Leistung überrascht und klatschte freudig in die Hände. "Das Niveau von Nimke zu erreichen wird schwer", hatte er gesagt und wäre mit einer Top-Acht-Platzierung zufrieden gewesen. Auch der Cottbuser Eric Engler überzeugte als Fünfter.

Bahnradvierer überzeugt

Und nicht zuletzt verkaufte sich der deutsche Bahnrad-Vierer mit der stärksten Platzierung seit vier Jahren besser als erwartet.

Das einstige Flaggschiff des BDR, das zuletzt zweimal in Folge die Qualifikation für die Olympischen Spiele verpasst hatte, belegte in der 4000-m-Mannschaftsverfolgung in 4:05,152 Minuten den sechsten Rang und fuhr am Rennen um die Bronzemedaille nur um sechs Zehntelsekunden vorbei.

Meyer sieht Fortschritt

Aus der Besetzung Maximilian Beyer (19/Nordhausen), Henning Bommel (29/Finsterwalde), Lucas Liß (21/Unna) und Theo Reinhardt (22/Berlin) ragte Liß heraus. "Die Zeit ist okay, ganz zufrieden bin ich nicht. Es ist extrem ärgerlich, dass wir nicht um Bronze fahren durften. Aber wir kommen peu a peu nach vorne", sagte Bundestrainer Sven Meyer.

Gegenüber den Vorjahren konnte der BDR-Vierer den Abstand zur Weltspitze etwas verringern. "Es ist definitiv ein Aufwärtstrend zu erkennen", sagte Bommel.

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