John Degenkolb (l.) feierte in diesem Jahr zwölf Saisonerfolge © imago

Radprofi John Degenkolb schrammt bei der WM am Podium vorbei. Trotz Platz vier in Valkenburg erntet er Lob und Respekt.

Valkenburg - Der Schmutz der Straße bedeckte noch das Gesicht von John Degenkolb, auch der Frust über die verpasste Medaille war kurz nach den 267 km im WM-Rennen noch längst nicht verflogen. (Bericht: Gilbert wird Weltmeister - Blech für Degenkolb)

Doch als der 23 Jahre alte Radprofi die Enttäuschung über den vierten Platz in den Niederlanden einen Moment ausblendete, blickte Degenkolb mit Stolz auf das Geleistete zurück.

"Ich denke, dass ich keine schlechte Saison gefahren bin. Darüber bin ich sehr glücklich. Und nach dem ersten oder zweiten Bier mit den Jungs kann ich sicher wieder lächeln kann", sagte er.

Als Hoffnungsträger war der gebürtige Geraer ins Straßenrennen am Sonntag gegangen, hatte die volle Unterstützung des starken deutschen Teams und musste sich am Ende trotz einer tollen Leistung mit Blech begnügen.

Zwölf Saisonsiege

Das ist bei weitem keine Schande, sondern beim hochklassig besetzten Rennen der Welt-Elite ein mehr als respektables Ergebnis.

Für Degenkolb war es der gelungene Abschluss eines Jahres, in dem er sich nicht zuletzt durch seine fünf Etappenerfolge bei der Spanien-Rundfahrt endgültig einen Namen gemacht hat.

Zwölf Saisonsiege hat der Argos-Profi auf dem Konto, in Deutschland war nur Andre Greipel mit zwanzig Siegen erfolgreicher.

"Ich habe einen weiteren Schritt in meiner Karriere gemacht und kann auch bei Rennen über 200 km um den Sieg fahren. Das wollte ich machen, und das habe ist jetzt auch geschafft", sagte Degenkolb, der schon nach der Spanien-Rundfahrt von einer "genutzten Chance" sprach.

Zabel: "Außerordentlich talentiert"

Nicht umsonst hält auch der frühere Sprint-Star Erik Zabel, der sechs Mal das Grüne Trikot bei der Tour de France gewann, viel von Degenkolb. "Er ist ein außerordentlich talentierter Fahrer, der den nötigen Ehrgeiz mitbringt. Außerdem ist er sehr loyal, was für seinen Lernprozess ungemein wichtig ist", sagte Zabel.

Tatsächlich kennt Degenkolb die Rennen, in denen er nicht wie bei der Vuelta oder der WM in der komfortablen Situation ist, dass die Team-Taktik auf ihn ausgerichtet ist.

So stellte er sich etwa bei den Olympischen Spielen in London voll in den Dienst von Sprint-Kollege Greipel. "Nur wenn man selbst für andere gearbeitet hat, kann man Helferdienste wirklich zu schätzen wissen", sagte Zabel.

Degenkolb motiviert

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) zog nicht nur dank Degenkolb ein positives WM-Fazit, obwohl am Ende die Medaillenausbeute kleiner als im Vorjahr ausfiel. "

Wir haben auf zwei Medaillen gehofft, darum können wir mit diesem Ergebnis sehr zufrieden sein", sagte Delegationsleiter und BDR-Vize-Präsident Udo Sprenger. In Kopenhagen hatten die deutschen Fahrer fünf Mal Edelmetall geholt.

Bei der WM 2013 in Florenz dürfte es für den Verband aber kein Selbstläufer werden, das Resultat aus den Niederlanden zu wiederholen.

Nach dem Karriereende von Zeitfahr-Weltmeisterin Judith Arndt bricht bei den Frauen eine echte Stütze weg.

Ausbleibende Medaillen durch Arndt könnte Degenkolb auffangen, der in den kommenden Jahren erneut einen Angriff auf das Regenbogentrikot starten will: "Man hat gesehen, dass die Mannschaft gut zusammengearbeitet hat. Wir sollten das Ergebnis als Motivation ansehen."

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