Erik und Rick Zabel bei der Siegerehrung der Tour de France 2001 © imago

Rick Zabel startet beim U-23-Rennen der WM. Der 18-Jährige sieht Vater Erik als sein großes Vorbild an - trotz Doping-Beichte.

Valkenburg - Hektisch huscht Cordula Zabel über den Pariser Prachtboulevard Champs-Elysees und sucht nach einer Dixi-Toilette für ihren Sohn.

Als sie endlich ein freies Provisorium gefunden hat, zückt sie das mitgebrachte Haarfärbemittel und bearbeitet eilig den Kopf des kleinen Rick, der wenige Augenblicke später mit knallgrüner Mähne auf dem Podium der Tour de France an der Seite von Papa Erik steht.

2001 hatte die deutsche Sprint-Legende zum letzten Mal das Grüne Trikot gewonnen, die Auftritte seines Sohnes bei der Siegerehrung waren längst zur Familientradition geworden.

"Mein Vater ist mein großes Vorbild"

Inzwischen ist aus dem schüchtern blickenden Knirps von einst ein selbstbewusster junger Mann geworden.

Am Samstag bestreitet der 18-Jährige das WM-Straßenrennen der U-23-Klasse in den Niederlanden für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR).

"Mein Vater ist mein großes Vorbild", sagt Zabel, der diesem wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Die braunen Augen, die markanten Gesichtszüge und der Haaransatz lassen einen glauben, eine Zeitreise in die Vergangenheit gemacht und den jungen Erik vor sich sitzen zu haben.

"Mit meinem Namen werde ich natürlich ganz anders wahrgenommen", sagt Zabel, der für das renommierte niederländiche Nachwuchsteam Rabobank Continental fährt: "Aber ich habe mich nicht deshalb, sondern aufgrund meiner Fahrweise und meines Könnens etabliert."

Kein Abitur, aber Karriere?

Schon in seinem ersten Jahr außerhalb des Junioren-Bereiches hat sich Zabel gegen ältere Fahrer durchgesetzt und Erfolge vorzuweisen, wurde zuletzt überraschend Deutscher U-23-Meister.

Es soll ein weiterer Schritt in Richtung Profikarriere sein, von der Zabel träumt und für die er nach langen Diskussionen vor dem Abitur die Schule abbrach.

"Es hat sich gezeigt, dass ich den richtigen Weg gegangen bin. Auch, weil meine Eltern mich bei jedem Schritt unterstützt haben, den ich gegangen bin."

Spaß und Leidenschaft

Ohnehin spielt besonders Vater Erik bei aller Selbstständigkeit eine entscheidene Rolle im Leben des jungen Zabel.

"Mit Papa habe ich die beste Person, an die ich mich wenden kann", sagt der in Unna geborene Zabel: "Das Wichtigste, was ich von ihm gelernt habe, ist, dass man alles, was man tut, mit Spaß und Leidenschaft machen muss. So eine Sache wie den Radsport muss man wirklich lieben und leben. Diese Gabe hat er mir zum Glück mitgegeben."

Verständnis nach Doping-Beichte

Die schwerste Krise Erik Zabels, der 2007 ein Doping-Geständnis ablegte, erlebte Rick ganz bewusst.

"Mein Papa hat mir das ganz im Vertrauen gesagt, ich habe ganz, ganz großen Respekt davor, dass er es gemacht hat. Ich bin stolz auf ihn, für mich ist und bleibt er ein Vorbild. Jeder Mensch macht Fehler", sagt Rick, der glaubt, dass die "schwierigen Zeiten" hinter dem Radsport liegen.

Tour de France, der Traum

Wohin er sich selbst in der Zukunft sportlich entwickeln wird, ist sich Zabel noch nicht sicher.

Er sei derzeit ein Allrounder, mit einer gewissen Endschnelligkeit ausgestattet und ein passabler Kletterer auf kürzeren Anstiegen. Einer für Ausreißergruppen und Frühjahrsklassiker. Das große Ziel ist dennoch klar formuliert.

"Jeder junge Fahrer träumt davon, einmal an der Tour de France teilzunehmen oder auf vielleicht sogar auf dem Podium zu stehen", sagt Zabel.

Ganz neu wäre das für ihn nicht.

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