MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Tony Martin gewann bei Olympia 2012 in London die Silbermedaille im Zeitfahren © getty

Der Olympia-Zweite Tony Martin verteidigt bei der WM in der Provinz Limburg knapp seinen Titel. Ein Amerikaner gewinnt Silber.

Valkenburg - Tony Martin schmiss sein Fahrrad auf die Straße und legte sich völlig ausgepumpt auf den Asphalt, dann halfen ihm seine jubelnden Betreuer auf die Beine.

Mit seinem Sieg in einem denkwürdigen WM-Zeitfahren in den Niederlanden hat der gebürtige Cottbuser eine von Pleiten, Pech und Pannen geprägte Saison zu einem versöhnlichen Abschluss gebracht.

Nach 46,3 km von Heerlen nach Valkenburg triumphierte der Olympiazweite vor den Augen seiner Familie vor dem starken Amerikaner Taylor Phinney sowie Wasili Kirijenka aus Weißrussland und wird damit auch im kommenden Jahr das prestigereiche Regenbogentrikot tragen.

Nur ein Konkurrent

In Abwesenheit hochklassiger Konkurrenz wie dem britischen Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins, Fabian Cancellara (Schweiz) oder Christopher Froome (Großbritannien) zeigte sich schnell, dass Martin nur vom jungen Amerikaner Phinney ausgebremst werden konnte.

Bei der ersten Zeitmessung nach 14,3 km lag Martin, der auf der Startrampe angespannt wirkte, sogar vier Sekunden hinter dem U-23-Champion von 2010.

Schon bei der zweiten Zwischenmessung hatte sich Martin jedoch bereits einen Vorsprung von rund 14 Sekunden auf Phinney erarbeitet und flog wenig später nach 31 km am mitfavorisierten Vuelta-Sieger Alberto Contador (Spanien) vorbei, der eine erschreckend schwache Leistung zeigte.

Martin verteidigt Vorsprung

In das entscheidene Teilstück der letzten acht Kilometer mit den Anstiegen Bundersberg und Cauberg ging Martin nur noch mit acht Sekunden Vorsprung und versuchte diesen mit aller Kraft zu verteidigen.

Auf den Schlussmetern richtete sich sein schmerzverzerrter Blick immer wieder auf die Anzeigetafel über der Ziellinie, wo die Uhr unerbittlich heruntertickte.

Am Ende gewann Martin nach 58:38 Minuten und mit fünf Sekunden Vorsprung auf Phinney. (BERICHT: Goldener WM-Start für deutsche Radprofis)

Glück mit dem Wetter

Unmittelbar nach Beginn des Zeitfahrens um 13.30 Uhr hatte sich Martins Befürchtung bewahrheitet: Es fing heftig an zu regnen.

Zudem erschwerten zunächst starke Winde das Rennen.

Bis zu Martins Start um 15.24 Uhr hatte sich die Wetterlage jedoch wieder gebessert, und der gebürtige Cottbuser konnte unter passablen Bedingungen fahren.

Die beiden anderen deutschen Starter enttäuschten.

Ex-Weltmeister Bert Grabsch landete lediglich auf Rang 36, Patrick Gretsch fuhr auf den 27. Platz.

Wiedergutmachung des Seuchenjahrs

Martin entschädigte sich mit seinem Triumph auch für ein regelrechtes Seuchenjahr. Im April war er unweit seines Schweizer Wohnortes Kreuzlingen mit einem Fahrzeug kollidiert und hatte dabei schwere Gesichtsverletzungen erlitten.

Bei der Tour de France hinderte ihn ein Defekt beim Prolog in Lüttich von der ersehnten Fahrt ins Gelbe Trikot, später folgte ein Crash, bei dem ihm das Kahnbein an der linken Hand brach.

Olympia-Silber in London hatte Martin gnädig gestimmt, doch erst jetzt schloss Martin seinen Frieden mit der Saison.

"Der Sieg wäre nach all den Rückschlägen verdient, ich habe mich oft wieder hochkämpfen müssen", hatte Martin im Vorfeld gesagt.

"Maschine auf dem Zeitfahrrad"

Zum Sasionausklang strebt Martin eine weitere Titelverteidigung an. Bevor er sich in den wohlverdienten Urlaub verabschiedet, geht er bei der Peking-Rundfahrt (9. bis 13. Oktober) an den Start.

Für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) war es nach Bronze von Junior Maximilan Schachmann und Zeitfahr-Gold von Judith Arndt die dritte Medaille.

Martin hatte bereits im erstmals ausgetragenen Teamzeitfahren am Sonntag mit Omega Pharma-QuickStep triumphiert.

Mannschaftskollege Tom Boonen hatte Martin daraufhin als "Maschine auf dem Zeitfahrrad" bezeichnet.

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