Judith Arndt gewann in ihrer Karriere bisher vier WM- und drei Olympiamedaillen © getty

Nach dem Zeitfahr-Gold überwiegt bei Judith Arndt die Erleichterung. Die Vorfreude auf das neue Leben in Australien ist groß.

Valkenburg - Den falschen Zeitpunkt für ihr Karriereende gewählt zu haben, muss sich Judith Arndt nicht vorwerfen lassen.

Olympia-Silber in London folgte am Dienstag die erfolgreiche WM-Titelverteidigung im Zeitfahren (Bericht). Zwei Höhepunkte und ein krönender Abschluss einer erfolgreichen Laufbahn.

Die Gefahr, dass Arndt wie so viele Athleten vor ihr der Versuchung erliegt, sich im Rückenwind des Erfolges für den oft missglückten Rücktritt vom Rücktritt zu entscheiden, besteht allerdings nicht.

Die 36-Jährige sehnt sich nach einem Neuanfang.

"Ich mache da kein Drama draus. Ich bleibe auch nach der WM der gleiche Mensch wie immer", sagte Arndt, die beim Straßenrennen am Samstag ihren letzten Wettkampf als Profi bestreiten wird: "Es ist eine Befreiung, dass es vorbei ist - nicht nur das Zeitfahren, sondern auch meine Karriere."

"Trainingszwang ist schwerer"

Nach über eineinhalb Jahrzehnten als Profirennfahrerin, in dem sie drei Olympische Medaillen und vier WM-Titel gewann, fühlt sich Arndt mental ausgelaugt.

Sie hat das Leben aus dem Koffer satt.

"Der Trainingszwang ist immer schwerer geworden. Es hat keinen Spaß mehr gemacht, sich jeden Tag zu quälen. Ich habe keine Lust mehr darauf", sagte Arndt, die es nach Australien zieht.

Dort will sie sich einen lang gehegten Traum erfüllen und ein Studium der Soziologie und Kulturwissenschaften beginnen: "Für mich startet ein neues Leben."

Arndt dankbar

Ihr altes Leben bescherte der gebürtigen Brandenburgerin am Dienstag nochmals den Ruhm, auf den sie nie viel Wert legte.

Mit 33 Sekunden Vorsprung auf die Amerikanerin Evelyn Stevens siegte Arndt im Zeitfahren der Straßenrad-WM in den Niederlanden und fiel im Ziel ihrer Lebensgefährtin Anna Millward in die Arme.

Auch für die Australierin, die selbst Profi-Radsportlerin war, beendet Arndt ihre Laufbahn.

"Es ist nicht einfach, wenn man seinen Partner nur selten sehen kann. Ich bin ihr dankbar, dass sie mich bis hierher begleitet hat", sagte Arndt.

Deutsche Bürokratie "nervt"

Nächstes Jahr im März, so der grobe Plan der beiden, soll der Container mit Arndts Habseligkeiten nach Down Under verschifft werden.

Auch ihre beiden Hunde - zwei waschechte "Aussies" - kehren nach zwei Jahren zurück nach Australien.

"In vielen Sachen ist es dort ein bisschen ungezwungener, die Wege sind geradliniger", beschreibt Arndt ihre neue Heimat: "In Deutschland muss immer alles schriftlich und in dreifacher Ausführung geregelt werden. Das nervt schon ein bisschen."

Allerletzter Auftritt

Trotz der Erleichterung über das bevorstehende Karriere-Ende, so Arndt, würde sie sich noch einmal für eine Profi-Karriere im Radsport entscheiden: "Es war schon schön und hat Spaß gemacht. Aber jetzt ist es vorbei. Feierabend."

Am Samstag um 14.30 Uhr tritt Arndt in Valkenburg zu ihrem letzten Dienst an.

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