Judith Arndt holt bei Olympia 2012 die Silbermedaille © getty

Bei der ihren letzten Straßen-Weltmeisterschaften in den Niederlanden vergoldet die 36-Jährige im Zeitfahren ihren Karriereabschluss.

Valkenburg - Als Judith Arndt in ihrem letzten Zeitfahren noch einmal WM-Gold gewonnen hatte, fiel sie der Frau in die Arme, für die sie den Profi-Radsport aufgibt.

Lange umarmte die 36-Jährige ihre australische Lebensgefährtin Anna Millward, nachdem sie bei der Straßenrad-WM in den Niederlanden in beeindruckender Manier zu ihrem zweiten Zeitfahr-Titel in Folge gerast war .(BERICHT: Goldener WM-Start für deutsche Radprofis)

"Sie hat mich in den letzten vier Jahren sehr unterstützt. Es war auch für sie sehr hart. Ich bin ihr dankbar, dass sie mich bis hierher begleitet hat", sagte Arndt.

Sprechen nicht möglich

Für ein Gespräch mit Millward fehlte ihr zunächst schlicht die Luft: "Wir haben nicht geredet. Ich hatte noch einen Puls von 180. Aber ich habe gewusst, dass sie auf mich wartet."

Nach der Zieleinfahrt hatte Arndt ihren Triumph kaum glauben können. "Habe ich gewonnen?", fragte sie hastig eine Betreuerin, kurz darauf bekam Arndt Gewissheit und warf jubelnd die Arme in die Höhe.

Großer Vorsprung

Stattliche 33 Sekunden Vorsprung hatte sie auf der 24,3 km langen Strecke herausgefahren. Silber sicherte sich Evelyn Stevens aus den USA vor Linda Villumsen (Neuseeland).

"Ich bin sehr stolz. Es lief optimal", sagte Arndt. Es sei "eine Befreiung, dass es vorbei ist - nicht nur das Zeitfahren, sondern auch meine Karriere". Das WM-Straßenrennen am Samstag wird ihr letzter großer Auftritt.

Im Wiegetritt Richtung Gold

Schon nach der ersten Zwischenmessung lag die 36-Jährige in Führung und baute diese immer weiter aus. Mit rund zehn Sekunden Vorsprung ging sie auf das letzte Teilstück der Strecke, auf dem der vom Amstel Gold Race bekannte Cauberg wartete.

"Ich mag diesen Anstieg nicht besonders", hatte Arndt bereits vor dem Rennen durchblicken lassen. Doch während all ihre Konkurrentinnen hier Zeit liegen ließen, stürmte Arndt im Wiegetritt den Anstieg hinauf.

Erst Silber, dann Gold

Für Arndt war es bereits die zweite Medaille bei der WM. Sie hatte im Teamzeitfahren am Sonntag mit Orica-AIS bereits Silber gewonnen.

Weiteres Duo in Top Ten

Im Schatten der Olympia-Zweiten aus Königs Wusterhausen fuhren auch die weiteren deutschen Starterinnen ein starkes Rennen.

Die 37-Jährige Ina-Yoko Teutenberg (Düsseldorf), die ihr Karriereende wohl um ein weiteres Jahr verschieben wird, landete auf dem sechsten Platz. Trixi Worrack aus Cottbus fuhr auf Rang acht.

"Normales" Leben wartet

Nach dem Straßenrennen am Samstag will Arndt nach mehr als einem Jahrzehnt Profiradsport ein "normales" Leben beginnen. Sie zieht es in ihre Wahlheimat Australien, wo sie sich einen lang gehegten Traum erfüllen und ein Studium in Soziologie und Kulturwissenschaften beginnen will.

"Ich will mich nicht mehr jeden Tag quälen, darauf habe ich keine Lust mehr", sagte Arndt, die am Dienstag zeigte, welch große Lücke sie nach ihrem Abschied beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hinterlassen wird.

Schachmann zuvor mit Bronze

Für den Verband war es nach Bronze von Junior Maximilian Schachmann am Montag das erste WM-Gold. Die Juniorinnen hatten kurz vor dem Zeitfahren der Frauen-Elite das Podium verpasst.

Am Mittwoch soll Weltmeister Tony Martin (Cottbus) bei den Männern für die nächste Medaille sorgen. Der 27 Jahre alte Olympiazweite geht nach den Absagen zahlreicher Konkurrenten wie dem britischen Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins als Top-Favorit in das 45,7 km lange Rennen von Heerlen nach Valkenburg.

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