Judith Arndt gewann bei den Olympischen Spielen in London Silber © getty

Olympiazweite Judith Arndt will bei der WM mit Edelmetall von der Radsport-Bühne abtreten. Danach erfüllt sie sich einen Traum.

Valkenburg - Die Albernheiten ihrer Teamkolleginnen trieben Judith Arndt die Tränen in den Augen.

Mit Witz und viel Charme hatten die jungen Fahrerinnen von Orica-AIS die Pressekonferenz nach dem Mannschaftszeitfahren der Straßenrad-WM zu einer Comedy-Show werden lassen.

Arndt genoss die Darbietungen sichtlich, lachte und hielt sich dabei immer wieder die Hände vor das Gesicht.

Und sie kaschierte beim letzten öffentlichen Auftritt im Kreise ihrer Freundinnen auch ein wenig Wehmut, denn beim Wettkampf in den Niederlanden bestreitet die 36-Jährige die letzten Rennen ihrer Karriere.

Dankbare Arndt

Am Dienstag greift die Olympiazweite im Trikot des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) nach der Titelverteidigung im Einzelzeitfahren.

"Ich bin froh, dass wir hier auch als Team zusammenfahren konnten. So kann man auch den Leuten etwas zurückgeben, die das ganze Jahr für einen arbeiten", sagte Arndt nach dem erstmals bei einer WM ausgetragenen Zeitfahren für "Firmenteams".

Gar als "zweites Hauptziel der Saison" hatte Arndt den Wettbewerb am Sonntag ausgerufen.

Arendt ist Topfavoritin

Am Ende reichte es wie schon beim wichtigsten Rennen des Jahres - dem Zeitfahren bei den Olympischen Spielen in London - zu Silber. (BERICHT: Goldener WM-Start für deutsche Radprofis)

"Ich war schon Einzel-Weltmeisterin. Von daher war es naheliegend, sich neue Ziele zu suchen. Das heißt nicht, dass ich am Dienstag nur easy fahre", sagte Arndt, die in Abwesenheit von Olympiasiegerin Kristin Armstrong (USA) als eine der Top-Favoritinnen für das 24,3 km lange Rennen gilt.

Der Sieg sei immer das Ziel, versicherte Arndt, "aber alles was jetzt kommt, ist eine Zugabe."

Rückzug nach Australien

Sich neue Ziele suchen. Längst hat sich diese sportliche Vorgabe auch in Arndts Privatleben niedergeschlagen.

Nach über einem Jahrzehnt als Profirennfahrerin fühlt sich Arndt mental ausgelaugt, sie hat das Leben aus dem Koffer satt.

"Wenn ich nicht froh über das Ende wäre, würde ich es nicht machen", sagte Arndt, die es in ihre Wahlheimat Australien zieht.

Dort will sie sich einen lang gehegten Traum erfüllen und ein Studium der Soziologie und Kulturwissenschaften beginnen.

Der Profi-Radsport ist für die Brandenburgerin dagegen ein abgeschlossenes Kapitel.

"Nerviges" Gold-Gerede

Es wird als eine Erfolgsgeschichte Eintrag in ihrem Lebenslauf finden. Gold im Zeitfahren braucht sie dafür nicht. "Dieses ganze Gerede von Gold nervt mich sowieso. Mit einer Silbermedaille ist man auch nicht schlecht", sagte Arndt, die trotz fünf Anläufen nie Olympiasiegerin wurde: "Ich kann trotzdem stolz auf meine Karriere sein."

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