Tony Martin gewann beim Olympia-Zeitfahren in London die Silbermedaille © getty

Tony Martin und Trixi Worrack führen ihre Teams bei einer doppelten WM-Premiere zu Triumphen im Zeitfahren. Arndt holt Silber.

Valkenburg - Die deutschen Radprofis haben sich zum Auftakt der Straßen-WM in der niederländischen Provinz Limburg als echte Teamplayer erwiesen und mit vier Goldmedaillen belohnt.

Tony Martin führte seine QuickStep-Equipe beim erstmals ausgetragenen Zeitfahren für "Firmenmannschaften" zum knappen aber verdienten Sieg und ist spätestens seit Sonntag der größte Anwärter auf den Einzeltitel am Mittwoch.

"Der Sieg hat mir Selbstvertrauen gegeben. Ich bin bereit, meinen Titel zu verteidigen", sagte Martin.

Bei den Frauen triumphierte Lululemon-Specialized mit einem starken deutschen Trio. Auch die Olympiazweite Judith Arndt startete mit Edelmetall in ihren letzten internationalen Wettkampf.

"Eine ganz große Genugtuung"

"Ich bin sehr zufrieden. Gerade ich als Weltmeister hatte eine führende Rolle und eine Verantwortung, der ich gerecht geworden bin", sagte Martin:

"Es ist nach der Saison eine ganz große Genugtuung, mein Team hat mir immer den Rücken gestärkt. Es gab nie Druck, obwohl ich wirklich des Öfteren am Boden war, im wahrsten Sinne des Wortes."

Martin war mit QuickStep um 15.22 Uhr als einer der Top-Favoriten auf die 53,2 km lange Strecke gegangen, die über die vom Amstel Gold Race bekannten Anstiege Lange Raarberg, Bergseweg und Cauberg führte.

Nach der ersten Zwischenmessung lag das Sextett mit den Lokamatadoren von Rabobank gleichauf. Die Niederländer ließen im Rennverlauf aber stark nach und hatten mit der Entscheidung nichts zu tun.

Fernduell mit BMC Racing

Stattdessen entwickelte sich ein Fernduell mit dem amerikanischen Team BMC Racing, das dem hohen Tempo von Martin und Co. als Einziges folgen konnte.

Siegessicher hatten sich die QuickStep-Profis schon bei der Zieldurchfahrt abeklatscht, mussten aber bis zuletzt um Gold zittern. Am Ende gewannen sie in 1:03:17 Stunden mit drei Sekunden Vorsprung auf BMC. Bronze ging an Orica-GreenEdge (Australien).

RadioShack-Nissan mit den deutschen Fahrern Andreas Klöden und Routinier Jens Voigt landete auf einem enttäuschenden achten Platz. Vuelta-Sieger Alberto Contador (Spanien) hatte für SaxoBank auf einen Start verzichtet.

Perfekter Einstand für Frauen

Bei den Frauen feierte das mit einer deutschen Lizenz ausgestatte Team Lululemon-Specialized einen perfekten Einstand im neuen Modus.

In 46:31 Minuten gewann das favorisierte Sextett um Trixi Worrack, Ina-Yoko Teutenberg und Charlotte Becker das 34,2 km lange Rennen vor Orica-AIS (Australien) und AA Drink (Niederlande).

"Es ist 20 Jahre her, dass ich Junioren-Weltmeisterin war. Es bedeutet mir sehr viel, mit den Mädels, mit denen man das ganze Jahr über zusammen ist, gewonnen zu haben", sagte Teutenberg, die ihr geplantes Karriereende wohl bis Ende 2013 verschieben wird.

Arndt muss sich mit Silber trösten

Einzel-Zeitfahrweltmeisterin Judith Arndt musste sich bei ihrem "zweiten Hauptziel des Jahres" mit Silber begnügen. "Leider sind wir am Sieg vorbeigefahren. Die Zeit haben wir in der zweiten Hälfte verloren", sagte Arndt, die nach der WM ihre erfolgreiche Karriere beendet.

Die 36-Jährige geht im Kampf gegen die Uhr am Dienstag und dem Straßenrennen am Samstag in ihre letzten Rennen, bevor sie in ihrer Wahl-Heimat Australien ein Studium in Soziologie und Kulturwissenschaften antreten will.

Ein Teamzeitfahren hatte es zuletzt bei der WM 1994 in Agrigiento (Italien) gegeben, damals jedoch für Nationalmannschaften in einer Besetzung aus vier Fahrern.

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