Tony Martin gewann bei Olympia in London im Zeitfahren die Silbermedaille © getty

Nach einem durchwachsenen Jahr will Zeitfahr-Spezialist Tony Martin bei der WM auftrumpfen. Auch andere Deutsche haben Chancen.

Valkenburg - Der materielle Wert von Tony Martins WM-Trikot lässt sich noch nicht final bestimmen.

175 Euro sind bei einer bis Anfang Oktober laufenden Charity-Auktion für das markante Regenbogen-Jersey geboten, das sich der Radprofi 2011 in Kopenhagen erstmals in seiner Karriere gesichert hatte. Es ist ein emotional zweifellos kostbares Einzelstück, das Martin dennoch gerne hergab. Weil die Erlöse einem Kinderhospiz zugute kommen.

Und weil der gebürtige Cottbuser bei den am Sonntag beginnenden Weltmeisterschaften im niederländischen Valkenburg seinen Titel erfolgreich verteidigen will und sich im Erfolgsfall einfach ein neues Weltmeister-Trikot überstreifen könnte.

"Hat sehr gut getan"

"Die WM ist eines der großen Saisonhighlights und in meinem Rennkalender fest verankert. Mein Jahr war durchwachsen. Ich bin daher noch heißer darauf, einen versöhnlichen Abschluss hinzubekommen. Ich werde mein Herzblut reinlegen", sagte Martin, der zu den Medaillengaranten im ambitionierten deutschen Team zählt.

Schon kurz nach seinem zweiten Platz im Zeitfahren der Olympischen Spiele in London hatte Martin den Fokus voll auf die WM gelegt und bei der anspruchsvollen Spanien-Rundfahrt das Belastungsniveau ansteigen lassen.

"Das hat sehr gut getan, denn ich habe auch die Schmerzgrenze erweitern können", sagte Martin, für den das Ergebnis von London auch ein Stück weit Genugtuung nach der Pannenserie bei der Tour de France war.

Schärfste Konkurrenten fehlen

In den Niederlanden wird sich der 27-Jährige mit zwei seiner schärfsten Konkurrenten der vergangenen Monate nicht messen müssen.

Englands Olympiasieger und Tour-de-France-Gewinner Bradley Wiggins sowie der Schweizer Zeitfahrspezialist Fabian Cancellara haben ihre Teilnahme abgesagt. "Realistisch gesehen", sagt Martin, "bin ich der Favorit." Dennoch sei in dem Briten Christopher Froome ein starker Zeitfahrer am Start.

Gut möglich, dass sich Martin bereits vor dem Einzel-Rennen mit einem weiteren Titel schmückt.

Zum Auftakt der Wettbewerbe am Sonntag wird erstmals ein Teamzeitfahren der World-Tour-Teams ausgetragen, Martin zählt mit Omega Pharma-QuickStep auch hier zu den aussichtsreichsten Kandidaten. "Das ist eine sehr gute Maßnahme. Ich denke, es wird wieder mehr Aufmerksamkeit auf die WM richten", sagte Martin.

Arndt vor Karriereende

Bei den Frauen soll für Zeitfahr-Titelverteidigerin Judith Arndt der Kampf gegen die Uhr mit der Mannschaft der gelungene Start in den letzten großen Wettbewerb ihrer Laufbahn sein. Die 36 Jahre alte Olympiazweite wird nach den Weltmeisterschaften ihre lange und erfolgreiche Karriere beenden.

Im Straßenrennen der Männer am 23. September hofft derweil der fünffache Vuelta-Etappensieger John Degenkolb auf den großen Coup. (VORSCHAU: Aus dem Schatten zum WM-Coup)

Degenkolb hofft

Der 267 km lange Kurs mit Start in Maastricht gilt mit den vom Amstel Gold Race bekannten Anstiegen am Bemelerberg und Cauberg als Kurs für Klassiker-Spezialisten. Der deutsche Meister Fabian Wegmann ist ein aussichtsreicher Kandidat im Kader des Bundes Deutscher Radfahrer, aber auch bergfeste Sprinter wie Degenkolb können sich Hoffnungen machen.

Im Nachwuchsbereich will allen voran Rick Zabel, Sohn der Sprinter-Legende Erik Zabel, als frisch gekürter deutscher Meister im Straßenrennen der U23-Klasse von sich reden machen.

Im Zeitfahren gehen Jasha Sütterlin und Jakob Steigmiller auf Medaillenjagd. "Ich bin sehr zuversichtlich und traue ihnen in Valkenburg einiges zu", sagte Bundestrainer Ralf Grabsch.

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