Sprintstar John Degenkolb gewann bei der Vuelta 2012 fünf Etappen © getty

Der deutsche Radstar sprintet bei der Vuelta mit einer Rekordmarke ins Rampenlicht und empfiehlt sich für größere Aufgaben.

Madrid/München - John Degenkolb wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte.

"Zur Belohnung und als Dank lade ich die Jungs jetzt in Madrid zum Essen ein, und dann werden wir feiern", schrieb Degenkolb auf seiner Homepage, bevor er am Sonntagabend mit dem Tross von Argos-Shimano anstieß und nach seinem Sieg auf der prestigereichen Schlussetappe bei der 67. Vuelta die Nacht zum Tag machte.

Über drei Wochen waren seine Teamkollegen während des Rennens vornehmlich für den Sprinter aus Gera gefahren, sie verhalfen ihm so zu fünf Tagessiegen und damit auch zu einem nationalen Rekord (Bericht: Contador gewinnt Vuelta, Degenkolb Schlussetappe).

Bestmarke durch Degenkolb

Noch nie hat ein deutscher Radprofi bei einer einzigen Spanien-Rundfahrt mehr Teilstücke gewonnen als Degenkolb, der die Bestmarke von Marcel Wüst aus dem Jahr 1999 (vier Etappen) verbesserte.

"Das ist doch der Hammer", sagte der 23-jährige Degenkolb, für den die Spanien-Rundfahrt 2012 zu einem vollen Erfolg wurde.

Folgt das Tour-Debüt?

Bislang hatte er im großen Schatten von Weltklasse-Sprinter Andre Greipel (Rostock) und auch ein wenig in dem seines Teamkollegen Marcel Kittel (Arnstadt) gestanden.

Letzerer hatte bereits im Vorjahr bei der Vuelta eine Etappe gewonnen und war auch für die Tour de France 2012 nominiert worden. Schon im kommenden Jahr könnte Degenkolbs Tour-Debüt anstehen.

"Einfach nur großartig"

In Abwesenheit des deutschen Duos und weiterer starker Konkurrenten wie etwa des britischen Weltmeisters Mark Cavendish (Sky) nutzte Degenkolb eindrucksvoll die Chance, um selbst ins Rampenlicht zu fahren.

"Großartig, es ist einfach nur großartig", beschrieb der junge Mann, der sich auf dem Podium im Herzen der spanischen Hauptstadt feiern ließ, seine Emotionen: "Ich fühle mich, als ob ich schwebe."

Folgt der Triumph in Valkenburg?

In neue Sphären aufsteigen könnte Degenkolb mit einem Coup im Straßenrennen der Rad-WM am 23. September im niederländischen Valkenburg.

Der 267 km lange Kurs mit Start in Maastricht gilt mit den vom Amstel Gold Race bekannten Anstiegen am Bemelerberg und Cauberg als Kurs für Klassiker-Spezialisten.

Der deutsche Meister Fabian Wegmann (Münster) ist ein aussichtsreicher Kandidat im Kader des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), aber auch bergfeste Sprinter wie Degenkolb können sich Hoffnungen auf den Gewinn des Regenbogentrikots machen.

Keine Helferrolle mehr

Mit seinen Leistungen bei der Vuelta hinterließ Degenkolb ein Empfehlungsschreiben, die Renntaktik im deutschen Team auf ihn auszurichten.

Noch im Straßenrennen der Olympischen Spiele hatte sich Degenkolb in den Dienst von Andre Greipel gestellt und auf den Sprung in die Fluchtgruppe um den späteren Goldmedaillengewinner Alexander Winokurow verzichtet.

Ein Szenario, das in dieser Form nach dem WM-Verzicht des Lotto-Profis Greipel in Valkenburg ausgeschlossen ist.

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