Ryder Hesjedal wurde 2007 kanadischer Meister im Einzelzeitfahren © getty

Der Kanadier Hesjedal entreißt Joaquin Rodriguez auf der letzten Etappe die Gesamtführung. Marco Pinotti holt den Tagessieg.

Mailand - Der große Rivale um den Gesamtsieg beim 95. Giro d'Italia war noch auf der Strecke, da ließ sich Ryder Hesjedal im Schatten des Mailänder Doms bereits ausgiebig feiern.

Der innigen Umarmung mit seiner Lebensgefährtin folgten unzählige Schulterklopfer und Glückwünsche, nachdem der Kanadier schon vor der Zieleinfahrt des Spaniers Joaquin Rodriguez als erster Sieger seines Landes bei der Italien-Rundfahrt festgestanden hatte.

"Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ich habe mich von Beginn an gut gefühlt und wollte jede Gelegenheit nutzen, um in dieses Trikot zu fahren", sagte Hesjedal, der bei der Siegerehrung tief durchatmete und auf der Spitze des Treppchens fast ungläubig das legendäre Maglia Rosa in Empfang nahm.

Einige Führungswechsel

Nur 16 Sekunden Vorsprung hatte der 31-Jährige nach insgesamt 3504 Kilometern auf Rodriguez, es war eine der knappsten Entscheidungen in der Geschichte des zweitwichtigsten Radrennens der Welt und das würdige Ende eines bis zuletzt hochspannenden Duells.

Mit 31 Sekunden Rückstand auf Katjuscha-Profi Rodriguez war der als starker Zeitfahrer bekannte Hesjedal in die Straßen der lombardischen Metropole gegangen. Schnell holte er diesen jedoch auf und schulterte am Ende wieder das Jersey, das er erstmals auf der siebten Etappe erobert hatte.

Was im weiteren Rennverlauf folgte, war ein relgerechter "Trikottausch" zwischen den beiden Radprofis.

Rotes Trikot für Rodriguez

Immer wieder wechselte in den folgenden zwei Wochen die Führung im Gesamtklassement. Immer hieß der Erstplatzierte Hesjedal oder Rodriguez.

Für die Vorentscheidung sorgte der spätere Triumphator auf der schweren Hochgebirgsetappe nach Alpe di Pampeago am vergangenen Freitag, als er die Konkurrenz in einem packendem Schlagabtausch distanzierte und wichtige Sekunden rausholte.

Der Tagessieg am Sonntag ging an Marco Pinotti (Italien/BMC).

Rodriguez tröstete sich am Ende mit dem Roten Trikot des Punktbesten, das er knapp vor dem englischen Top-Sprinter Mark Cavendish (Sky) gewann (DATENCENTER: Kalender und Ergebnisse).

Radioshack enttäuscht

Zum vollen Erfolg wurde der Giro auch für das deutsche Wildcard-Team NetApp um Teammanager Ralph Denk.

Mit zahlreichen gelungenen Ausreißversuchen und acht Top-Ten-Platzierungen machte die Mannschaft die im Vorfeld gehegten Zweifel an der Nominierung vergessen.

Eine der großen Enttäuschungen war dagegen die vor der Saison als "Super-Team" gehandelte Equipe von RadioShack.

Nicht eine Etappe wurde gewonnen, auf der 15. Etappe stieg zudem Ersatzkapitän Frank Schleck (Luxemburg) vorzeitig aus dem Rennen aus.

Es folgten öffentlich zur Schau getragene Spannungen zwischen dem Spitzenfahrer und Manager Johann Bruyneel.

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