Michele Scarponi (l.) wurde nachträglich zum Sieger des Giro d'Italia erklärt © getty

Der gesperrte Alberto Contador fehlt beim Giro genauso wie deutsche Favoriten. An Weylandt wird erinnert.

Herning/München - Vorjahres-Dominator Alberto Contador sitzt seine Dopingsperre ab und hat seinen Titel verloren. Die Erinnerung an den 2011 tödlich verunglückten Belgier Wouter Weylandt fährt mit.

Wenn der 95. Giro d'Italia (5. bis 27. Mai) am Samstag im dänischen Herning beginnt, rückt zunächst die Vergangenheit der weltweit zweitgrößten Radrundfahrt in den Fokus (DATENCENTER: Kalender und Ergebnisse).

Die dritte Etappe, die Weylandt 2010 gewann und auf der er letztes Jahr so tragisch stürzte, wird sogar ganz im Zeichen des verunglückten Sprinters stehen.

Der neue Giro-Chef Michele Acquarone hat für das Teilstück nach Horsens eine "WW Special"-Etappe ausgerufen. "WW Special", weil das der Spitzname Weylandts war.

Weylandts Nummer wird nie mehr vergeben

Gemeinsam mit der Familie des verstorbenen Radprofis, von dem Italiener zur Etappe nach Dänemark eingeladen, wurde dies beschlossen. "Der ganze Tag wird Weylandt gewidmet sein", sagte Acquarone im offiziellen Programm des Giro. Zudem wird die Rückennummer 108, die Weylandt 2011 trug, nie mehr vergeben.

Acquarone hat sich der Rückkehr zu etwas mehr Vernunft verschrieben. Der Giro soll sich 2012 verändern, nicht mehr so brachial sein wie noch unter dem langjährigen Vorgänger Angelo Zomegnan.

Dem ging das Spektakel über alles, er nahm Risiko teils bewusst in Kauf und manövrierte die Corsa Rosa damit in die Krise. Die Berge schienen ihm nie hoch genug zu sein, die Abfahrten nie zu riskant, die Etappen nie schwer genug.

Acquarone will dagegen "die Fahrer respektieren", und er will ein "ausgewogenes Rennen".

Hinauf bis auf 2757 Meter

Schwierigkeiten gibt es auf den 3504 km zwischen Herning und Mailand dennoch zur Genüge, gerade das Teilstück hinauf zum Stilfser Joch (2757 m) am vorletzten Tag einschließlich des gefürchteten Mortirolo ist respekteinflößend und könnte die Rundfahrt durchaus entscheiden.

Für den Gesamtsieg interessiert sich in Abwesenheit Contadors nicht zuletzt der Fahrer, der von der Disqualifikation des Spaniers profitierte. Der Italiener Michele Scarponi, selbst alles andere als unbefleckt in Sachen Doping und nachträglicher Sieger 2011, strebt nun nach dem "richtigen" Triumph.

2007 gab Scarponi Kontakte zum mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes zu und wurde gesperrt. "Ich möchte die Emotionen spüren, wenn man das Rosa Trikot auf der Straße erobert", sagte der 32 Jahre alte Lampre-Profi, der am Donnerstag in Herning seine verspätete Ehrung erhielt.

Bassos miserable Vorbereitung

Landsmann Ivan Basso (Liquigas), bisher zweimal beim Giro siegreich, plant derweil seinen dritten Streich. Der 34-Jährige hatte jedoch eine phasenweise miserable Vorbereitung.

Überdies wollen der Tscheche Roman Kreuziger (Astana), der Luxemburger Frank Schleck (RadioShack), dessen Höhepunkt aber eigentlich die Tour de France ist, Scarponis Teamkollege Damiano Cunego (Italien) und der Spanier Joaquim Rodriguez aus dem Katjuscha-Team des Deutschen Hans-Michael Holczer weit vorne landen.

Keine Favoriten aus Deutschland

Deutsche Fahrer mit Ambitionen sucht man vergeblich, Tony Martin und Co. lassen die Italien-Rundfahrt für die Saisonziele bei Tour und Olympia sausen.

In den NetApp-Profis Timon Seubert und Andreas Schillinger sowie Routinier Grischa Niermann (Rabobank) gehen lediglich drei Deutsche auf den Kurs mit zwei Einzelzeitfahren, einem Mannschaftszeitfahren und fünf Bergankünften.

Daher muss sich auch der britische Sprintstar und Weltmeister Mark Cavendish (Sky) nicht mit seinen deutschen Konkurrenten wie Andre Greipel auseinandersetzen. Das Team Argos-Shimano von Marcel Kittel und John Degenkolb erhielt im Gegensatz zu Zweitdivisionär NetApp keine Einladung.

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