Tony Martin (r.) war 2009 und 2011 Radsportler des Jahres © getty

Der Zeitfahr-Weltmeister verpasst beim Frühjahrsklassiker "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" den Sieg knapp.

München - Podestplatz verpasst, aber ein gelungenes Comeback gefeiert: Auch mit seinem vierten Rang bei der 51. Auflage des Frühjahrsklassikers "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" war Tony Martin zufrieden.

Nur knapp drei Wochen nach seinem schweren Trainingsunfall feierte der Zeitfahr-Weltmeister beim Sieg des Italieners Moreno Moser (Liquigas) im Schlussspurt mehr als einen Achtungserfolg.

"Nicht so mein Ding"

"Ich bin glücklich über meine Leistung. Sprint ist einfach nicht so mein Ding. Die Verletzung hat mich schon noch behindert", sagte Martin, der in der Mainmetropole nach seinem Unfall ein Blitz-Comeback gegeben hatte und mit einem nicht komplett ausgeheilten Kieferbruch an den Start gegangen war.

Nach 200 km sorgte der gebürtige Wangener Dominik Nerz im Ziel an der Frankfurter Oper als Zweiter hinter Moser für einen Doppelsieg des Teams Liquigas.

Platz drei an Firsanow

Platz drei belegte der Russe Sergej Firsanow (Rusvelo). Vorjahressieger John Degenkolb (Gera/Argos) kam beim früheren Rennen um den Henninger Turm im Spurt der Verfolger auf Rang sieben, Fünfter wurde Top-Sprinter Andre Greipel (Rostock/Lotto).

Moser beerbt Garzelli

Moser ist der insgesamt fünfte italienische Sieger des deutschen Traditionsrennens, zuletzt hatte 2006 Stefano Garzelli für einen Erfolg der Azzurri gesorgt. In den letzten drei Jahren hatten in Degenkolb (2011) und Fabian Wegmann (2009, 2010) deutsche Fahrer gewonnen.

Leibgericht als Belohnung

Die größte Belohnung für sein gelungenes Comeback wartete erst Stunden nach dem Rennen auf Martin. Für den Abend hatte seine Mutter dem in Eschborn aufgewachsenen Martin sein Leibgericht versprochen.

Gefüllte Hähnchen mit grünen Bohnen und vorher ein großer Teller Salat und Obst warteten auf den gebürtigen Cottbuser. 1989 war Martin mit seinen Eltern aus der DDR in den Westen geflüchtet und in Hessen gelandet.

Tolles Rennen

Auf der Strecke hatte sich der 27-Jährige seine Leibspeise zuvor verdient und alle Experten überrascht. Vor den Augen seiner Mutter am Streckenrand bot der Profi des belgischen Quickstep-Teams ein tolles Rennen und hatte sich zwischenzeitlich vom Hauptfeld abgesetzt.

Besser als erwartet

"Es ging wirklich sehr gut. Das hätte ich selbst nicht erwartet. Aber ich hatte heute auch nichts zu verlieren", zeigte sich Martin selbst überrascht von seinem Comeback. Zeitweise hatte er 30 Sekunden Vorsprung auf die ersten Verfolger, musste aber dann doch seiner Verletzungspause Tribut zollen.

Der Ausnahme-Zeitfahrer war am 12. April im Training nahe seines Wohnortes Kreuzlingen am Bodensee mit einem Auto kollidiert. Bei dem Zusammenstoß flog er durch die Scheibe des Wagens und zog sich Kopfverletzungen zu.

Keine OP nach Unfall

"Meine linke Gesichtshälfte ist total zermatscht", schrieb Martin damals auf seiner Website. Neben Jochbein- und Kieferfrakturen hatte er auch einen kleineren Bruch am linken Schulterblatt erlitten.

Zwei Tage nach dem Unfall konnte der gebürtige Cottbuser die Uni-Klinik in Zürich aber wieder verlassen und brauchte sich keiner Operation zu unterziehen.

Arbeit wie besessen

Nur eine Woche später nahm Martin das Training wieder auf und arbeitete wie besessen an seinem schnellen Comeback. Am Donnerstag gaben die Rennärzte dann grünes Licht für einen Start ihn Frankfurt.

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