Miriam Welte (r.) wurde 2011 im Keirin, Teamsprint und Zeitfahren Deutsche Meisterin © getty

Kristina Vogel und Miriam Welte holen bei der Bahnrad-WM den Titel. Den deutschen Herren wird ein Wechselfehler zum Verhängnis.

München/Melbourne - Überraschendes WM-Gold durch Kristina Vogel und Miriam Welte, bittere Disqualifikation für die favorisierten Männer:

Die deutschen Teamsprinter haben beim Auftakt der Bahnrad-WM in Melbourne innerhalb weniger Minuten eine Achterbahnfahrt der Gefühle durchgemacht.

"So einen Tag wie heute habe ich noch nie erlebt", sagte Bundestrainer Detlef Uibel, der zwischen Freude und Enttäuschung schwankte: "Die Mädels waren grandios, die Entscheidung bei den Männern ist dagegen richtig bitter."

Zwei Weltrekorde in 60 Minuten

Zumindest für Vogel und Welte war die Welt rundum in Ordnung.

"Weltmeister! Daran hätte ich im Traum nicht gedacht. Wenn mir das vorher jemand gesagt hätte, hätte ich ihn für verrückt erklärt", sagte die erst 21 Jahre alte Erfurterin Vogel: "Jetzt hoffen wir, dass uns das auch bei den Olympischen Spielen gelingt."

Im Finale auf dem schnellen Holzoval stellte das deutsche Duo in 32,549 Sekunden den zweiten Weltrekord innerhalb einer Stunde auf und verwies Topfavorit und Titelverteidiger Australien (32,597) auf Platz zwei.

Welte hat "Spaß"

Vor den Titelkämpfen hatten die beiden Außenseiter nur vorsichtig mit einer Medaille geliebäugelt, gelten nun aber auch in den Einzeldisziplinen als Mitfavoritinnen.

"Was jetzt kommt, ist alles Bonus. Ich habe Spaß, stehe am Start und genieße die Tage", sagte die 25 Jahre alte Welte (Kaiserslautern).

Schon in der Qualifikation hatte das deutsche Duo in 32,630 Sekunden für einen Paukenschlag gesorgt, dem im Finale die Krönung folgte.

Letzter statt Erster

Während die Frauen ihren Gold-Coup feierten, schauten Stefan Nimke, Rene Enders und Maximilian Levy nur enttäuscht zu.

Die Favoriten und Weltrekordhalter wähnten sich bereits im Finalrennen um die Goldmedaille, als sie wegen eines Wechselfehlers ans Ende des Klassements auf den 14. Platz gesetzt wurden.

"Es ist schon bitter, mit leeren Händen nach Hause zu fahren. Aber wenn wir gegen die Regel verstoßen haben, dann ist es so", sagte Nimke, der am Donnerstag im 1000-m-Zeitfahren als Titelverteidiger ins Rennen geht.

"Eine subjektive Entscheidung"

Mehr Kritik an der Jury übte Bundestrainer Uibel.

"Die Kommissäre haben das sehr, sehr genau genommen. Sie haben keine Videomittel, die das eindeutig belegen. Das war eine sehr subjektive Entscheidung, aber wir müssen das akzeptieren", sagte Uibel, der nun ganz auf London hofft: "Das Gute ist: Das war noch nicht der Höhepunkt. Wir haben noch die Olympischen Spiele."

Gold ging an Gastgeber Australien (43,266), der das spannende Finale mit einer Tausendstelsekunde Vorsprung vor Frankreich (43,267) gewann.

Liß überzeugt im Scratch-Rennen

Der deutsche Vierer verpasste derweil wie erwartet ein vordere Platzierung.

Das einstige Flaggschiff des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) musste sich in der Besetzung Nikias Arndt (Cottbus), Henning Bommel (Berlin), Stefan Schäfer (Cottbus) und Jakob Steigmiller (Biberach) mit Platz neun begnügen.

"Mehr war nicht drin. Immerhin haben wir uns um vier Sekunden gesteigert", sagte Trainer Sven Meyer über die Zeit von 4:05,078 Minuten. Gold ging in der Weltrekordzeit von 3:53,295 an Großbritannien vor Gastgeber Australien.

Für ein achtbares Resultat sorgte Lucas Liß aus Unna. Der 20-Jährige wurde im Scratch-Rennen guter Sechster. Gold holte nach 15 Kilometern der Brite Ben Swift vor Nolan Hoffman (Südafrika) und Wim Stroetinga (Niederlande).

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