Regenbogentrikot im Visier: Maximilian Levy (v.) und Stefan Nimke © getty

Den WM-Titel 2011 gab's am Grünen Tisch, bei der Bahnrad-WM in Melbourne brennen die deutschen Sprinter auf Gold im Holzoval.

Melbourne - Den WM-Titel 2011 holten sich die deutschen Bahnsprinter am Grünen Tisch, in Melbourne wollen die Athleten des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) ohne Umweg ins Regenbogentrikot fahren.

Bei den Weltmeisterschaften (4. bis 8. April), die am Mittwoch beginnen und ein wichtiger Fingerzeig in Richtung Olympia in London sind, gehen die Teamsprinter um Routinier Stefan Nimke als Weltrekordhalter und Favorit an den Start.

"Es zählt nur Gold, wir wollen unbedingt Weltmeister werden", sagt Rene Enders, neben Nimke und Maximilian Levy dritter Mann des BDR.

Nimke, in Melbourne außerdem Titelverteidiger im 1000-m-Zeitfahren, ergänzt: "Das gute Wetter sorgt für noch mehr gute Laune. Wenn wir zum Training auf die Bahn gehen, fahren wir vom Hotel mit dem Rad nur durch einen Park und sind da. Die Bedingungen hier in Melbourne sind echt ideal."

Anti-Doping-Regeln verletzt

Enders, Levy und Nimke hatten bei der Bahnrad-WM 2011 im niederländischen Apeldoorn Silber hinter Frankreich gewonnen, doch der französischen Equipe war der Titel nachträglich aberkannt worden.

Der Weltradsportverband UCI hatte alle Ergebnisse des französischen Sprinters Gregory Bauge zwischen Dezember 2010 und Dezember 2011 annulliert, weil der die Anti-Doping-Regeln des französischen Verbandes verletzt hatte.

Melbourne nur Zwischenstation

Glaubt man den Fahrern, sollen Nachlässigkeiten der Konkurrenz in Melbourne unerheblich sein, doch ganz so offensiv wie seine Athleten äußert sich Bundestrainer Detlef Uibel nicht.

Für ihn sind die Sommerspiele maßgeblich. "Melbourne ist nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach London", sagt Uibel, "deshalb werden wir auch keinen zu hohen Druck aufbauen."

Doch auch er weiß genau, dass der Sieg nur über die deutsche Mannschaft führt.

Weltrekordfahrt in Cali

Die souveränen Auftritte im Weltcup mit der Weltrekordfahrt im Dezember im kolumbianischen Cali haben ganz automatisch hohe Erwartungen geweckt.

Gleichwohl will Uibel auf dem Holzoval von Melbourne auch noch einmal eingehend prüfen, ob Nimke, Enders und Levy bereits die Idealformation für London sind.

"Wir werden nochmals testen, um nach der WM die endgültige Nominierung für Olympia vorzunehmen", sagt der Bundestrainer.

Damit bleibt für Robert Förstemann, der erster Ersatzmann ist und in jeder anderen Nation wahrscheinlich gesetzt wäre, zumindest noch ein Fünkchen Hoffnung auf London.

Levy Trumpfkarte im Einzelsprint

Im 1000-m-Zeitfahren, das ab sofort nicht mehr olympisch ist, geht Nimke als Titelverteidiger ins Rennen, Levy dürfte angesichts der Vorleistungen im Einzelsprint die größte deutsche Trumpfkarte sein.

Kristina Vogel und Miriam Welte starten ebenfalls mit berechtigten Medaillenchancen im Teamsprint, Vogel ist zudem auch im Einzel einiges zuzutrauen.

Am ehesten haben wohl noch Großbritannien, Frankreich und die gastgebenden Australier die Qualität, eine deutsche Sprintdominanz zu unterbinden.

Vierer peilt Top 8 an

Für das einstige Flaggschiff des BDR, den Bahn-Vierer, geht es lediglich darum, sich vernünftig aus der Affäre zu ziehen.

Die Olympia-Qualifikation ist dahin, die WM-Teilnahme kann somit bestenfalls für etwas Zuversicht sorgen und den Weg des Neuaufbaus von Trainer Sven Meyer bestätigen.

Die Stärken des BDR-Kaders liegen derzeit ganz klar im Sprintbereich, die Ausdauerdisziplinen werden von anderen Nationen bestimmt.

"Der Vierer hat Olympia zwar verpasst, will aber beweisen, dass man zu den besten Acht der Welt gehört", sagt BDR-Vizepräsident Udo Sprenger. Der BDR startet in der Besetzung Nikias Arndt, Henning Bommel, Stefan Schäfer und Jakob Steigmiller in die Qualifikation.

Ehrung im Keller

"Zwei Medaillen" hat Uibel in Melbourne als eher vorsichtiges Ziel formuliert, und die Teamsprinter wollen am Mittwoch gleich die erste Plakette einfahren.

Den möglichen Titel werden Nimke und Co. dann sicher auch in würdigem Rahmen empfangen.

Beim Weltcup im Februar im Londoner Velodrom hatten sie die nachträgliche WM-Ehrung für 2011 in einem Kellerraum entgegennehmen müssen. Die UCI wird sich diesmal gewiss mehr Mühe geben.

Das BDR-Aufgebot in Melbourne:

Männer Kurzzeit: Stefan Bötticher (20 Jahre/Breitenworbis), Joachim Eilers (21/Chemnitz), Rene Enders (24/Erfurt), Robert Förstemann (25/Gera), Maximilian Levy (24/Cottbus), Stefan Nimke (33/Schwerin).

Männer Ausdauer: Nikias Arndt (21/Cottbus), Henning Bommel (28/Berlin), Lucas Liß (20/Unna), Stefan Schäfer (26/Berlin), Jakob Steigmiller (22/Biberach)

Kurzzeit Frauen: Kristina Vogel (21/ Erfurt), Miriam Welte (25/Kaiserslautern).

Ausdauer Frauen: Charlotte Becker (28/Berlin), Lisa Brennauer (23/Durach), Madeleine Sandig (28/Cottbus), Stephanie Pohl (24/Cottbus).

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