Boonen (l.) gewann in diesem Jahr bereits die Katar-Rundfahrt und Gent-Wevelgem © getty

Boonen wehrt sich erfolgreich gegen die italienische Zange, Degenkolb rollt verbeult ins Ziel. Cancellara verletzt sich schwer.

Oudenaarde - Goldjunge Tom Boonen hat ganz Belgien verzückt, John Degenkolb rollte dagegen mit verbeultem Lenker enttäuscht ins Ziel.

Boonen, der bei der 96. Flandern-Rundfahrt seiner Favoritenrolle gerecht wurde, versetzte seine Landsleute mit dem dritten Sieg seiner Karriere in einen Freudentaumel.

Degenkolb wurde als aussichtsreichster deutscher Radprofi beim aufreibenden Ritt über die giftigen Hellingen von einem Sturz gestoppt und aller Hoffnungen beraubt (BERICHT: Verliebt in Mailand - San Remo: Degenkolb "super glücklich").

Massensturz am Paterberg

Degenkolb, der mit Aussichten auf ein Top-Ten-Ergebnis gestartet war, hatte großes Pech, als der Belgier Johan van Summeren (Garmin) in der zweiten Anfahrt zum Paterberg gut 33 km vor dem Ende zu Fall kam und eine Kettenreaktion auslöste, von der auch der gebürtige Geraer betroffen war.

Der Kapitän des Teams Argos-Shimano schaffte danach den Anschluss nach vorn nicht mehr und belegte mit über drei Minuten Rückstand Platz 59. Bis dahin hatte er jedoch ein glänzendes Rennen gezeigt.

"Es war mehr drin, aber das war der entscheidende Moment. Ich habe mich überschlagen, mein Lenker war verbeult und die Kette runter. Das war ein richtiger Tiefschlag", sagte Degenkolb nach dem Rennen.

"Habe vorne etwas verloren"

Dennoch zog der 23-Jährige ein insgesamt positives Fazit: "Ich habe gezeigt, dass ich da vorne etwas verloren habe. Heute kam zu keinem Glück auch noch Pech dazu."

Beste Deutsche waren Danilo Hondo (Guben) als 34. und Marcus Burghardt (Zschopau) als 36., die beide in der ersten Verfolgergruppe 38 Sekunden hinter Boonen ins Ziel fuhren.

Goldjunge triumphiert im Sprint

Boonen (QuickStep) setzte sich nach 256,9 km im Sprint im neuen Zielort Oudennaarde gegen die Italiener Filippo Pozzato (Farnese Vini) und Alessandro Ballan (BMC) durch, mit denen er sich 17 km vor dem Ziel am Oude Kwaremont abgesetzt hatte.

Der Belgier trotzte dabei der italienischen Zange, in die er im Finale geraten war, konterte jeden Angriff eiskalt und hatte am Ende die schnellsten Beine.

Nach den Siegen beim E3-Preis von Harelbeke und Gent-Wevelgem ist "Tommeke" damit bislang der Dominator des Frühjahrs. Boonen, der bereits 2005 und 2006 in Flandern triumphiert hatte, schloss zudem zu den Rekordsiegern der "Ronde" auf.

Dritter Sieg für Boonen

Neben dem 31-Jährigen haben nur die Belgier Achiel Buysse, Eric Leman und Johan Museeuw sowie der Italiener Fiorenzo Magni bei "Vlaanderens mooiste" - "dem Schönsten von Flandern" - dreimal gesiegt.

Zum Gigantenduell zwischen Boonen und Fabian Cancellara (RadioShack) kam es allerdings nicht.

Cancellara musste das Rennen am 1. April wie ein schlechter Scherz vorgekommen sein, denn der Traum vom erneuten Flandern-Triumph endete für ihn etwa 60 km vor dem Ziel.

Cancellara stürzt und verletzt sich schwer

Der Schweizer Zeitfahr-Olympiasieger, der 2010 nach einer beeindruckenden Solofahrt gewonnen hatte, stürzte in einer Verpflegungszone schwer und musste aufgeben.

Bei dem Missgeschick zog er sich einen dreifachen Bruch des rechten Schlüsselbeins zu.

Sein Start bei Paris-Roubaix in einer Woche ist damit ausgeschlossen.

Erstmals seit 1981 verzichtete eines der fünf Monumente des Radsports auf die berüchtigte Mauer von Geraardsbergen, einen der markantesten Abschnitte.

Auslese auch ohne "Muur" gnadenlos

Ohne die "Muur" lenkten die Veranstalter das Feld dreimal über Oude Kwaremont und Paterberg.

Mit der ersten Überfahrt begann im Hauptfeld etwa 75 km vor dem Ziel bereits die gnadenlose Auslese.

Das deutsche Team NetApp, das sein Flandern-Debüt feierte, schöpfte seine Möglichkeiten nahezu komplett aus.

Team NetApp zufrieden

In Andreas Schillinger und dem Österreicher Daniel Schorn platzierte die Equipe von Manager Ralph Denk zwei Fahrer in einer 15-köpfigen Spitzengruppe, die sich bis zum Beginn der rennentscheidenden Phase vor den Favoriten hielt.

An der ersten Passage des Oude Kwaremont verloren jedoch sowohl Schillinger als auch Schorn den Anschluss an ihre Fluchtgefährten.

Den Sieg bei den Frauen holte sich die deutsche Zeitfahr-Weltmeisterin Judith Arndt, die damit zum zweiten Mal nach 2008 in Flandern triumphierte - wie damals vor der US-Amerikanerin Kristin Armstrong.

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