Tony Martin gewann 2011 eine Etappe bei der Tour de France © getty

Vor der Fernfahrt Paris-Nizza ist der Zeitfahr-Weltmeister nicht in Topform. Immerhin: Das Knie bereitet kaum noch Probleme.

Dampierre-en-Yvelines/München - Tony Martins Knie hat gezwickt. Manchmal mehr, manchmal weniger. Die Probleme haben den Zeitfahr-Weltmeister beim Formaufbau im Winter gestört.

Die Verfassung ist daher nicht so, wie sie sein könnte, und eine Wiederholung des Vorjahressieges bei der 70. Auflage der Radfernfahrt Paris-Nizza (4. bis 11. März) nicht realistisch.

"Meine Form am Berg ist nicht so gut wie letztes Jahr, deshalb will ich keine übermäßigen Erwartungen schüren", sagte Martin vor dem "Rennen zur Sonne", das am Sonntag nahe der französischen Hauptstadt beginnt.

Zwar ist Martin ein Kandidat für den Etappensieg beim Auftaktzeitfahren über 9,4 km, doch die Bergankunft in Mende auf der 5. Etappe und die abschließende Kletterei auf den Col d'Eze kommen dieses Jahr für den gebürtigen Cottbuser zu früh.

Fokus auf Olympia

"Der Winter war nicht so reibungslos wie letztes Jahr, das Rennen ist ohne langes Zeitfahren auch nicht auf mich zugeschnitten. Mal sehen, wie ich über die ersten Tage komme. Wenn, dann wären die Top 5 interessant", sagte Martin, der zudem nach der Algarve-Rundfahrt in Portugal, die er als Zweiter beendet hatte, leicht erkrankt war.

Große Sorgen um seine Saisonziele macht sich Martin vor dem ersten europäischen World-Tour-Rennen 2012 allerdings nicht, das Knie hat sich inzwischen beruhigt und der wichtigste Monat kommt für den deutschen Hoffnungsträger ohnehin erst im Juli.

"Ich bin sicher, dass ich meine Form relativ schnell wieder erlange", sagte er. Die Tour de France und Olympia in London, darauf fokussiert sich Martin. Der Traum vom Gelben Trikot und von der Goldmedaille im Zeitfahren überstrahlt alles andere. (BERICHT: Volle Konzentration auf Olympia)

"Haben frischen Wind reingebracht"

Die Strecke in Richtung Cote d'Azur nimmt Martin, der 2011 als vierter Deutscher in Nizza triumphierte, gleichwohl "selbstbewusst" in Angriff. Nur einfach so mitzufahren, ist nicht sein Ding.

Zudem hat sein neues Team Omega Pharma-QuickStep eine erstaunliche Siegesserie gestartet, seitdem der 26-Jährige mit einigen Fahrern und Betreuern von der aufgelösten Equipe HTC-Highroad nach Belgien gewechselt ist.

13 Erfolge hat QuickStep zu diesem frühen Zeitpunkt bereits gelandet. Das soll sich möglichst fortsetzen. "Die mentale Seite macht viel aus. Wir haben frischen Wind reingebracht und neue Türen geöffnet. Das ist wie ein Aha-Erlebnis, das neue Kräfte freisetzt. Einige fahren wie komplett ausgetauscht", sagte Martin.

Leipheimer gilt als Mitfavorit

Vergangenes Jahr war der Rennstall um den belgischen Superstar Tom Boonen und den deutschen Sprinter Gerald Ciolek eine einzige Enttäuschung gewesen, derzeit gibt es kein besseres Team.

Auch für den Gesamtsieg in Nizza hat QuickStep noch ein Eisen im Feuer. Der Amerikaner Levi Leipheimer gilt neben Bradley Wiggins (Großbritannien/Sky) und dem Spanier Alejandro Valverde (Movistar), der nach seiner abgessenen Dopingsperre sofort wieder in Topform fährt, als Mitfavorit.

Dazu kommt aus deutscher Sicht noch Andreas Klöden (Mittweida/RadioShack), den man laut Martin "immer auf der Liste" haben müsse. Eine der wenigen Möglichkeiten der Sprinter auf einen Tagessieg könnte der gebürtige Arnstädter Marcel Kittel (Project-1t4i) nutzen.

Die Etappen in der Übersicht:

1. Etappe: Dampierre-en-Yvelines - Saint-Remy-les-Chevreuse (9,4 km/EZF)2. Etappe: Mantes-la-Jolie - Orleans (185,5 km)3. Etappe: Vierzon - Le Lac de Vassiviere (194,0 km) 4. Etappe: Brive-la-Gaillarde - Rodez (178,0 km) 5. Etappe: Onet-le-Chateau - Mende (178,5 km) 6. Etappe: Suze-la-Rousse - Sisteron (178,5 km)7. Etappe: Sisteron - Nizza (219,5 km)8. Etappe: Nizza - Col d'Eze (9,6 km/EZF)

Gesamtdistanz: 1153,0 km

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