Natalie schloss ihr Bachelor-Studium der Pädagogik und Theologie mit einer Abschlussnote von 1,9 ab Copyright: PokerStars.de © intern

Natalie Hof spricht im Interview über ihre Anfänge, die bestandene Dreifach-Belastung im Studium und die "Männerdomäne" Poker.

München - Seit Jahren ist Natalie Hof ein bekanntes Gesicht in der deutschen Pokerszene.

Die 27-Jährige hat sich als Spielerin und auch als Moderatorin einen Namen gemacht.

Sie wurde Zweite bei der ProSieben Casting-Show "Das PokerStars.de Ass", kommentierte WCOOP-Radioshows und moderierte mehrmals SPORT1-Formate - unter anderem die deutschen EPT-Sendungen seit der 8. Saison.

Darüberhinaus erreichte Natalie neben ihrem erfolgreichen Studium auch noch eindrucksvolle Pokererfolge - wie zum Beispiel Platz 39 bei der EPT Berlin 2013, Final Tables bei EPT Side Events in Monte Carlo sowie Prag oder auch den zweiten Platz bei einem Side Event der Eureka Poker Tour.

Im Interview spricht Natalie Hof über ihren Weg zum Pokern, ihren Alltag zwischen Studium, interkulturellen Projekten und Cash Games - und darüber, wie man sich als Frau in der "Männerdomäne" Poker durchschlagen muss.

Frage: Wie sind Sie zum Pokern gekommen?

Natalie Hof: Ich habe gemeinsam mit einem Freund angefangen zu pokern. Erst war es alles nur aus Spaß und auch recht provisorisch. Wir haben an Samstagen mit Salzstangen anstatt mit Chips gepokert. Dann habe ich zum Geburtstag ein Turnierticket bekommen und direkt den dritten Platz belegt. Da war mir klar, dass mir Pokern liegt und nicht nur viel Spaß macht, sondern dass ich ein gewisses Talent dafür habe und damit auch meinen Lebensunterhalt verdienen könnte - wenn ich nur hart genug an mir arbeiten würde.

Frage: Das haben Sie dann auch...

Hof: Genau. Ich habe mit Cash Games mein ganzes Studium finanziert. Fünf Jahre lang war ich vormittags in der Uni, nachmittags arbeitete ich ich mit ausländischen Kindern im Rahmen interkultureller Pädagogik-Projekte und abends spielte ich Cash Games und verdiente mein Lebensunterhalt. War eine echt anstrengende, aber gute Zeit.

Frage: Poker ist noch immer eine Männerdomäne. Wie haben Sie die Szene und auch Turniere als Frau wahrgenommen?

Hof: Als Frau hat man es erst mal schwerer, sich ein Image aufzubauen. Wenn man nicht gerade Vanessa Selbst ist, wird man oft belächelt und nicht Ernst genommen - was aber auch ganz klar ein Vorteil sein kann. Man kann seine Opfer mit Freundlichkeit ködern und sie dann auf nette Art manipulieren - Männer halt.

Frage: Ist das Ihre Strategie? Hat es in der Vergangenheit funktioniert?

Hof: Ich bin generell ein freundlicher und offener Mensch - auch am Pokertisch. So bekommt man in der Regel weniger Gegenwehr und mehr Kredit. (SERVICE: Die SPORT1-Pokerschule)

Frage: Was nehmen Sie sich vor Beginn eines Live-Turniers vor?

Hof: Ich versuche immer ruhig zu bleiben und meinen Körper so gut wie möglich zu kontrollieren. Die Körpersprache spielt ja auch mit der mentalen Ebene zusammen. Das beeinflusst sich gegenseitig. Wenn mein Körper nicht ruhig ist, ist auch in meinem Kopf Chaos und umgekehrt.

Frage: Haben Sie einen Angstgegner?

Hof: Früher war das mein Freund (Anm. d. Red.: ist seit 2010 mit Torsten Brinkmann in einer Beziehung). Ich habe ihn im Casino kennengelernt und da mehrfach gegen ihn gespielt. Er war leider immer richtig gut. Auch jetzt ist er noch mein stärkster Gegner, wir kennen uns einfach zu gut. Wir diskutieren oft unsere Hände, Vorgehen und Strategien - auch mit Freunden. Ich glaube, nur durch den Austausch kann man beim Pokern wachsen. (VIDEOS: Alles zum Poker)

Frage: Sie haben Ihren Bachelor in Pädagogik und Theologie gemacht. Wie sehen Ihre Zukunftspläne in dieser Hinsicht aus?

Hof: Ich bewerbe mich gerade für den aufbauenden Master-Studiengang und hoffe, ich kann nächstes Semester starten. Interkulturelle Pädagogik begeistert mich einfach. In meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit dem Thema "mit zwei Kulturen groß werden" beschäftigt und auch während meines Studiums habe ich über zwei Jahre Sprach- und Hausarbeitenförderung unter anderem mit muslimischen Kindern gemacht. Interkuturelle Erziehung und Bildung ist sehr wichtig, schließlich ist Deutschland ein Einwanderungsland und aufgrunddessen sollte das Schulsytem auch an diese Multikulturalität angepasst werden. Ich glaube, dass in dem Bereich noch viel geleistet werden muss, und ich bin gerne ein Teil davon. Deswegen hoffe ich, später in der Jugendhilfe oder als Familientherapeutin arbeiten zu können. Und nebenbei zu pokern natürlich.

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