Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), hat den viermaligen Paralympics-Sieger Wojtek Czyz nach seinen "Techno-Doping"-Vorwürfen gegen Heinrich Popow kräftig gerügt.

"Es gehört auch zu den Auswüchsen des Leistungssports, dass sich Konkurrenten nicht immer nur lieben. Aber die Vorbereitung eines Teamkollegen vor seinem wichtigsten Wettkampf so zu torpedieren, gehört sich nicht", sagte Beucher.

Den Argumenten Czyzs, der Zeitpunkt der Vorwürfe nach dem Vorlauf und damit Stunden vor dem Finale sei Zufall gewesen, wollte der DBS-Präsident nicht folgen.

"Die Tatsache, dass er die Vorwürfe an diesem Tag, in diesem Moment äußerte, erfüllt den Tatbestand der Unfairness", sagte er: "Wenn das Problem, wie von ihm erklärt, schon länger bekannt ist, muss er sich fragen lassen, warum er es nicht vorher angesprochen hat."

Sachlich entlastete Beucher im Prothesenstreit den 100-m-Paralympics-Sieger Popow vom Vorwurf des Techno-Dopings.

"Die sachliche Grundlage ist nicht gegeben", sagte er. Laut Hersteller sei die Prothese frei zugänglich und verkäuflich, sagte der 66-Jährige. Das Internationale Paralympische Komitee IPC habe die Prothese zudem zugelassen.

Der viermalige Paralympics-Champion Czyz (Kaiserslautern) hatte dem linksseitig oberschenkelamputierten Popow (Leverkusen) vorgeworfen, eine Prothese zu verwenden, die nicht allen Athleten zugänglich sei. Popow stritt die Vorwürfe vehement ab.

Czyz, der am Freitagabend im 100-m-Finale hinter Popow und dem Australier Scott Reardon Dritter wurde, droht wegen dieses Vorfalls aber keine Strafe.

"Es gibt im DBS keinen Maulkorberlass", sagte Beucher. Er stellte aber auch klar, dass es für die Äußerungen der Athleten "nicht immer Beifall" gebe und der DBS es nicht gerne sehe, wenn zwei Athleten aufeinander losgingen.

Dennoch sei der Streit nur ein "Streiflicht." "Die Botschaft der Paralympics war die Leistung der Athleten", sagte Beucher.

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