Tanja Gröpper gewann bei der EM 2011 Silber über 50 m Freistil © getty

Über 50m machte ein spastischer Anfall Tanja Gröppers Gold-Traum noch zunichte, über die doppelte Distanz schwimmt sie zu Bronze.

London - Happy End für Tanja Gröpper nach dem durch einen Spastik-Anfall verlorenen Gold, Bronze mit Ehrenrunde für Claudia Nicoleitzik, dreimal Silber im Schwimmen und ein guter Abschluss für Ilke Wyludda:

In ihrer "Bonusrunde" haben die deutschen Athleten bei den Paralympics in London schon am Mittag und frühen Abend einige Erfolge erzielt.

Auch die deutschen Sitzvolleyballer gewannen Bronze durch ein 3:2 im kleinen Finale gegen Russland.

Doch noch seine große Show hatte zum Abschluss der Leichtathletik-Wettbewerbe Oscar Pistorius. Der Star der Spiele gewann seine Spezialdisziplin 400 m, in der er bei Olympia bis ins Halbfinale vorgedrungen war, mit unglaublichen dreieinhalb Sekunden Vorsprung und holte doch noch das ersehnte Einzel-Gold.

Peking-Ausbeute übertroffen

Das Ergebnis der Spiele von Peking hatten die Athleten des Deutschen Behindertensportverbandes bereits zuvor übertroffen. Der Samstag ist für sie jedoch der letzte Wettkampftag, am Sonntag ist kein deutscher Parasportler mehr im Einsatz.

Das erfolgreiche Abschneiden der deutschen Sportler macht sogar eine erneute Diskussion über die Medaillen-Prämien nötig.

"Wir müssen jetzt wieder in die Finanzierungs-Diskussion einsteigen. Ich hoffe, wir kriegen das hin", sagte Deutschlands Chef de Mission Karl Quade. Er bestätigte aber, dass die Sportler keine Einbußen hinnehmen müssen: "Wir haben die Summe zugesagt, und jetzt ist es unsere Aufgabe, zu sehen, wo wir sie herbekommen."

"Quäntchen Glück war auf meiner Seite"

Besonders erfreulich am Freitag war die Bronzemedaille der Wuppertaler Schwimmerin Tanja Gröpper über 100 m Freistil.

Es war die erste Paralympics-Medaille für die 36-Jährige, die über 50 m Freistil kurz vor dem Ziel in Führung liegend einen spastischen Anfall im Bein hatte. Diesmal schlug sie eine Hundertstelsekunde vor der Viertplatzierten Lingling Song aus China an.

"Mein Mann wird sich besonders freuen, er musste in den vergangenen drei Tagen sehr viel Aufbauarbeit leisten", sagte Gröpper: "Ich musste zwei, drei Mal auf die Anzeigetafel schauen, ich bin schließlich Brillenträgerin. Aber das Quäntchen Glück war diesmal auf meiner Seite."

Ehrenrunde mit Saarland-Fahne

Sprinterin Nicoleitzik beendete nach den 200 m auch die 100 m als Dritte und genoss die Ehrenrunde, die ihr wegen der zwischenzeitlichen Disqualifikation in der Vorwoche verweigert worden war, mit einer großen Saarland-Fahne sichtlich.

"Ich habe mir vorher schon gesagt, heute wirst du hoffentlich nicht aufgehalten", sagte sie: "Ich habe natürlich ein bisschen gehofft, dass es noch mehr wird, aber mit Bronze bin ich sehr zufrieden."

Keine Krönung für Iwanow

Eine insgesamt gute Bilanz kann Iwanow aufweisen, auch wenn ihm die Krönung verwehrt blieb. Der 27-Jährige aus Leverkusen, dem von Geburt an ein Schienbein fehlt, wurde über 100 m Freistil Zweiter hinter dem Chinesen Xu Qing.

Am ersten Wettkampftag hatte Iwanow bereits Bronze über 100 m Rücken gewonnen. "Zwei Medaillen, Silber und Bronze, sind für mich recht gut. Natürlich wäre Gold schöner gewesen. Aber der Abend wird gefeiert", sagte Iwanow.

Ebenfalls ihre zweite Medaille holte Fahnenträgerin Daniela Schulte: Silber über 200 m Lagen nach Gold über 400 m Freistil. "Ich habe bei diesen Spielen mehr erreicht, als ich mir erträumt habe", sagte Schulte.

Auch die sehbehinderte Nürnbergerin Elena Krawzow gewann Silber über 100 m Brust und damit in ihrem sechsten und letzten Wettbewerb doch noch eine Medaille.

Nächste Medaille für Zanardi

Schon die dritte holte Alex Zanardi: Der frühere Formel-1-Pilot hat nach zweimal Gold im Zeitfahren und im Straßenrennen zum Abschluss gemeinsam mit Francesca Fenocchio Silber im Mixed-Teamfahren gewonnen und schließt nun sogar eine Fortsetzung seiner Karriere mit dem Handbike nicht aus.

"Vielleicht wird es ja doch noch was mit Rio 2016", sagte er: "Ich muss mir das alles aber noch durch den Kopf gehen lassen." Erst einmal sei es Zeit für ihn, "ins normale Leben zurückzugehen und Dinge zu tun, wie meinen Sohn in die Schule zu bringen."

Wyludda hoch zufrieden

Ohne Medaille blieb die frühere Diskus-Olympiasiegerin Ilke Wyludda, mit Rang fünf im Kugelstoßen war die 43-Jährige zum Abschluss ihrer ersten Paralympics aber hoch zufrieden.

Ob sie 2016 in Rio de Janeiro wieder dabei sein wird, ist noch unklar. "Man weiß nie, was in vier Jahren alles passiert. Ich werde jetzt aber auf jeden Fall erst einmal weiter trainieren", sagte die Hallenserin, die in ihrer Spezial-Disziplin als Neunte noch das Finale der besten Acht verpasst hatte.

Zweiter Dopingfall

Derweil gab es in London den zweiten Dopingfall, wieder war es ein Gewichtheber. Nach dem Brasilianer Bruno Pinheiro Carra erwischte das Internationale Paralympische Komitee (IPC) bei einer Trainingsprobe vor den Spielen diesmal Schota Omaraschwili.

Für den Georgier, der für zwei Jahre gesperrt und mit einer Geldstrafe von 1500 Euro belegt worden war, hatte sich der Einsatz von Anabolika aber nicht gelohnt: In seinem Wettkampf der Gewichtsklasse bis 60 kg hatte er nicht einen einzigen gültigen Versuch.

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