Heinrich Popow (r.) holte in Peking Silber über die 100 Meter © getty

Heinrich Popow sprintet in London zum erhofften Sieg über die 100 Meter. Auch die Rollstuhl-Basketballerinnen triumphieren.

London - Heinrich Popow knallt bei den Paralympics seinen angekündigten Gold-Lauf auf die Bahn und macht Deutschlands 17. Goldmedaille perfekt. Daniela Schulte schwimmt kurz zuvor ebenfalls zum Sieg und auch die Rollstuhl-Basketballerinnen schreiben Geschichte.

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) hat nach vier Triumphen am neunten von elf Wettkampftagen mit 18 Goldmedaillen in London bereits vier Siege mehr auf dem Konto als vor vier Jahren in der Abschlussbilanz von Peking.

Ebenfalls wieder jubeln durfte der frühere Formel-1-Pilot Alex Zanardi, der nach Gold im Zeitfahren auch das Straßenrennen gewann.

Nach der Silbermedaille der Tischtennis-Mannschaft und für Radsportler Vico Merklein, der Gold-Gala von Handbikerin Andrea Eskau sowie der Bronzemedaillen für Dorothee Vieth und Wojtek Czyz hatte Deutschland am späten Abend bereits 60-mal Edelmetall und damit eines mehr als in Peking sicher.

Meisterleistung von Popow

Der linksseitig oberschenkelamputierte Popow hat derweil mit einer Meisterleistung den ohne Wenn und Aber als Ziel ausgegebenen Sieg über die 100 m in die Tat umgesetzt.

Der Weltmeister aus Leverkusen, der zuvor bereits Bronze mit der Staffel und über die 200 m gewonnen hatte, setzte sich in 12,40 Sekunden vor Scott Reardon (Australien/12,43) und vor dem viermaligen Paralympics-Sieger Czyz (Kaiserslautern/12,52) durch.

"Ich muss jetzt erst einmal runterkommen und ein paar Tränen vergießen. Und dann lasse ich heute Abend alles mit mir machen", sagte Popow.

Schulte: "Das ist ein Traum"

Deutschlands Fahnenträgerin Schulte erklomm durch ihren Sieg über 400 m Freistil in ihrem fünften Start im Aquatics Center erstmals das Podest bei den Paralympics in der britischen Metropole.

"Das ist ein Traum. Beim Anschlag habe ich nur gedacht: Habe ich wirklich gewonnen", sagte die blinde Berlinerin.

Erstes Gold seit 1984

Die Rollstuhl-Basketballerinnen fuhren am späten Abend durch ein 58:44 (26:19) gegen Australien das erste Paralympics-Gold seit 1984 ein.

Die Australierinnen, die im Halbfinale Peking-Sieger USA ausgeschaltet hatten, erwischten den besseren Start und führten schnell mit 10:4, ehe Deutschland zehn Punkte in Folge gelangen.

Nachdem das Team aus Down Under zunächst immer wieder den Kontakt hielt, setzte sich das Team von Holger Glinicki Ende des zweiten Viertels erstmals ab und hielt den Vorsprung relativ konstant bei sechs bis acht Punkten und baute ihn in den letzten fünf Minuten dann entscheidend aus.

Erfolreichste Werferin war Mareike Aderman mit 19 Punkten.

Radgabel-Bruch macht Merklein "aggressiv"

Nach dem unglücklichen vierten Platz im Zeitfahren fuhr Merklein (Nenndorf) hinter Rafal Wilk (Polen) auf den Silberrang, obwohl der Querschnittsgelähmte durch einen Bruch der Radgabel 90 Minuten vor Rennstart in der Konzentration gestört wurde.

"Das hat mich aber sehr aggressiv gemacht. Dass ich Gold nicht gewinnen kann, war klar, umso zufriedener bin ich mit Silber", sagte der 35-Jährige.

China zu stark

Die Tischtennis-Mannschaft der Klasse 3 verpasste derweil die Goldmedaille.

Im Finale unterlag Deutschland gegen China mit 2:3, nachdem Thomas Schmidberger (Plattling) und Thomas Brüchle (Landau) im abschließenden Doppel eine 1:3-Niederlage gegen Zhao Ping/Feng Panfeng kassiert hatten.

"Leider ist das Happy-End ausgeblieben, aber wir können die Halle erhobenen Hauptes verlassen. Wir haben es geschafft, dass die Chinesen nervös wurden und bis an ihre Grenzen gehen mussten", sagte Trainer Michele Comparato.

Team verpasst Bronze

Zuvor hatten der Einzel-Dritte Schmidberger und Brüchle jeweils eines ihrer beiden Einzel gewonnen.

Zur deutschen Mannschaft gehörten zudem Holger Nikelis (Köln), der in London nach 2004 in Athen sein zweites Einzelgold gewann, und Jan Gürtler (Berlin).

Im Wettbewerb der Klassen 6 bis 8 verpasste Deutschland um Einzelsieger Jochen Wollmert nach einem 0:3 gegen Großbritannien die Bronzemedaille.

Zanardi siegt dramatisch

Der 45-jährige Zanardi (Italien) setzte sich nach seinem Sieg im Kampf gegen die Uhr auch überraschend im Straßenrennen durch. Dem Cottbuser Norbert Mosandl blieb nach Silber im Zeitfahren diesmal nur Rang sechs.

"Die richtige Freude wird noch kommen, wenn ich meine Freunde sehe und feiern kann. Aber dass ich dieses Rennen gewonnen habe, auf eine solch dramatische Weise, mit einem Sprint am Schluss, macht mich richtig stolz", sagte Zanardi.

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