Achmat Hassiem (r.) verlor 2006 sein rechtes Bein bei einem Haiangriff © getty

Achmat Hassiem verliert vor Jahren eine Gliedmaße - weil er seinen Bruder vor einem Hai rettet. Den Schock nutzt er als Motivation.

London - Als Achmat Hassiem den großen, schwarzen Schatten sah, der direkt auf seinen Bruder Taariq zusteuerte, wusste er: "Das gibt Ärger."

Und er wusste auch, was er zu tun hatte.

"Ich habe geschrien und aufs Wasser geschlagen, damit Taariq fliehen konnte", berichtet der heute 30 Jahre alte Südafrikaner: "Doch plötzlich gab es nur noch den Hai und mich."

Das viereinhalb Meter große Tier wandte sich Achmat zu. "Seine dunklen Augen sahen mich an. Dann wurde er aggressiv und kam mit weit aufgerissenem Kiefer auf mich zu", erzählt er: "Ich wollte ihn wegstoßen, aber er packte mein Bein. Ich dachte, das ist das Ende, mein ganzes Leben lief an mir vorbei."

"Wollte nicht untergehen, ohne zu kämpfen"

Der Hai schüttelte Achmat, und dieser "spürte, wie mein Bein abgerissen wurde. Ich habe es brechen gehört, aber ich fühlte keinen Schmerz. Ich wollte nicht untergehen, ohne zu kämpfen."

"Also habe ich um mich geschlagen, so sehr es meine Kräfte hergaben. Ich konnte mich irgendwann losreißen und zum Rettungsboot schwimmen, wo mich mein Bruder sofort in die Arme geschlossen hat", erzählte Hassiem.

Wenn Achmat heute, sechs Jahre danach, von den Geschehnissen bei der Rettungsschwimmer-Übung am 13. August 2006 am Muizenberg Beach in Kapstadt berichtet, ist er immer noch sehr emotional.

Doch daran, dass er damals das Richtige getan hat, hat er keinen Zweifel. "Der Ältere ist da, um den Jüngeren zu schützen", sagt der sieben Jahre ältere der Hassiems: "Und ein Bein zu verlieren, ist nichts im Vergleich dazu, einen Bruder zu verlieren."

Gegen die Bilder, die ihn seit damals verfolgen, kämpft Achmat nicht an. Im Gegenteil. Er stellt sich ihnen.

Schockerlebnis als Antrieb

Er nennt sich "Shark-Boy", auf der Prothese, die sein Bein ersetzt, ist der Kiefer eines Hais aufgemalt. Und wenn er heute ins Wasser geht, um bei Schwimm-Wettkämpfen der Behindertensportler um Medaillen zu kämpfen, dann stellt er sich vor, "dass mich ein Hai verfolgt. Das macht mich gleich viel schneller."

Über 100 m Schmetterling funktionierte der Trick, Achmat Hassiem gewann Bronze. Erster Gratulant: Bruder Taariq, der Achmat das Leben zu verdanken hat und seitdem nicht von seiner Seite weicht.

"Taariq und ich hatten immer schon ein enges Verhältnis", sagt Achmat: "Aber seit damals ist es jeden Tag noch enger geworden."

Taariq flog damals mit seinem Bruder im Hubschrauber ins Krankenhaus, wachte an seinem Bett, bis er zu sich kam. Dann sagte er ihm vorsichtig, dass der Hai ihm den rechten Unterschenkel abgerissen hat.

Neues Leben beginnt

"Ich bin sofort in Tränen ausgebrochen und wusste nicht, wie ich nun weiterleben sollte. Und ich hatte immer wieder fürchterliche Albträume", erzählt Achmat:

"Aber irgendwann wurde mir klar: Das Leben war nicht zu Ende, es begann einfach nur ein neues, anderes. Ich bin sehr gläubig, und ich glaube, dass Gott das für mich vorgesehen hat, weil ich einen starken Willen und eine positive Einstellung habe", sagt er.

Deshalb, so sagt er indirekt, hat lieber er das Bein verloren als der Bruder. Aversionen gegen Haie hat Achmat nicht. Im Gegenteil.

Er kämpft aktiv gegen die Ermordung der Tiere an. "Ich will nicht, dass meine Kinder ins Museum gehen müssen, um zu sehen, was ein Hai ist", sagt er. Betrachten wird er sie mit ihnen aber nur aus sicherer Entfernung.

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