Hannelore Brenner holte bei den Paralympics 2008 in Peking zwei Goldmedaillen © getty

Die Dressurreiterin verliert kurzzeitig den Fokus, doch auf ihr Pferd ist Verlass. Auch der gemischte Ruder-Vierer jubelt.

London - Hannelore Brenner (49) hat bei den Paralympics in London Gold im Dressur-Vierreck gewonnen und den medaillenreichen Tag der deutschen Mannschaft gekrönt.

Wenige Stunden bevor Starläufer Oscar Pistorius (Südafrika) das Olympiastadion im Finale über 200 m zum Kochen bringen wollte, hielt die nach einem Reitunfall vor 26 Jahren inkomplett querschnittsgelähmte Brenner (Petersau) die Konkurrenz auf Distanz und heimste ihre dritte paralympische Goldmedaille ein.

Auf "Women of the World" gewann Brenner mit 73,467 Punkten vor Deborah Criddle (Großbritannien/71,267 Punkten) und Annika Dalskov (Dänemark/71,233).

"Ich hatte wegen des Drucks einen kurzen Blackout. Aber zum Glück machte mein Pferd einfach weiter, bis ich wieder zu mir gefunden hatte", sagte Brenner.

Wollmert bejubelt Gold

Auch Tischtennis-Ass Jochen Wollmert hat seine insgesamt fünfte Goldmedaille bei Sommerspielen für Behindertensportler gewonnen.

Der 47-jährige Solinger, der bereits in Sydney 2000 und Peking 2008 triumphiert hatte, setzte sich im Finale gegen William Bayley aus Großbritannien nach 23 Minuten mit 3:1 (11:8, 4:11, 11:5, 11:4) durch.

"Tolle Geste" nach Triumph

Nach seinem Erfolg nahm er den Briten in den Arm und spendetet ihm unter dem anerkennenden Jubel der Zuschauer Trost. "Das war eine tolle Geste. Eine, die man für den Fair-Play-Preis vorschlagen sollte", sagte Karl Quade, der deutsche Chef de Mission, und lobte zugleich die Leistung Wollmerts: "Es ist faszinierend, wie er es immer wieder schafft, sich zu den Paralympics in Topform zu bringen."

Bereits vor Jahren hatte Wollmert im Finale mit seinem Sieg über Ye Chaoqun einem Lokalmatador den Heim-Erfolg verdorben.

Trotz Pannenmessung: Nicoleitzik holt Bronze

Silber gab es für den gemischten Ruder-Vierer mit Steuerfrau, Bronze für Tischtennis-Spieler Thomas Schmidberger sowie Team-Silber in der Dressur.

Marianne Buggenhagen (Berlin) gewann mit der Erfahrung ihrer 59 Jahre Silber im Kugelstoßen.

Die Bronzemedaille über 200 m bejubelte Claudia Nicoleitzik (Püttlingen), nachdem die 22-Jährige zunächst fälschlicherweise disqualifiziert worden war.

Im Dressur-Viereck gewannen Peking-Siegerin Britta Näpel (Wonsheim) und Angelika Trabert (Dreieich) Silber und Bronze.

In Additionen der Werte der beiden Reiterinnen und der Ergebnisse von Brenner und Steffen Zeibig (Dresden), der beim Sieg von Brenner auf dem achten Rang landete, gewann Deutschland am Sonntagabend hinter Großbritannien zudem die Silbermedaille mit der Mannschaft.

Weinkrampf bei Seifert

Vize-Weltmeisterin Maria Seifert hat im Sprint über 100 m nach einer Millimeterentscheidung die Bronzemedaille verpasst.

Erst einige Minuten nach Rennende stand fest, dass sich die rechtsseitig körpergelähmte Erfurterin in 14,37 Sekunden als Viertplatzierte im Kampf um Bronze der Tunesierin Neda Bahi um eine Hundertstel geschlagen geben musste.

Nach Verkündung des Ergebnisses erlitt die 21-jährige Seifert, die vor vier Jahren in Peking Bronze über 100 und 200 m gewonnen hatte, einen Weinkrampf.

Die Goldmedaille ging an Francois-Elie Mandy (Frankreich/14,08 Sekunden) vor Johanna Benson (Namibia/14,23).

"Tierisch viel Spaß gehabt"

Auf dem Dorney Lake konnten Steuerfrau Katrin Splitt (Berlin), Astrid Hengsbach (Herdecke), Anke Molkenthin (Waging), Tino Kolitscher (Halle) und Kai-Kristian Kruse (Hamburg) dem übermächtigen Boot Großbritanniens zwar nicht standhalten, der Jubel war dennoch riesengroß.

"Geil. Es war ein tolles Gefühl hier zu rudern. Wir haben Alles gegeben, uns voll ausgepowert und es hat tierisch viel Spaß gehabt", sagte Kolitscher.

Schmidberger jubelt über Bronze

Das gleiche Bild gab Schmidberger in der Tischtennis-Halle nach seinem 3:1-Erfolg im kleinen Finale über den Franzosen Florian Merrien ab.

Der querschnittsgelähmte Plattlinger galt zwar als Gold-Kandidat, doch von Enttäuschung keine Spur.

"Die Bronze-Medaille fühlt sich wie Gold an", sagte der 20-Jährige, der seit seinem vierten Lebensjahr nach einem Autounfall im Rollstuhl sitzt: "Ich bin super zufrieden. Die Spiele vor dieser Kulisse sind tolle Erlebnisse."

Green und Low gehen leer aus

Dagegen blieben die deutschen Weitspringer ohne Edelmetall.

Die linksseitig unterschenkelamputierte Katrin Green (Leverkusen) landete beim Sieg der Australierin Kelly Cartwright als beste Vertreterin des Deutschen Behindertensportverbandes (DSB) auf dem fünften Rang.

"Es war einfach genial, hier dabei zu sein", sagte Green. Ihre Teamkollegin, die doppelseitig oberschenkelamputierte Vanessa Low, wurde Sechste.

"Es waren Kleinigkeiten. Die letzten zehn Prozent haben gefehlt", sagte die Freundin von Weitsprung-Sieger Markus Rehm.

"Er hat mir den Tipp gegeben, dass ich das ganze genießen soll", sagte die 22-Jährige. Die Rostockerin Jana Schmidt hatte als 14. das Finale der besten Acht verpasst.

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