Für US-Präsident Barack Obama ist ein Boykott der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi als Protest gegen Russlands Anti-Homosexuellen-Gesetz keine Option.

Der Staatschef sieht vielmehr in Erfolgen von homosexuellen US-Athleten die bessere Antwort auf die diskriminierende Vorschrift.

"Niemand fühlt sich durch diese Gesetze mehr beleidigt als ich. Ein Boykott ist für die USA aber nicht angemessen, alleine wegen unserer vielen Sportler, die sich intensiv vorbereiten und alles tun, um bei Olympia erfolgreich zu sein. Ich hoffe aber, dass homosexuelle Athleten aus unserem Team Medaillen aus Sotschi mit nach Hause bringen", sagte der erste dunkelhäutige Präsident der US-Geschichte auch mit Blick auf die Diskriminierung seiner Vorfahren.

"Wenn Russland auf schwule und lesbische Athleten verzichtet, schwächt es wahrscheinlich sein Team nur."

Ein Rückzug des US-Teams für die Winterspiele war von russlandkritischen Hardlinern und Homosexuellen-Aktivisten ins Gespräch gebracht worden. Ihre Forderung erschien angesichts der momentan ausgesprochen unterkühlten Beziehungen zwischen den USA und Russland nach der Asylgewährung für den Geheimdienst-Verräter Edward Snowden nicht einmal völlig abwegig, zumal Obama kürzlich aus Verärgerung darüber auch ein für September geplantes Gipfeltreffen mit Russlands Staatschef Wladimir Putin abgesagt hatte.

Vor 33 Jahren hatten die USA bereits schon einmal Olympische Spiele in Russland boykottiert: 1980 fehlte das US-Team bei den Sommerspielen in Moskau wegen des Einmarsches der damaligen UdSSR in Afghanistan.

Durch seine Kritik an Russlands Anti-Homosexuellen-Gesetz schaltete Obama sich zum zweiten Mal binnen vier Tagen in die Debatte um die Gültigkeit des "Propaganda-Verbots" auch während der Winterspiele ein.

"Die sexuelle Orientierung sollte keine Rolle spielen. Wenn Russland den olympischen Geist hochhalten will, dürfen nur Leistungen zählen", hatte der US-Präsident kürzlich in einem TV-Interview erklärt: "Ich denke, dass Russland und Putin viel dafür tun, dass alles bei Olympia klappt. Und ich glaube, sie wissen, dass in den meisten teilnehmenden Ländern eine Ungleichbehandlung von Schwulen und Lesben nicht akzeptiert würde", sagte Obama.

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