MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Tausende Polizisten und Soldaten sollen bei den Spielen für Sicherheit sorgen © getty

Nach dem zweiten Anschlag in Wolgograd kehren kurz vor den Spielen alte Sorgen zurück. Die Regierung kündigt Reaktionen an.

München - Was Wladimir Putin unbedingt vermeiden wollte, ist wenige Wochen vor Olympia Realität.

Die Angst vor Terror bei den Spielen in Sotschi wächst. Nach dem zweiten Bombenanschlag in Wolgograd innerhalb von 20 Stunden werden Fragen nach der Sicherheit beim Großereignis am Schwarzen Meer laut.

Am Montagmorgen wurden bei einem Selbstmord-Attentat in einem Linienbus mindestens 14 Menschen getötet, tags zuvor waren bei einer Explosion im Hauptbahnhof 17 Menschen getötet worden.

Wolgograd liegt 700 Kilometer von Sotschi entfernt -, nicht nur die russischen Behörden vermuten einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Anschlägen und den Winterspielen.

"Terrorismus globales Phänomen"

Präsident Putin ordnete umgehend verschärfte Sicherheitsvorkehrungen für das ganze Land an.

Kritiker hatten bereits bei Vergabe der Spiele Bedenken bezüglich der Sicherheit geäußert. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sprach den russischen Sicherheitsbehörden nun obligatorisch das Vertrauen aus.

"Ich habe Präsident Wladimir Putin persönlich geschrieben und ihm und der russischen Bevölkerung unser Mitgefühl ausgesprochen, aber auch unser Vertrauen darauf, dass die Verantwortlichen sichere Spiele abhalten werden", sagte Thomas Bach, der am 10. September zum ersten deutschen IOC-Chef gewählt worden war.

Bach vertraut Behörden

Er sei sich sicher, "dass alles getan wird, um die Sicherheit der Athleten und aller anderen Teilnehmer zu gewährleisten".

Der IOC-Präsident verurteilte den wiederholten Selbstmordanschlag aufs Schärfste. "Das ist ein verabscheuungswürdiger Anschlag auf unschuldige Menschen. Die gesamte Olympische Bewegung verurteilt gemeinsam mit mir diesen erbärmlichen Akt", erklärte Bach, "unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer."

Leider, meinte er, sei der Terrorismus eine globale Krankheit, er dürfe aber niemals triumphieren.

Merkel bestürzt

Laut Informationen des "Sportinformationsdiensts" soll es sich auch bei der Explosion am Montag um ein "Attentat" gehandelt haben.

Als Reaktion auf den Anschlag vom Sonntag, hinter dem Islamisten vermutet werden, hatte das russische Innenministerium bereits eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land angeordnet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte in einem Schreiben an Präsident Wladimir Putin ihre "Bestürzung und Abscheu" über die Anschläge mit mindestens 31 Toten und drückte den Betroffenen ihr Mitgefühl aus.

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte den Angriff, ebenso der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB).

"Nie 100-prozentige Sicherheit"

Michael Vesper, DOSB-Generaldirektor und deutscher Chef de Mission in Sotschi, geht davon aus, dass Russland die Sicherheit bei den Winterspielen gewährleisten wird.

"Wir verurteilen die schrecklichen Anschläge von Wolgograd und sind in Gedanken bei allen Betroffenen. Ihnen gebührt unser tiefes Mitgefühl", sagte Vesper. "Mit der weltweit geltenden Einschränkung, dass 100-prozentige Sicherheit nie garantiert werden kann."

Der DOSB selbst stehe in engem Kontakt mit den deutschen Sicherheitsbehörden, "die uns auf diesem Feld beraten", schilderte Vesper.

US-Regierung bietet Hilfe an

Derweil boten die Vereinigten Staaten Russland eine engere Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen mit Blick auf die Winterspiele an.

"Die US-Regierung hat der russischen Regierung den Vorschlag unterbreitet, sie in der Planung der Sicherheitsmaßnahmen auf ganzer Linie zu unterstützen", sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates NSC, Caitlin Hayden.

Tausende Polizei- und Sicherheitskräfte

Bereits im Oktober dieses Jahres hatte es einen Anschlag in Wolgograd gegeben. Eine Selbstmordattentäterin tötete damals sechs Menschen, als sie sich in einem Bus in die Luft sprengte.

Ab dem 7. Januar soll Sotschi durch mehrere Sicherheitsringe und Tausende Polizei- und Militärkräfte vor Attentätern geschützt werden.

Im Nordkaukasus kämpfen Extremisten für die Errichtung eines islamistischen Staates. Der tschetschenische Terror-Chef Doku Umarow hatte angekündigt, die Winterspiele in Sotschi mit allen Mitteln verhindern zu wollen.

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