Wladimir Putin ist seit Mai 2012 Präsident der Russischen Föderation © imago

Sechs Monate vor den Olympischen Spielen in Sotschi sorgen Terrordrohungen, Umweltsünden und ein Homosexuellen-Gesetz für Ärger.

Sotschi/München - Deutschlands Skispringer sind bereits in die olympische Saison gestartet. Ein Indiz dafür, dass die teuersten Winterspiele der Geschichte bald vor der Tür stehen.

Ein halbes Jahr vor dem Auftakt in Sotschi (7. bis 23. Februar 2014) trainieren nicht nur rund 3000 Athleten für den Kampf um 98 Goldmedaillen. 37.000 Sicherheitskräfte bereiten sich nach Terrordrohungen durch radikale Islamisten aus dem Kaukasus auf einen heißen Einsatz im kalten Metier vor.

Die Gesamtkosten für Sicherheit sind mit über 1,5 Milliarden Euro jetzt schon höher als bei Sommer-Olympia 2012 in London (1,2 Mrd.)

"Diese Erhöhung der Anstrengungen ist mit Blick auf die Forderungen des Internationalen Olympischen Komitees notwendig", sagt der russische Innenminister Wladimir Kolokolzew.

"Staatsfeind Nummer eins" meldet sich zu Wort

Keine Frage: Auch die Herren der Ringe waren in höchster Sorge, als Anfang Juli Doku Umarow, Russlands Staatsfeind Nummer eins, in einer Videobotschaft zum Terror "gegen die Spiele auf den Gebeinen begrabener Moslems" aufrief.

Er spielte an auf die Tatsache, dass 2008 während Olympia in Peking im Kampf der Regierungstruppen gegen Aufständische im Nordkaukasus 2000 Rebellen getötet worden waren, im Mai 2012 dann 49 Tschetschenen.

Für Aufregung sorgten zuletzt Irritationen um das Homosexuellen-Gesetz, das Putin entgegegen zwischenzeitlicher Verlautbarungen auch während der Spiele gewahrt sehen möchte. Es verdrängte andere negative Themen aus den Schlagzeilen um Sotschi.

Skrupellose Machenschaften

Erst im Dezember hatte ein Erdrutsch, der wohl im Zusammenhang mit enormen Umweltsünden steht, unweit von Sotschi 14 Häuser zerstört.

Durch Korruption verschwanden Hunderte Millionen vom 37-Milliarden-Euro-Gesamtetat der Spiele. Von Menschenrechtlern wird außerdem ein skrupelloser Umgang der Olympiamacher mit der Bevölkerung verurteilt.

Eigentum und Bürgerrechte zählen anscheinend nicht viel unweit der Schwarzmeerküste, wo Josef Stalin vor 90 Jahren einen heute 400.000 Menschen zählenden Kurort für Sowjetbürger aus dem Boden stampfte und Putin rund um das bislang unbedeutende Skiresort Krasnaja Poljana ein gigantisches Wintersportzentrum errichten lässt.

Mega-Projekte

Dort soll Russland nach dem Wunsch Putins im Februar den Triumph in der olympischen Nationenwertung feiern.

Der sportbegeisterte russische Präsident hat viel vor. Im Stadion, das einen Blick auf Berge und Meer zugleich freigibt, soll 2018 bei der Fußball-WM gespielt werden. Die Eisschnelllauf-Arena wird zum größten Messezentrum Russlands umfunktioniert.

Das staatliche Unternehmen Omega baut neben dem Medien-Zentrum auch die Formel-1-Strecke, wo wenige Monate nach den Winterspielen der Grand Prix von Russland quer durch den Olympiapark führen wird.

Infrastruktur noch im Bau

Während auf der gigantischen Baustelle im sumpfigen Imereti-Tal fast alle Sportstätten fertig sind und ihre vorolympischen Tests gut bestanden haben, schuften noch über 60.000 Arbeiter am Bau der 24 Hotels.

Die Infrastruktur, die zwei Drittel des Gesamtetats verschlingt, ist inklusive der 550 Straßen- und Bahntrassen in hohem Maße fertiggestellt. Allein die 47 km lange Schnellstraße vom Flughafen in die Olympiastadt kostete 5,7 Milliarden Euro. Die Schnellzüge, die während der Spiele alle 15 Minuten fahren sollen, hat Putin letztes Jahr schon getestet.

Alle Gebäude sind laut Bauleiter Oleg Kratschenko so angelegt, dass sie Erdbeben bis zu einer Stärke von 9 auf der nach oben offenen Richterskala aushalten. Ende Dezember hatten Erschütterungen von 5,7 Putin zur Inspektion aller Olympia-Anlagen veranlasst.

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