Mit dem Olympia-Ausschluss des Ringens wirft das IOC viel Tradition und wenig Geld über Bord, findet SPORT1-Redakteur Michael Spandern.

Die Betroffenen sind schockiert, die Sportfreunde überrascht: Dass das Internationale Olympische Komitees ausgerechnet Ringen aus dem Programm nimmt, hatte kaum einer erwartet.

Ein Sport, der seit der Antike olympisch ist und ohne Ausrüstung oder Sportstätten weltweit ausgeübt werden kann, steht nun vor dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit.

Medial - und damit auch monetär - fristet er genau dort seit Jahren sein Nischendasein. Zu kompliziert, zu unsexy, zu unspannend: das Interesse am Ringen ist jenseits von Russland, Aserbaidschan und der Türkei am Boden.

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Doch die TV-Quoten und der Ticket-Verkauf sind nur zwei der 39 Kriterien, die beim Olympia-TÜV abgeklopft werden. Und der Bannstrahl verhindert in dieser Hinsicht mit tödlicher Sicherheit die Gesundung des Patienten.

Stattdessen hat der Moderne Fünfkampf, der die Modernität eben schon im Namen trägt und zuletzt durch eine medienwirksame Straffung auf einen Tag Aufsehen erregte, überlebt.

Unverkennbar dem Biathlon nachstreben, geht es nun im Gelände per Verfolgung um die Medaillen. Dieses Aufhübschen fürs TV wurde honoriert, auch wenn das IOC eine ausdrückliche Begründung schuldig geblieben ist.

Um den Anti-Doping-Kampf, den das Ringen auch mangels Finanzen eher halbherzig geführt hat, geht es dem IOC zwar offiziell auch. Das Auffliegen des Usbeken Soslan Tigijew bei Olympia 2012 dürfte aber nicht mal ein Randaspekt beim Ringer-Bann gewesen sein - schließlich stand der tief verseuchte Radsport genauso wenig zur Diskussion wie das Gewichtheben.

Zur Diskussion steht dagegen Ende Mai (neben einer Begnadigung des Ringens) die Aufnahme eines neuen, hippen Sports: Baseball/Softball, Sportklettern, Rollersport, Squash, Wakeboard - oder darf es vielleicht Wushu sein?

Genau: auch die in Deutschland nahezu unbekannte Mixtur aus Kampfkünsten, pompös und in der Wirtschaftsmacht China verwurzelt, steht mit auf der Liste.

Deren Tradition ist gering. Aber das zählt beim IOC neuerdings nicht mehr.

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