Britta Steffen arbeitet bereits seit einiger Zeit mit einer Mentaltrainerin © getty

Berlin - Britta Steffen war Weltrekordlerin über 100 m Freistil, sie ist im Wasser die schnellste Frau Deutschlands und in Europa (53,20 Sekunden).

Und deshalb gilt die 24-jährige Berlinerin auch als die deutsche Gold-Hoffnung für die Olympischen Spiele.

Doch 24 Tage vor dem Start des Spektakels in Peking sieht das plötzlich alles anders aus. Britta Steffen leidet wie einst Ex-Weltrekordlerin Franziska van Almsick unter einem Angstsyndrom.

Sie fürchtet, dass sie dem Erwartungsdruck nicht standhält.

Parallelen zu Franzi van Almsick

Es gibt Parallelen: So war es auch bei Franzi. 1996 in Atlanta ging sie als Favoritin über 200 m Freistil ins Rennen und schwamm am Gold vorbei. 2000 in Sydney bekam van Almsick ihre Nerven nicht in den Griff. Wieder wurde es nichts mit einem Einzel-Gold.

In Peking könnte sich das Drama für Britta Steffen wiederholen. Gegenüber "dpa" erklärte die Kraul-Sprinterin: "Im Moment wird der Druck immer größer. Ich mache ihn mir natürlich auch selbst. Man zieht gewissermaßen in den Kampf."

Die Angst beschreibt sie so: "Ich habe Angst, nach den 100 Metern Kraul anzuschlagen, Zweite geworden zu sein und mich überhaupt nicht freuen zu können." So könnte es auch im Falle eines Sieges sein.

Mentaltrainerin als Rettung

Britta Steffen bemüht seit Monaten eine Mentaltrainerin, um ihre psychologischen Probleme in den Griff zu bekommen.

"Hätte ich sie nicht, bräuchte ich erst gar nicht zu den Spielen zu fahren, weil mich die von allen erwartete Goldmedaille fertigmachen würde."

Phantom Libby Tickett

Die Blondine kämpft nicht nur gegen die Nerven, sondern auch gegen eine Art Phantom. Das heißt Libby Trickett-Lenton. Die Australierin hat das, was Britta fehlt: Nerven wie Drahtseile. Sie gewann souverän den WM-Titel über 100 Meter und distanzierte Steffen.

Am 27. März pulverisierte sie Steffens Weltrekord und stellte mit 52,88 Sekunden eine sensationelle Bestmarke auf. Doch nicht nur Libby Trickett, auch die Niederländerin Marleen Veldhuis ist eine harte Nuss für Britta Steffen. Sie wurde in diesem Jahr in Eindhoven souverän Europameisterin über 100 Meter.

So ist es auch klar, warum Britta Steffen mentale Probleme hat: "Ich bin manchmal hin- und hergerissen zwischen 'Ich schmeiße alles hin' und 'Mann, macht das Spaß'. Es macht keinen Spaß, wenn ich nur darauf fokussiert werde, die erwartete Goldmedaille nach Hause zu bringen."