Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth hat die Entscheidung von Bundespräsident Joachim Gauck, den Olympischen Winterspielen im Februar in Sotschi fernzubleiben, begrüßt.

"Das ist eine starke Haltung des Bundespräsidenten und ein ermutigendes Signal", sagte die Grünen-Politikerin der Tageszeitung Rheinische Post. Man dürfe einer Politik, die Homophobie zum Gesetz mache und die Opposition unterdrücke, nicht tatenlos zusehen, so Roth.

Dass Bundespräsident Joachim Gauck ein Freund des Sports sei und gerade er wisse, was das Leben in einer unfreien Gesellschaft bedeute, mache den Boykott so glaubwürdig, sagte die Grünen-Politikerin.

Auch Parteikollegin Silvia Löhrmann, stellvertretende Ministerpräsidentin in NRW, unterstützt Gaucks Entschluss: "Ich freue mich über die klare und werteorientierte Haltung des Bundespräsidenten, die mit dieser Entscheidung zum Ausdruck gebracht wird."

Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter forderte die Bundesregierung auf, den Spielen in Sotschi fernzubleiben. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk sagte er:

"Die deutsche Politik sollte die Olympischen Winterspiele in Sotschi boykottieren. Man sollte nicht die Sportler dazu zwingen, es zu boykottieren. Man sollte von Seiten der deutschen Politik Druck ausüben, dass Menschenrechte, Minderheitenrechte in Russland eingehalten werden."

Politiker von Union und SPD haben derweil skeptisch auf Gaucks Sotschi-Verzicht reagiert und werten diesen trotz der gegenteiligen Aussage aus dem Bundespräsidialamt ebenfalls als Boykott. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Schockenhoff, Koordinator für die deutsch-russische zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit, sprach in der Tageszeitung "Die Welt" von einem sehr persönlichen Bekenntnis, "vor dem ich großen Respekt habe".

Es entspreche der konsequenten Haltung des Bundespräsidenten zu Menschenrechtsfragen. Einen generellen Boykottaufruf hält Schockenhoff dennoch für falsch: "Man muss sich fragen, ob man damit nicht auch die Menschen im Land trifft."

Auch der SPD-Bundestagabgeordnete Lars Klingbeil, stellvertretender Vorsitzender der deutsch-russischen Parlamentariergruppe, sieht einen Boykott skeptisch:

"Gaucks Entscheidung ist zu akzeptieren, allerdings hätte ein Besuch der Olympischen Spiele auch eine gute Möglichkeit geboten, um Gespräche mit Reformkräften in Russland zu führen und ihren Anliegen in der politischen Debatte mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen", sagte Klingbeil der "Welt".

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