Die Ethikkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) untersucht nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ein "ARD"-Interview mit dem einflussreichen IOC-Mitglied Ahmad al-Sabah.

Der Scheich aus Kuwait hatte sich im Mai in dem Gespräch mit "WDR"-Reportern eindeutig für Bach als neuen IOC-Präsidenten ausgesprochen. Das ist nach Paragraph 11 des Ethikcodes IOC-Mitgliedern verboten.

"Ich bin Unterstützer von Thomas Bach, ich bin dafür, dass Dr. Bach der nächste IOC-Präsident wird", sagte Al-Sabah (50) in dem Interview, das im Mai, nach Bachs Bekanntgabe der Kandidatur, geführt worden war. Auf Nachfrage, was dies konkret heiße, sagte Al-Sabah: "Ich mache alles, was helfen kann. Warten Sie ab, bis September."

Nach Angaben eines DOSB-Sprechers habe Al-Sabah das Interview zwischenzeitlich zurückgezogen, weil er sich über die Ethik-Regel nicht bewusst gewesen sei.

Der "WDR" erklärte unter Bezug auf das konkrete Interview, das in der ARD-Sendung Monitor am Donnerstag ausgestrahlt worden war, die Darstellung, Al-Sabah habe das Interview zurückgezogen, sei "schlichtweg falsch". Ein IOC-Vertreter war am Samstag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Der Schweizer Denis Oswald, bei der Präsidentenwahl am 10. September in Buenos Aires einer von fünf Konkurrenten Bachs, hatte eine mögliche Unterstützung Bachs durch Al-Sabah bereits kritisiert. "Wenn es stimmt, ist das nicht unbedingt das, was ich unter Demokratie verstehe", hatte Oswald in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" gesagt.

Er erklärte auch, dass eine derartige Unterstützung "ein Vorteil" für Bach wäre: Der Scheich, Präsident der Vereinigung aller Nationalen Olympischen Komitees (ANOC), habe "viel Einfluss auf die olympischen Komitees".

Weitere Aussagen Al-Sabahs in dem "Monitor"-Interview lassen vermuten, dass Bach schon mehr als ein Jahrzehnt lang auf die IOC-Präsidentschaft hinarbeitet. "Wir werden an unserer Vision, an unserem Fahrplan festhalten, und wir haben eine Verabredung seit zwölf Jahren. Daher werde ich ganz offen sein: Ich bin Unterstützer von Thomas Bach."

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