Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat zurückhaltend auf den Hinweis der russischen Regierung reagiert, dass sich die Teilnehmer der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi (7. bis 23. Februar) an das neue nationale Anti-Homosexuellen-Gesetz halten müssen.

"Wir haben die Berichte gelesen. Das IOC hatte jüngst jedoch andere Informationen erhalten. Solange der Sachstand nicht geklärt ist, können wir das nicht kommentieren", erklärte DOSB-Pressesprecher Christian Klaue am Freitag.

Er wies allerdings darauf hin, dass "grundsätzlich" bei Olympischen Spielen Zuschauer und Athleten "aller Orientierung" willkommen seien.

"Wir sind sicher, dass dies auch in Sotschi der Fall sein wird", meinte Klaue. In der kommenden Woche beginnt zudem in Moskau die Leichtathletik-WM (10. bis 18. August).

Auch der Bund lesbischer und schwuler JournalistInnen (BLSJ) äußerte sich kritisch über die deutlichen Worte aus Russland.

"Nicht auszudenken, wenn ein Sportler oder eine Sportlerin nur wegen Händchenhaltens bestraft würde", sagte BLSJ-Vorstandsmitglied Martin Munz dem SID.

"Wir appellieren an Journalistinnen und Journalisten, bei der Berichterstattung über diese Sportereignisse ganz genau hinzuschauen: Die Diskriminierung von Homosexuellen ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte und damit nicht tolerierbar - ganz egal wo auf dieser Welt."

Russlands Sportminister Witali Mutko hatte am Donnerstag verdeutlicht, dass es niemand einem Sportler verbiete, "mit einer nicht-traditionellen sexuellen Orientierung", nach Sotschi zu kommen. "Aber wenn er auf die Straße geht und Propaganda betreibt, wird er dafür zur Verantwortung gezogen werden", sagte Mutko weiter.

Per Gesetz steht seit Juni in Russland die Verbreitung von Informationen über Homosexualität an Minderjährige unter Strafe. Ausländer, die gegen den Passus verstoßen, können mit umgerechnet rund 120 Euro bestraft werden und unter Umständen für 15 Tage unter Arrest gestellt oder des Landes verwiesen werden.

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