Die Journalistin Ankie Spitzer, Witwe des bei den Olympischen Spielen in München ermordeten Fechttrainers Andre Spitzer, hat die deutsche Politik bei der Aufarbeitung der Tragödie von 1972 erneut in die Pflicht genommen.

"Von hier aus fordern wir die deutschen Behörden auf, alle Dokumente einsehbar zu machen, um erneut eine Diskussion über die Fehlschläge beginnen zu können. Wir haben ein Recht zu wissen, wer unsere Lieben getötet hat, wer dafür verantwortlich war. Vorher kann die Akte München nicht geschlossen werden", rief Spitzer am Mittwoch bei ihrer Rede im Rahmen des Gedenkakts in Fürstenfeldbruck.

Die gebürtige Niederländerin, die als TV-Journalistin arbeitet, hat in den vergangenen vier Jahrzehnten unermüdlich recherchiert und die Beteiligten im Vorfeld des 40. Jahrestages des Attentats vom 5. September 1972 immer wieder kritisiert.

Der Krisenstab hatte damals nicht verhindern können, dass nach der Attacke des Kommandos "Schwarzer September" elf Israelis und ein Polizist getötet wurden.

Spitzer sprach in ihrer sehr emotionalen Rede "in tiefer Trauer und mit schwerem Herzen", wie sie betonte. "Deutschland und München werden immer verknüpft sein mit diesem düstersten Tag", sagte sie. Spitzer will "niemals aufhören, über das Massaker zu sprechen".

Sie nannte es "bitter, dass das IOC es nicht für angebracht hielt, (in London, d.Red.) unserer Lieben zu gedenken. Sie waren keine Touristen, sie waren Mitglieder der olympischen Familie, sie wurden ermordet."

Spitzer kritisierte erneut den "katastrophalen Rettungsversuch" am Fliegerhorst von Fürstenfeldbruck, "das Unvermögen, die Dummheit und die Arroganz".

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