Alfons Hörmann war von 2005 bis 2013 Präsident des Deutschen Ski-Verbandes © imago

Bei SPORT1 spricht DOSB-Präsident Hörmann über den drohenden Prozess gegen ihn und die Olympia-Absage des Bundespräsidenten.

Von Daniela Fuß und Mike Lukanz

München - Seit wenigen Tagen erst ist Alfons Hörmann DOSB-Präsident. Aber diese Tage hatten es in sich für den Nachfolger von Thomas Bach.

Der höchste Sportfunktionär in Deutschland sieht sich mit einem Verfahren vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf konfrontiert.

Zudem erhitzte Bundespräsident Joachim Gauck die Gemüter mit seinem Ansinnen, die Olympischen Spiele in Sotschi zu boykottieren.

Im SPORT1-Interview äußert sich Hörmann zu dem drohenden Prozess, Gaucks Olympia-Absage und zur Kritik an der Vergabe der Spiele nach Sotschi.

Zudem reicht er Diskus-Olympiasieger und DOSB-Kritiker Robert Harting die Hand und spricht über die Zielvereinbarungen bei den Winterspielen.

SPORT1: Herr Hörmann, direkt nach Ihrer Wahl zum DOSB-Präsidenten gab Bundesinnenminister Friedrich bekannt, dass es keine zusätzlichen Gelder für den Sport in Deutschland gibt. Danach folgte die Absage von Bundespräsident Gauck für einen Besuch in Sotschi, und dann wurde bekannt, dass ein Verfahren gegen Sie eröffnet wurde. Wie haben Sie Ihre ersten Tage erlebt?

Hörmann: Sie waren intensiv und vielschichtig, und sie zeigen die besonderen Herausforderungen, die mit diesem Amt verbunden sind. Aber wir werden jedes einzelne dieser Probleme professionell bearbeiten und mit einem schlagkräftigen Team die richtigen Antworten finden.

SPORT1: Wenn dem neuen DOSB-Präsidenten ein Prozess vor dem Oberlandesgericht droht, wie beeinträchtigt sind Sie da zu Beginn Ihrer Amtszeit?

Hörmann: Es gibt angenehmere Begleitumstände, das ist überhaupt keine Frage. Ich werde das in aller Professionalität angehen und zwar so, dass das Amt nicht darunter leidet.

SPORT1: Sie sagten beim Amtsantritt, dass Sie keinen 100-Meter-Lauf sondern einen Marathon vor sich hätten. Jetzt haben Sie ein Jahr Zeit, welche Distanz des Marathons können Sie in der Zeit zurücklegen?

Hörmann: Es geht jetzt darum, dass wir Schwerpunkte setzen. Einer davon ist ganz klar der Kampf gegen Doping. Wir sind mit großer Mehrheit beauftragt worden, mit der Politik in den kommenden Monaten entsprechende Gespräche zu führen, und ich sehe dieses Thema als klare Zielstellung für die nächsten zwölf Monate. Es gibt noch einige Punkte mehr, aber die werden wir zuerst intern besprechen. Natürlich geht es erst einmal um die nächsten zwölf Monate, aber wir wären ein schlechtes Präsidium, wenn wir die Ziele nicht schon über die nächste Wahl hinaus konzeptionieren.

SPORT1: Einer, der selten der Meinung des DOSB beziehungsweise Ihres Vorgängers Thomas Bach war, ist Robert Harting, der eine andere Auffassung der Athletenförderung hat. Harting hat Bach unter anderem vorgeworfen, er verstehe nichts vom Sport, wäre zu weit weg von der Basis. Wenn Sie wirklich ein offenes Ohr für die Athleten haben, setzen Sie sich mit Harting mal an einen Tisch?

Hörmann: Ich erinnere mich daran, dass Robert Harting Gesprächsangebote von Thomas Bach öffentlich ausgeschlagen hat. Aber lassen Sie mich etwas zu Thomas Bach sagen. Ein untrügliches Zeichen seiner Arbeit war stets die Nähe zu den Athleten, er hat nie aufgehört, selbst einer zu sein. Das kann man ihm mit Sicherheit nicht vorwerfen. Im Falle Harting, um das offen zu sagen, gilt für mich: Gerade mit Menschen, die sich wie er kritisch mit dem System auseinandersetzen, setze ich mich gerne an einen Tisch. Es hat vielleicht eine gewisse Symbolik, dass erst dieser Tage Michael Vesper in Gesprächen mit Harting war. Es zeigt, dass die Institution DOSB auf ihn zugeht. Ich würde mich freuen, wenn ein persönliches Gespräch mit Harting zustande käme.

SPORT1: Inwieweit hat Sie die Absage des Bundespräsidenten Joachim Gauck, die Olympischen Winterspiele in Sotschi zu besuchen, persönlich getroffen?

Hörmann: Ich formuliere es so: Ich hätte den Bundespräsidenten in Sotschi gerne dabei gehabt. Ich erinnere mich gut und gerne an einen gemeinsamen Tag mit Horst Köhler in Turin. Das war für die Mannschaft eine tolle Auszeichnung. In Vancouver hat es dann nicht mehr geklappt und in Sotschi nun auch nicht. Für uns ist wichtig, dass er die Zuneigung und Verbindung dadurch dokumentiert, dass er die Feier bei der Rückkehr am Münchner Flughafen mit uns gestaltet. Das ist eine schöne Form von Wertschätzung. Aber lassen Sie mich offen sagen: Ich kann, will und werde nicht über die Motive des Bundespräsidenten spekulieren. Die Frage, warum er die Reise nicht antritt, kann nur er selbst beantworten.

SPORT1: Sie haben selbst schon einige Male fallengelassen, dass Sie die Kritik an der Vergabe der Spiele nach Sotschi verstehen. Was kritisieren Sie im Detail?

Hörmann: Ich muss voranschicken, dass ich selbst bis heute noch nicht in Sotschi war, habe also keinen unmittelbaren, persönlichen Eindruck. Eine endgültige Beurteilung sollte man, das habe ich gelernt, erst dann vornehmen, wenn die Dinge vorüber sind. Daher würde ich diese Frage gerne erst nach den Olympischen und Paralympischen Spielen diskutieren. Fragwürdig aus heutiger Sicht ist die Frage, wie einige Bauten vor Ort geplant und konzipiert worden sind, mit welchen Investitionen hantiert wurde. Diese Form von gigantischer Umsetzung führt dazu, dass Menschen außerhalb dieser Länder Fragen stellen, die zuletzt auch bei der Bewerbung Münchens kamen. Bilder, die aus Sotschi transportiert werden, werden von den Menschen auf zukünftige Projekte übertragen. Das macht uns allen das Leben im Sport nicht leichter. Manchmal ist weniger eben mehr.

SPORT1: Also keine Kritik an der Vergabe, nur an der finanziellen Umsetzung vor Ort?

Hörmann: Das muss man auch trennen. Niemand im IOC hat vorgegeben, wie viele Milliarden verbaut werden müssen. Da kommt es drauf an, was das jeweilige Land daraus macht.

SPORT1: Wird der DOSB mit einer Medaillenvorgabe nach Sotschi reisen?

Hörmann: Wir reisen ohne Vorgaben. Wir haben gemeinsam mit den Verbänden Zielvereinbarungen erarbeitet. Die Sportverbände und der DOSB wollen gemeinsam mit einer ähnlichen Medaillenbilanz wie in Vancouver zurückkehren und einen der vorderen drei Plätze im Medaillenspiegel belegen. Ich schließe mich diesem Ziel uneingeschränkt an, verweise aber darauf, dass es durchaus ein ehrgeiziges und schwieriges Unterfangen wird, diese Bilanz aus Vancouver zu halten.

SPORT1: Nachdem es für München nun zweimal nichts wurde mit Olympia: Ist das Thema Olympische Spiele in Deutschland erst einmal auf Eis gelegt?

Hörmann: Wir haben uns am vergangenen Wochenende darauf geeinigt, dass das grundsätzliche Ziel, in Deutschland Olympische Spiele auszutragen, auf der Agenda bleiben muss. Da wird es aber keinen Schnellschuss geben, sondern wir werden uns die Zeit nehmen, um die Dinge sehr sauber zu analysieren.

Weiterlesen