Hörmann ist seit 2013 DOSB-Präsident
Alfons Hörmann ist zum Nachfolger von Thomas Bach beim DOSB ernannt worden © getty

Der neue starke Mann beim DOSB muss sich an mutigen Ansagen von einst messen lassen und blickt auf ein stressiges Jahr 2014.

Wiesbaden - Vom kleinen Verkäufer zum Vorstandsboss, vom Hobby-Skifahrer zum Top-Funktionär: Alfons Hörmann weiß, wie man Karriere macht.

Nicht von ungefähr steht er seit Samstag an der Spitze des deutschen Sports.

Der zweite Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Nachfolger von Thomas Bach, ist Macher und Machtmensch, verfügt aber (noch) über ein überschaubares Netzwerk in der großen Sportpolitik - in dieser spannenden Gemengelage muss er sich auch an eigenen mutigen Ansagen von einst messen lassen.

Beeindruckender Lebenslauf

"Wenn es im deutschen Sport an einem fehlt", hatte er 2005 im Zuge seiner Wahl zum Präsidenten des Deutschen Skiverbandes (DSV) gesagt, "dann an Leuten mit Stallgeruch, die gleichzeitig professionell und unternehmerisch handeln."

Dass er zu großen Würfen in der Lage ist, deutet sein beeindruckender Lebenslauf an. Der Allgäuer arbeitete sich in seiner Heimat in mehreren Firmen klassisch hoch.

Mittlerweile führt er die Geschäfte der zufällig namensgleichen Hörmann-Gruppe mit rund 3500 Mitarbeitern aus 25 Einzelunternehmen und nahezu einer halben Milliarde Euro Jahresumsatz.

Verfahren schwebt über der Wahl

Diesen Job wird er auch als ehrenamtlicher DOSB-Präsident behalten - wenn er denn darf. Das Kartellamtsverfahren gegen ihn wegen angeblicher Preisabsprachen, an denen er als Vorstandsvorsitzender des Tonziegelherstellers Creaton (bis 2010) beteiligt gewesen sein soll (Bericht), läuft noch immer.

Was ein möglicher Schuldspruch nach sich ziehen würde, ist nicht absehbar, obwohl ihm das DOSB-Präsidium zumindest bereits uneingeschränkte Präsidentschaftstauglichkeit bescheinigt hat.

Mehr als gut zu tun

Ob als AG-Vorstand und Aufsichtsratsmitglied in mehreren weiteren Unternehmen, als CSU-Mitglied im Kreistag Oberallgäu, als fest verwurzeltes Mitglied der Gemeinde Sulzbach, als Ehemann von Cordula und Vater der erwachsenen Söhne Roland, Christoph und Alexander, als Vorsitzender seiner eigenen, gemeinnützigen Stiftung - Hörmann hat mehr als gut zu tun.

"Laute und offensive Forderung sind weniger hilfreich als offene Gespräche in einem partnerschaftlichen Geist", lautet die Maxime des Multi-Funktionärs.

Kein Standing a la Bach

Sein Amt als Präsident des Deutschen Skiverbandes und einige weitere Posten im Alpin-Bereich gibt er ab.

Ein grober Blick auf den Terminkalender 2014 in der vergangenen Woche hat ihn schon positiv gestimmt, dass er alle wichtigen Sporttermine erfüllen kann.

Dennoch stellt sich die Frage, ob er den Kopf frei hat für den ganz großen Sport - zumal er nicht mal ansatzweise das Hintergrundwissen, die Kontakte und das Standing seines Vorgängers Bach hat.

Allgäuer Tugenden

Hörmann hat diese Defizite erkannt und sieht es als eine seiner wichtigsten aufgaben an, sich im DOSB und darüber hinaus zu vernetzen.

"Man muss anpacken können, Einsatzbereitschaft zeigen, zuverlässig und bodenständig sein - das sind alles Allgäuer Tugenden", sagt Hörmann. Er wird wissen, dass das allein nicht ausreicht.

DSV kurz vor dem Ruin

Ähnliches wie im Dezember 2007 sollte ihm als DOSB-Boss nicht passieren. Damals wäre die sportpolitische Laufbahn Hörmanns beinahe mit einem Schlag beendet gewesen.

Der DSV stand unter seiner Führung urplötzlich am Rande des Ruins, als der Privatsender RTL nach zähen Verhandlungen aus dem TV-Vertrag ausstieg, der dem Verband geradezu märchenhaften Reichtum beschert hatte - 15 Millionen Euro im Jahr.

Thoma forderte Rücktritt

Nicht wenige warfen Hörmann damals das arrogante Gehabe eines zu selbstsicheren Pokerspielers vor. Unter anderem Skisprung-Olympiasieger Dieter Thoma forderte seinen Rücktritt. Hörmann blieb und kam mit einem blauen Auge davon.

Und trotz des krachende Scheiterns der Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2022, an der er maßgeblich mitgewirkt hat, und trotz umstrittener Äußerungen zur Dopingproblematik im Vorfeld seiner Wahl steht Hörmann nun dem deutschen Sport vor.

Sein erstes Jahr im DOSB wird spannend werden. Er muss liefern, denn schon im Dezember 2014 steht er wieder zur Wahl.

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