Hörmann ist seit 2013 DOSB-Präsident
Alfons Hörmann ist zum Nachfolger von Thomas Bach beim DOSB ernannt worden © getty

Der DOSB wälht Alfons Hörmann zum Präsidenten. Auf den 53-Jährigen wartet viel Arbeit. Mehr Geld soll es nicht geben.

Wiesbaden - Alfons Hörmann ist neuer Chef des deutschen Sports.

Der 53 Jahre alte Unternehmer wurde am Samstag bei der 9. DOSB-Mitgliederversammlung in Wiesbaden mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und damit zum Nachfolger von Thomas Bach gewählt.

"Mir ist klar, dass die vor uns liegenden Aufgaben nicht dem Format eines 100-Meter-Laufs entsprechen. Das Bild des Marathons ist stimmiger. Ich bin bereit, diesen Marathon anzugehen, sofern sich viele fleißige Helfer beteiligen", sagte Hörmann, der in seiner Vorstellung vor den Delegierten von einem "Mammutprogramm", und einer "großen, großartigen Aufgabe" sprach.

Großer Vertrauensbeweis für Hörmann

Er kann mit einem eindrucksvollen Vertrauensbeweis im Rücken sein Amt antreten: 434 Mitglieder stimmten für den einzigen Kandidaten, nur 25 gegen ihn - das entspricht einem Votum von 94,6 Prozent. "Mit diesem Vertrauensbeweis fühle ich mich gestärkt, den Marathon anzugehen", sagte Hörmann.

"Ist das alles irgendwie zu schaffen? Werden die Mitspieler genügend unterstützen? Ich würde nicht antreten, wäre ich nicht zuversichtlich, dass wir die Dinge voranbringen können", ergänzte Hörmann, der sich basisorientiert gab: "Die 91.000 Vereine sind die Basis unserer Erfolge für die Zukunft."

Rückendeckung vom Vorgänger

Der Allgäuer, der die Präsidentschaft von Bach zu Ende führen wird und sich deshalb schon in einem Jahr wieder zur Wahl stellen muss, hatte schon vor seiner Inthronisierung Rückendeckung von seinem Vorgänger Bach erhalten.

"Statten Sie Ihren neuen Präsidenten mit einem starken Mandat aus, das ihm erlaubt, unseren DOSB mit aller Kraft zu vertreten. Unterstützen Sie ihn, wie Sie mich in den letzten sieben Jahren unterstützt haben", sagte Bach, der das DOSB-Spitzenamt nach seiner Wahl zum IOC-Präsidenten am 10. September niedergelegt hatte.

Am Samstag wurde Bach ohne Gegenstimme zum DOSB-Ehrenpräsidenten gewählt - und kämpfte während seiner Dankesrede mit den Tränen.

Große Emotionen bei Bach

"Das ist ein weiterer emotionaler Moment für mich. Ich freue mich riesig über diese Wahl und diese große Zustimmung. Der DOSB ist und bleibt ein Teil meines sportlichen Lebens", sagte Bach: "Wir haben gestritten, wir haben diskutiert, aber am Ende gab es immer eine große Einigkeit."

Er dankte ausdrücklich Hans-Peter Krämer, der den DOSB nach seinem Rücktritt als Übergangspräsident geleitet hatte und nun bis Ende 2014 wieder als Vizepräsident Finanzen fungieren wird.

Hörmann vor Mammutprogramm

Hörmann, Unternehmer aus Sulzbach und bislang Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), steht vor einem "Mammutprogramm", wie er selbst sagte. In zwei Monaten beginnen die Olympischen Winterspiele in Sotschi, wo voraussichtlich 169 deutsche Athleten (82 Männer/87 Frauen) um Medaillen kämpfen werden.

Doch vor allem die inhaltlichen Herausforderungen sind enorm. Finanzmangel macht dem deutschen Sport schwer zu schaffen, die Diskussionen über ein Anti-Doping-Gesetz sind im vollen Gange.

"Ich werde für den Sport, nicht vom Sport leben", sagte der neue Präsident, gegen den derzeit das Kartellamt wegen möglicher Preisabsprachen ermittelt, die möglicherweise in Hörmanns Zeit an der Spitze der Tondachziegel-Firma Creaton getroffen wurden. (Bericht)

Olympia weiter ein Thema

Mut machte Hörmann und dem kompletten DOSB Innenminister Hans-Peter Friedrich, der sich nach dem krachenden Scheitern der Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2022 vehement für einen erneuten Vorstoß einsetzte. "Olympische Spiele in Deutschland - das bleibt das Ziel. Olympische Spiele sind mehr als ein sportliches Großereignis, sie sind auch Gelegenheit für ein Land, sich zu präsentieren", sagte Friedrich: "Ich wünsche, dass wir das in Deutschland anpacken." Und auch Hörmann betonte: "Wir werden Olympia nicht aus den Augen verlieren."

Friedrich sorgte aber auch für Ernüchterung. Der intensiven finanziellen Forderung des DOSB nach mehr Geld erteilte er eine klare Absage: "Ich glaube nicht, dass ein Zig-Millionen-Wunschzettel weiterhilft. Wir müssen uns im gesamten Bundeshaushalt fragen, wie wir die Gelder umschichten können. Diese Aufgabe kommt auch auf die Sportverbände zu."

Friedrich forderte zudem eine wirkungsvolle Anti-Doping-Gesetzgebung. "Wir müssen uns davor hüten, Gesetze zu machen, die nur symbolischen Charakter haben", sagte er.

Der DOSB sprach sich am Samstag für eine verschärfte Gesetzgebung aus. Von der Einführung einer uneingeschränkten Strafbarkeit bei Besitz von Dopingmitteln schon in geringen Mengen soll laut Beschlussfassung allerdings ausdrücklich abgesehen werden.

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