Alfons Hörmann steht dem Deutschen Ski-Verband seit 2005 vor © imago

Der designierte DOSB-Präsident scheut vor seinem großen Tag konkrete Aussagen zu Zielen im neuen Amt oder dem Anti-Doping-Kampf.

München - Ein wenig mulmig ist Alfons Hörmann vor seinem großen Tag schon zumute.

Mit einer "gesunden Mischung" aus Anspannung und Vorfreude geht der 53-Jährige in die Präsidentenwahl des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Samstag in Wiesbaden, die er, der einzige Kandidat, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gewinnen wird.

Ein Kartellamtsverfahren, in dem er eine zentrale Rolle spielt, drückt ihm allerdings aufs Gemüt: "Es gibt angenehmere Begleitumstände, in solche Tage zu gehen."

Bachs Nachfolger demonstriert Entschlossenheit

Dennoch lässt der noch amtierende Chef des Deutschen Skiverbandes (DSV) vor seinem Sprung an die nationale Sport-Spitze und in die Fußstapfen von Thomas Bach keine Zweifel an seiner Entschlossenheit aufkommen.

"Wer meinen Werdegang verfolgt hat, der weiß, dass ich kein Fähnchen im Wind bin. Ich kämpfe für klare Überzeugungen und sinnvolle Zielsetzungen", sagt Hörmann.

Wie die aber genau aussehen, lässt er offen. Der Anti-Doping-Kampf, so sagt er immerhin, "wird auf meiner Agenda für das kommende Jahr ganz oben stehen".

Keinen "Stein der Weisen"

Alles Weitere will er auf sich zukommen lassen und erst ab Freitag, wenn die Delegierten in Wiesbaden zu Vorgesprächen für ihre Vollversammlung zusammenkommen, in "lebhaften Diskussionen" erörtern.

Dem künftigen DOSB-Präsidenten fehlen in drängenden Fragen noch Antworten. "Ich sage ehrlich: Mein Bild für denkbare Lösungsansätze ist noch nicht klar genug", sagt er mit Blick auf die Diskussionen über die mögliche Einführung eines Anti-Doping-Gesetzes:

"Da wurde über Jahre hinweg kontrovers diskutiert, und ich nehme nicht für mich in Anspruch, nun den Stein der Weisen gefunden zu haben. Klar ist nur: Es muss uns gelingen, den Gordischen Knoten der unterschiedlichen Sichtweisen zu durchschlagen."

Doping-Diskussion überschatte Erfolge

Einen besonders kritischen Blick auf die Dopingproblematik hat Hörmann nicht. Alarmierende Erhebungen, die Hinweise auf weit verbreitetes Doping auch in Deutschland geben, lassen ihn kalt.

"Ich finde es schade, dass solche Zahlen und die Diskussionen über mögliche gesetzliche Neuregelungen auch die Erfolge immer wieder in den Hintergrund drängen", sagt Hörmann: "Die letzten Nachtests mit Hilfe neuer Verfahren, die im Ausland ausgesprochen erfolgreich waren, haben in Deutschland nicht einen einzigen zusätzlichen positiven Test erbracht."

Die verbesserten Verfahren betrafen allerdings Anabolika-Klassiker, die nach Expertenmeinung in Industrieländern längst nicht mehr erstes Mittel der Wahl sind.

Lob für NADA und Sportler

Dass die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) bei den entscheidenden Trainingskontrollen in weniger als einem Prozent der Fälle Sünder ausfindig macht, beunruhigt Hörmann nicht. Im Gegenteil.

"Diese Zahlen, und ich zähle die prozentualen Erhebungen über positive NADA-Tests ausdrücklich dazu, können auch so interpretiert werden, dass sich deutsche Sportler das Risiko eines Dopingvergehens einfach nicht mehr leisten können", sagt Hörmann.

Er betonte, dass er nicht blauäugig sei und wisse, dass es "auch schwarze Schafe" gebe. Er sei aber davon überzeugt, "dass sich unsere Athleten, Trainer und Ärzte dem Thema Anti-Doping klar und deutlich verschrieben haben."

Dem deutschen Sport und der NADA attestierte er "hervorragende Arbeit", das System sei im Hinblick auf Intensität und Professionalität "vorbildlich".

Kartellverfahren kein Hindernis

Welche Inhalte er auf welche Weise ab Samstag mit Leben füllen will, lässt er offen. Er nehme sich "nicht zu viel vor", sagt er, auch weil er zunächst nur für ein Jahr gewählt wird. Er betont, dass "bei der Vielschichtigkeit der DOSB-Organisation ja schon das Kennenlernen der verschiedenen Facetten ein Mammutprogramm" sei.

Das hieße aber nicht, dass "nichts geschehen" werde: "Das klare Ziel ist, erst mal festzustellen, wo der Schuh drückt." Deshalb will er bereits am 17. und 18. Dezember im Rahmen einer Klausurtagung des Präsidiums "die anstehenden Themen diskutieren und Prioritäten festlegen".

Dass ihm das Kartellamtsverfahren, das mögliche Preisabsprachen einer Tonziegelfirma behandelt, der Hörmann bis 2010 vorstand, bei seinen Vorhaben in die Quere kommen könnte, ist unwahrscheinlich. DOSB und DSV attestierten ihm nach eingehender Prüfung Präsidententauglichkeit.

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