Bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres steht Franck Ribery vor der Krönung. SPORT1 erzählt multimedial seine Geschichte.

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Von Alexis Menuge, Christian Ortlepp, Michael Gößl, Matthias Becker und Ivo Hrstic

"Ich habe den größten Kampfmeines Lebens gewonnen"

- Franck Ribery

Er hat alles: Herausragendes Talent, viel Geld und sportlichen Erfolg. Doch bis auf den Höhepunkt seiner Schaffenskraft im Jahr 2013 war es für Franck Ribery ein steiniger Weg. Nicht nur auf dem Platz, sondern in seinem gesamten Leben. Am Donnerstag kann Ribery, der Superstar von Triple-Sieger FC Bayern München, den Gipfel erklimmen. Neben Lionel Messi und Cristiano Ronaldo ist der Franzose Finalist bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres. Eine Erfolgsgeschichte, die viele Jahre nahezu unmöglich schien - und die wegen eines schweren Unfalls beinahe nie geschrieben worden wäre. SPORT1 begibt sich auf die multimediale Reise durch das Leben von "König Franck".

Das Leben von Franck Ribery wäre um ein Haar früh zu Ende gewesen. Im Alter von zwei Jahren ist er mit seinen Eltern im Auto unterwegs. Die Familie hat einen Unfall. Franck sitzt hinten und kracht mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe. Sein Vater Francois hat diesen dramatischen Moment nie vergessen. "Damals war der Sicherheitsgurt auf den Rücksitzen noch keine Pflicht. Er musste eine lange Zeit im Krankenhaus verbringen. Es gab Momente, wo ich dachte: Ich habe meinen Sohn verloren."

Doch Ribery ist schon damals zäh - und überlebt. Als Erinnerung bleibt ihm "nur" die markante Narbe auf der rechten Gesichtshälfte. Sein Leben geht weiter, aber ab diesem Zeitpunkt muss Ribery regelmäßig mit Spott und bösen Blicken in der Schule und auf der Straße umgehen. Es ist keine einfache Zeit. Immer wieder wird er provoziert und angepöbelt - und geht keiner Rauferei aus dem Weg. Heute beurteilt er seine Narben eher positiv: "Ich betrachte sie als meinen Stolz. Sie sind der Beweis dafür, dass ich immer hart kämpfen musste um etwas zu erreichen und dass mir im Leben nichts geschenkt wurde", sagte Ribery kürzlich. 767571 (DIASHOW: Franck Ribery: Seine Karriere in Bildern)

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Geschenkt wurde ihm wahrlich nichts. Als Franck Ribery am 7.April 1983 in Boulogne-sur-Mer geboren wird, ahnen seine Eltern nicht, welchen unglaublichen Weg der kleine Franck später einschlagen wird. Für Papa Francois, der Straßenarbeiter ist und Mama Marie-Claire, eine Kauffrau, die noch zwei Söhne und eine Tochter haben, geht es vor allem darum, dass Franck einmal einen Job findet. In der Arbeiterstadt an der Kanalküste in Nord-Frankreich, wo 43.000 Menschen leben, sind nicht weniger als 60 Prozent der Bevölkerung arbeitslos. Die Zukunftsperspektiven dort: mehr als düster.

Doch Franck, den alle in Boulogne "Francky" nennen, zeigt sehr schnell eine Gabe für den Fußball. Mit nicht mal zehn Jahren kann er mit beiden Füßen 400 Mal den Ball jonglieren. Den Großteil seiner Freizeit verbringt er mit seinen Freunden und Cousins auf dem Beton-Platz der Cite du Chemin Vert, direkt vor der Tür der kleinen Wohnung seiner Eltern. Gespielt wird meistens fünf gegen fünf. Schon damals ist es sofort erkennbar, dass Ribery hochtalentiert ist. Sein erster Klub: der FC Conti, aus einem Viertel von Boulogne-sur-Mer. Nach dem Wechsel zum Nachbarklub "Les Aiglons" (die jungen Adler) trumpft er richtig auf. Ein Scout von Lille entdeckt ihn, er ist von seinen Fähigkeiten so begeistert, dass Ribery bereits mit 13 auf das Internat vom OSC Lille eintritt. 768173 (DIASHOW: Bilder aus der Kindheit von Franck Ribery)

Seine Eltern merken, dass ihr Sohn das Zeug hat, um ein guter Fußballer zu werden. Sie legen ihm keine Steine in den Weg und lassen ihn die 140 Kilometer östlich nach Lille ziehen. Natürlich sind sie traurig, dass Francky so früh das Elternhaus verlässt. Doch hätte Ribery den Schritt damals nicht gemacht und die Unterstützung seiner engsten Vertrauten nicht gehabt, ist fest davon auszugehen, dass er in seiner Heimatstadt arbeitslos geworden wäre.

Das ahnt er wohl auch damals und verhält sich in seiner Jugend sehr professionell. Ribery trinkt keinen Alkohol und raucht nicht, er hat ein bestimmtes Ziel vor Augen: Er will seinen Kindheitstraum unbedingt verwirklichen und Fußball-Profi werden. Das Problem: Auch in der Schule denkt er nur an den Ball und hat keine Lust zu lernen. Seine Noten sind schlecht bis katastrophal. Nach vier Jahren folgt der Rausschmiss in Lille - der Beginn einer langen Durststrecke, geprägt von zahlreichen Enttäuschungen und Ablehnungen. Mit 16 scheint er verloren. Sein Traum entfernt sich immer mehr, und er hat keine Ahnung, wie die Zukunft aussehen soll. Ribery kehrt in seine Heimat zurück. Vierte Liga. Das Monatssalär: 150 Euro. Es ist das niedrigste im Klub. Ribery wirbelt und steigt mit dem US Boulogne in Liga drei auf.

[kaltura id="0_3fwfendu" class="full_size" title="Riberys Odyssee durch den Profifu ball"]

Bruno Dupuis, sein damaliger Trainer, erinnert sich: "Franck konnte damals schon fantastisch dribbeln. Das war seine größte Stärke. Aber bei Ballverlust blieb er immer stehen. Er hatte kein Interesse daran, hinter dem Ball her zu laufen." Für Ribery ist die Zeit in vielerlei Hinsicht entscheidend. Er lernt Wahiba kennen, eine gebürtige Algerierin, die ebenfalls in seiner Stadt lebt. Francky verliebt sich und konvertiert zum Islam, seiner Freundin zuliebe. Sein muslimischer Name: Bilal. Nach einem Streit mit den Verantwortlichen von Boulogne, die sein Gehalt nicht erhöhen wollten, verlässt er seine Geburtsstadt und zieht in den Süden Frankreichs nach Ales - zusammen mit Wahiba.

Doch auch hier muss Ribery schon nach wenigen Monaten wieder die Koffer packen. Die Bosse von Ales sind nicht mehr in der Lage, ihre Spieler zu bezahlen. Ribery muss die Hochzeit mit Wahiba verschieben. Das Geld ist zu knapp. Ales-Trainer Rene Marsiglia springt ihm bei und zahlt dem jungen Paar zwei Monatsmieten, damit es in seiner Wohnung bleiben darf. Riberys Odyssee geht weiter - erneut scheint es, als ende sein großer Traum, bevor er richtig beginnen kann.

Vor nun genau zehn Jahren geht es zurück in den Norden Frankreichs. Ribery absolviert ein zweiwöchiges Probe-Training bei En Avant Guingamp in der Bretagne. Dort hätte er mit Didier Drogba zusammen spielen können - wenn Noel Le Graet, der damalige Präsident von Guingamp und heutige Präsident von Frankreichs Fußballverband ihn für gut genug gehalten hätte. Doch wieder kehrt Ribery heim. Auch ein Vorspielen bei Stade Malherbe de Caen in der Normandie wird zur Niederlage.

Sein Vater merkt, wie deprimiert sein Sohn auf diese Tiefschläge reagiert. Francois Ribery entscheidet sich, ihn zur Arbeit mitzunehmen. Zwei Monate lang muss Francky um fünf Uhr morgens aufstehen um als Straßenarbeiter zu schuften.

"Ich kam jeden Abend um 19 Uhr nach Hause und bin jedes Mal todmüde in mein Bett gefallen", erzählt Ribery. Sein Vater lobt: "Trotz der prekären Lage und auch wenn seine Situation angespannt war, hat sich Franck nie hängen lassen. Er hat immer einen starken Charakter gehabt. Diese Arbeit war hart, aber es war eine gute Erfahrung für ihn um mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben."

Als Ribery schon glaubt, dass es mit dem Fußball nichts mehr wird, findet sich doch noch ein Plätzchen für ihn. Brest. Dritte französische Liga. Die Aussichten sind immer noch nicht rosig, aber die Tür zum großen Traum ist wieder einen Spalt breit aufgegangen. "In dieser Phase hatte Franck 99 Prozent Chancen ein Versager und 1 Prozent Chance ein Fußball-Star zu werden", sagt Philippe Goursat, der damalige Manager des Klubs. Auch in Brest bekommt Ribery mit 250 Euro monatlich das niedrigste Gehalt des Kaders. Doch durch seine Schnelligkeit, seine Dribblings und seine Spielintelligenz sorgt er schnell für großes Aufsehen. Am Ende der Saison hat er stolze 23 Assists auf seinem Konto - und plötzlich stehen zahlreiche Teams Schlange und wollen ihn verpflichten.

Trotz des Interesses von Ajax Amsterdam, Nantes, Lens und Straßburg entscheidet Ribery sich für den FC Metz. Mit 21 erhält er seinen ersten Profi-Vertrag - und erobert die Ligue 1. Sein Debüt ist fulminant. Seine Unbekümmertheit und seine spektakuläre Spielweise machen ihn schnell zum Shooting-Star in Frankreich. Sein erstes Trikot schenkt er seinem Vater, der ihm immer zur Seite stand.

[kaltura id="0_p8rzmr12" class="full_size" title="Emotionen pur Riberys Durchbruch in Frankreich"]

Nach wenigen Wochen in Lothringen gibt er sein Debut für Frankreichs U21 - und packt doch nach einem halben Jahr erneut die Koffer. In einer Disco in Metz wird Ribery in eine Schlägerei verwickelt und muss letztendlich ins Ausland wechseln.

Aber: Bei Galatasaray Istanbul bekommt er für seine Unterschrift eine Prämie in Höhe von 800.000 Euro. Knapp 18 Monate nachdem er sich in Brest noch für den Mindestlohn verdingt hatte.

In der türkischen Metropole wird Ribery von tausenden Fans empfangen, die ihn wie den neuen Messias feiern. "Ferraribery" oder "Scarface" nennen sie ihn. Seine beste Leistung liefert er im Pokal-Finale gegen Erzrivale Fenerbahce ab, als er beim 5:1-Sieg einen spektakulären Treffer erzielt. Doch wie so oft gibt es Streit mit den Verantwortlichen, die sein Gehalt nicht mehr überweisen.

Der Vertrag wird nach nicht einmal sechs Monaten aufgelöst, und Ribery kehrt nach Frankreich zurück. Bei Olympique Marseille trifft er im Sommer 2005 wieder auf Trainer Jean Fernandez, der ihn ein Jahr zuvor bereits nach Metz gelotst hatte. Auch im Stade Velodrome wird er gleich zum Liebling der Fans und glänzt in jedem Spiel. Er wird zur größten Hoffnung Frankreichs und drei Mal zum Spieler des Monats bei OM gewählt.

Die Weltmeisterschaft in Deutschland steht vor der Tür. Und der stark in der Kritik stehende Nationalcoach Raymond Domenech wird schnell auf Ribery aufmerksam. Knapp einen Monat vor Beginn der WM, am 27. Mai 2006, feiert Ribery sein Länderspiel-Debüt in Paris gegen Mexiko. Die 80.000 Fans im Stade de France bereiten ihm einen frenetischen Empfang und feiern ihr neues Idol. "Gegen Franck würde ich nur ungern spielen. Er ist für jeden Verteidiger der Welt ein Albtraum", sagt Thierry Henry damals über seinen neuen Mitspieler.

[kaltura id="0_shkghwuk" class="full_size" title="Der Zauberfu Riberys Traumtor aus 50 Metern"]

Bei der WM in Deutschland macht Domenech ihn gleich zum Auftakt gegen die Schweiz zum Stammspieler. Mit seinem Idol Zinedine Zidane an seiner Seite wirbelt Ribery. In diesem Moment entdecken ihn auch die deutschen Fans. Vor allem im Achtelfinale gegen Spanien trumpft Ribery auf. Als Frankreich in Rückstand liegt, sorgt er mit einem Solo für den Ausgleich und gleichzeitig die Wende für die Equipe tricolore. Nicht nur in dieser Partie, sondern auch im Turnier.

Erst im Finale scheitern die Franzosen im Elfmeterschießen an Italien. Sogar Zidane ist voll des Lobes: "Franck ist ständig gut gelaunt. Er kalkuliert nie, sondern er spielt einfach sein Spiel. Er ist wahnsinnig stark und wird irgendwann zu den Besten der Welt gehören." Wie Recht er hatte?

Doch auch wenn die Fußball-Welt den Namen Ribery nun kennt, bleibt dessen Weg steinig. Nach der WM sorgt Ribery für eine peinliche Szene, als er kurz vor Transferschluss im größten TV-Sender Frankreichs (TF1) live vor Millionen von Zuschauern erzählt, dass er für 22 Millionen Euro Olympique Marseille verlässt und bei Olympique Lyon unterschreiben wird.

Die Marseille-Bosse wollen ihn aber in keinem Fall ziehen lassen. Die Szene sorgt für einen Bruch mit den Anhängern von OM sowie seinem Berater Bruno Heiderscheid, der ihn oft schlecht vertritt.

Die zweite Saison in der Provence verläuft ebenfalls nicht reibungslos. Eine Formkrise im Winter, dazu Verletzungen: erst ein Leistenbruch, dann ein Mittelfußbruch. Ribery ist etliche Wochen außer Gefecht. Seine Leistungen aus dem WM-Sommer geraten aber nicht in Vergessenheit. Real Madrid hält die Ablöse von 25 Millionen Euro für Ribery zwar für zu teuer, doch der FC Bayern, tief gekränkt von Platz vier in der abgelaufenen Bundesligasaison will aufrüsten und schnappt sich Ribery. Der unterschreibt in München für vier Jahre.

Re-Live: Riberys Tor gegen Nürnberg auf SPORT1.fm

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Damals sieht Francky die bayrische Landeshauptstadt nur als Durchgangsstation. Spätestens zwei Jahre später will er in Barcelona oder in Madrid sein. Den FC Bayern hält er zwar für konkurrenzfähig, aber nicht für so stark wie die spanischen oder englischen Giganten. Wie schon bei seinen vorigen Stationen sind die ersten Schritte in Rot-Weiß mehr als positiv. Mit Trainer Ottmar Hitzfeld versteht er sich blendend. Vor allem die Vier-Augen-Gespräche mit dem Bayern-Coach auf dem Hotel-Zimmer schätzt Ribery. Er spürt das Vertrauen. "Das ist Wichtigste für mich, ansonsten kann ich schwer mein Potenzial abrufen", betont er.

Die erste Spielzeit in München wird zum Genuss. Ribery erzielt allein in der Bundesliga elf Tore. So schnell wie der damals 24-Jährige dürfte kein anderer Spieler zuvor die Herzen der Bayern-Fans erobert haben. Mit Luca Toni und Lukas Podolski versteht er sich blind, sowohl auf- als auch außerhalb des Platzes. Seine Späße sind bekannt. Unvergessen die Szene, als er zusammen mit Daniel van Buyten und Mark van Bommel auf dem Dach der Kabine an der Säbener Straße Oliver Kahn mit zwei Wassereimern erwischt.

Er schmiert Zahnpasta an Lukas Podolskis Türklinke oder versteckt Luca Toni die Schuhe, alles zur Belustigung seiner Teamkollegen. Einem Journalisten aus seiner Heimat würzte er bei einem gemeinsamen Essen die Cola mit Salz und bat die Eltern des Reporters anschließend telefonisch, den Sohn zum Jobwechsel zu überreden, weil er so schlecht berichte.

[kaltura id="0_hrlnskpq" class="full_size" title="Der Schelm Riberys beste Streiche"]

Dass für Ribery in München alles getan wird, zeigt sich auch in einer weiteren dunklen Stunde. Bei der EM 2008 verletzt er sich schwer am Knöchel. Sofort veranlassen die Bayern und ihr Mannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, dass ihr Mittelfeld-Star ins Krankenhaus München-Bogenhausen gebracht wird.

Doch der Idylle folgt der Absturz. Immer wieder erzählt Ribery, dass ihn die Kälte in München nervt und dass die Sonne in Spanien öfter scheint. Im Juli 2009 will er seinen damaligen Traum verwirklichen und zu Real Madrid wechseln. Doch die Bayern-Bosse lehnen sogar ein 80-Millionen-Angebot der Königlichen ab. Hinzu kommt, dass Ribery keine Lust hat, unter dem neuen Trainer Louis van Gaal zu arbeiten. Der Niederländer hat auch nichts dagegen, ihn ziehen zu lassen. Doch Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sind strikt dagegen. Lustlos trainiert Ribery, dazu er hat immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen.

Es folgt das schlimmste Kapitel seiner Laufbahn. Im Frühling 2010 veröffentlichen französische Medien eine Sensationsmeldung: Franck Ribery hat eine sexuelle Affäre mit einer minderjährigen Prostituierten gehabt. Sehr schnell muss er sich in Paris vor Gericht erklären. Er gibt zu, mit einer jungen Frau namens Zahia mehrere Nächte verbracht zu haben, beteuert aber, nichts von ihrem Alter gewusst zu haben. Während in seiner Heimat die Kritik zunimmt, kann er sich in der schweren Zeit auf die volle Unterstützung seines Vereins verlassen.

Doch die Anspannung bleibt. Im Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Olympique Lyon sieht er nach einem bösen Tritt Rot, was ihn im Finale der Königsklasse gegen Inter Mailand zum Zuschauen zwingt. Die Bayern beweisen in dieser Situation ein feines Gespür. Als er tief in der Krise steht, bekommt Ribery einen neuen Vertrag mit einem fürstlichen Lohn (die Rede ist von 10 Millionen Euro brutto jährlich), was aus ihm den bestbezahlten Bundesliga-Spieler aller Zeiten macht.

"Isch 'abe gemacht fünf Jahre", sagt er auf dem Rathaus-Balkon Ende Mai 2010 voller Freude und sorgt für eine Riesen-Begeisterung bei den Bayern-Anhängern.

[kaltura id="0_xxcp350d" class="full_size" title="Vertragsverl ngerung auf dem Rathaus Balkon"]

In der Nationalmannschaft ist die Stimmung deutlich schlechter. Bei der WM in Südafrika kommt es zum Tiefpunkt. Riberys Verhältnis zu Nationaltrainer Raymond Domenech ist angespannt. Die Stimmung innerhalb des Teams gar katastrophal. Ribery erscheint unerwartet live und mit Badelatschen in der meist gesehenen Fußball-Sendung im französischen Fernsehen und erklärt mit Tränen in den Augen, dass alles, was kolportiert wird, nicht stimmt und alles in Ordnung sei. Nur drei Stunden später streiken die Spieler im Bus und weigern sich zum Training zu erscheinen. Es ist der Protest gegen die Entscheidung des Verbandes, Nicolas Anelka für dessen üble Beschimpfungen Domenechs aus der Mannschaft zu werfen.

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Ribery wird vom Verband zu drei Spielen Sperre verdonnert. Die Zeit danach bleibt schwierig, auch weil er immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hat. Während er in München die Zuneigung der Fans weiterhin spüren kann, hat sich das Blatt in der Heimat gewendet. Mehrere Bücher werden über ihn veröffentlicht.

"Das versteckte Gesicht von Franck Ribery" oder "Zahiagate" gibt es überall am Kiosk. In den Sport-Zeitungen wird kaum noch über ihn berichtet. In einer Umfrage gehört er 2010 zusammen mit zwei Politikern zu den drei meist gehassten Persönlichkeiten Frankreichs.

Ribery identifiziert sich immer mehr mit München. In seiner Freizeit fliegt er kaum noch nach Paris und genießt lieber die Lebensqualität in der bayrischen Landeshauptstadt. Vor dem Ligastart 2010 gibt er sein erstes Interview auf Deutsch - bei SPORT1.

[kaltura id="0_nj023jay" class="full_size" title="Das erste Interview auf Deutsch"]

Vor allem unter Jupp Heynckes blüht er wieder auf. Sein Körper lässt ihn endlich in Ruhe. Er will es nun allen zeigen, vor allem in seiner Heimat. Fast zwei Jahre hat er mit französischen Reportern nicht mehr gesprochen, bis er im Herbst 2011 entscheidet zu verzeihen. Trotzdem ist sofort zu spüren, dass aus Francky Franck geworden ist. Der dreifache Familienvater ist reifer, verantwortungsvoller und ernster geworden.

In der Nationalmannschaft kehrt er nach seiner Sperre zurück, obwohl die meisten Fans ihn nicht mehr sehen wollen. Bei der EM 2012 spielt er solide und diszipliniert. Danach wird er immer stärker und gewinnt langsam, aber sicher die Herzen der Anhänger der Equipe tricolore zurück.

Und mit dem Triple in der vergangenen Saison mit den Bayern hat er es nun allen gezeigt.

[kaltura id="0_fum5diu6" class="full_size" title="Ribery Schl sselspieler der Bayern"]

"Ich hatte eine schwere Zeit, aber ich bin noch stärker geworden. Ich habe mich nie hängen lassen, und in Frankreich bin ich auch wieder beliebt. Somit habe ich den größten Kampf meines Lebens gewonnen", sagt er. Als Belohnung winkt die Krönung bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres.

Vom Straßenarbeiter auf den Thron des Fußballkontinents? Kein schlechter Aufstieg in gerade einmal zehn Jahren.

"Ich glaube, dass ich eine große Chance habe, zu gewinnen. Es gibt für einen Spieler wohl keinen größeren Titel", sagt Ribery im Interview mit SPORT1.

[kaltura id="0_ibrpycbu" class="full_size" title="Europas Fu baller des Jahres Die Liga dr ckt die Daumen"]

Die Sehnsucht nach der spanischen Sonne ist längst verflogen. Seine Familie fühlt sich in München pudelwohl, Ribery wird bei jedem Heimspiel von den Fans gefeiert. Mit Uli Hoeneß verbindet ihn eine echte Freundschaft. "Er hat viel für mich getan, auch in schlechten Zeiten war er immer für mich da", sagt der Franzose über den Bayern-Präsidenten.

Seinen Vertrag hat Ribery inzwischen bis 2017 verlängert. Ein Wechsel? Kein Thema. "Mein Herz ist bei Bayern München. Für mich ist das der beste Klub in der Welt. Ich bin total glücklich und richtig frei in meinem Körper. Wenn ich darüber rede, bekomme ich, wie heißt das auf Deutsch, Gänsehaut", schwärmt er im Gespräch mit SPORT1.

Selbst nach dem Ende der Karriere scheint ein Verbleib in München eine Option zu sein: "Ich könnte hier mein ganzes Leben bleiben, warum nicht? Ich bin ein Münchner, ein Bayer - das sage ich aber von Herzen, nicht aus Spaß."

[kaltura id="0_opysxp4t" class="full_size" title="Ribery im SPORT1 Interview F r immer M nchen "]

Zunächst hat Ribery aber noch große Ziele vor Augen: Im Januar will er sich auch den Traum vom Ballon d'Or 2013, der Auszeichnung für den Weltfußballer, erfüllen. Mit Frankreich winkt die WM in Brasilien. Und die EM 2016 im eigenen Land möchte er als Abschluss der Karriere unbedingt miterleben.

Das alles ist aber nur noch Bonus. Den größten Kampf seines Lebens hat Franck Ribery längst gewonnen.

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