Momentan gibt es in der Ducati-Hospitality keinen Grund für Jubelstimmung © FGlaenzel

Der Brite ist optimistisch, in Zukunft mit Ducati zu siegen - Bernhard Gobmeier gibt Bridgestone eine Teilschuld am Scheitern in der MotoGP

Cal Crutchlows Wechsel zu Ducati war das bestimmende Thema in der Sommerpause der MotoGP-Saison 2013. Bereits im Vorjahr flirtete der Brite mit den Italienern. Damals machte aber Andrea Dovizioso das Rennen. Im kommenden Jahr treffen die Tech-3-Teamkollegen der vergangenen Saison erneut aufeinander. Doch was kann Crutchlow auf der Desmosedici ausrichten? Betrachtet man die Ergebnisse von Dovizioso in der laufenden Saison, dann stellt sich die Frage: Warum tut er sich das an?

Es gibt einige Dinge, die für den Wechsel zu Ducati gesprochen haben. In erster Linie muss ganz rational der Faktor Geld genannt werden. Verdiente Crutchlow bei Tech-3-Yamaha deutlich weniger als eine halbe Millionen Euro, dürften es bei Ducati zwischen zweieinhalb und vier Millionen Euro pro Jahr sein, die der ehemalige Supersport-Weltmeister erhält. Ob die üppige Vergütung seiner Dienste sich zu einer Art Schmerzensgeld entwickeln wird, kann momentan nur gemutmaßt werden.

Bei Yamaha sah Crutchlow keine Zukunft: "Was Yamaha mir anbot, hatte nichts mit dem zu tun, was ein Werksfahrer bekommen sollte. Ich bin mit meiner Entscheidung sehr zufrieden", bemerkt er. "Ich hatte das Gefühl, dass Yamaha mich nicht will. Das war offensichtlich. Sie sagten zu mir, sie wollen mich, doch ich hatte das Gefühl, als ob sie sich in eine Situation gebracht haben, in der ich gute Ergebnisse zeigte und die Leute Yamaha fragten, warum sie mich gehen lassen."

Hat Crutchlow eine Ausstiegsklausel?

Ab 2014 hat Crutchlow den Werksfahrer-Status, den er sich so sehr wünschte. "Wir haben einen sehr guten Vertrag verhandelt und einige sehr gute Details für mich herausgeschlagen. Ich bin damit zufrieden", lässt der derzeit beste Satelliten-Fahrer durchblicken. Doch was steckt dahinter? Schenkt man Paddock-Gerüchten Glauben, dann hat Crutchlow eine Klausel in seinem Zweijahres-Vertrag, die ihm gestattet, das Team bereits Ende 2014 wieder zu verlassen, sollte er mit der Ducati nicht zufrieden sein.

Das wäre durchaus ein geschickter Zug, denn durch den Einstieg von Suzuki ergibt sich 2015 ein weiterer Platz auf einem Werksmotorrad. Fakt ist: Bei Honda und Yamaha wird es schwierig, in den kommenden Jahren den Werksfahrer-Status zu erhalten. Aber vielleicht schafft Crutchlow durch seine unverkrampfte Art auch den Umschwung bei Ducati. Schaut man sich die Entwicklung bei Ducati an, setzt diese Vorstellung jedoch viel Optimismus voraus.

Seitdem Bridgestone Einheitsreifen liefert, hat Ducati große Probleme. In Casey Stoners WM-Jahr konstruierten die Japaner stets die passenden Pneus für die schwer zu kontrollierende Ducati. Dadurch konnten die Fahrwerks-Defizite der Desmosedici kaschiert werden. Die überlegene Spitzenleistung des Desmo-V4 und Stoners Talent führten zu einer Dominanz, die von Ducati in der MotoGP nie wieder erreicht werden konnte.

Ducati gibt den Reifen die Schuld

"Wenn man die Einheitsreifenregel abschaffen würde, wäre uns sicher geholfen", betont Ducati-Corse-Chef Bernhard Gobmeier. "Der Einheitsreifen unterscheidet sich stark von dem Reifen, mit dem Casey 2007 gewann. Bridgestone entschied sich für den sichersten Reifen, doch leider nicht für den, der am besten mit unserem Motorrad harmoniert. Wir haben viele Jahre investiert, um unser Motorrad daran anzupassen und waren dabei nicht erfolgreich."

Seit Oktober 2010 ist Ducati in der MotoGP ohne Sieg. Zudem ist die Liste der gescheiterten Fahrer lang und beinhaltet prominente Namen. Von all dem möchte Crutchlow aber momentan nichts wissen. "Das Motorrad war vorher, als Casey damit fuhr, siegfähig. Ich weiß, dass er der einzige Fahrer war, der damit jede Woche um Siege kämpfen konnte, doch auch Loris Capirossi und Troy Bayliss haben damit gewonnen", hebt der Brite hervor.

Crutchlow weiß, dass Ducati umfassende Änderungen vornehmen muss, um das Untersteuerproblem am Kurveneingang und Kurvenscheitel sowie das pumpende Heck am Kurvenausgang in den Griff zu bekommen. Doch diese Probleme schiebt der bisher sieglose Brite in den Hintergrund: "Das Motorrad muss sich Ende der Saison ändern, doch ich bin begeistert, weil mich ein Hersteller wie Ducati so sehr wollte."

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