Casey Stoner demütigte seine Ducati- Markenkollegen von 2007 bis 2010 © Ducati

Ex-MotoGP-Pilot Sylvain Guintoli erinnert sich an seine Zeit mit der Desmosedici und unterstreicht, dass nur Casey Stoner das Motorrad perfekt verstanden hatte

Bei Ducati ging es nach dem WM-Titel von 2007 konstant bergab. Die Desmosedici war zwar bis 2010 ein siegfähiges Motorrad, doch es gelang nur Casey Stoner, die Hondas und Yamahas damit Rennen für Rennen herauszufordern. In der Saison 2008 startete Stoner mit einem Sieg in die Saison und wollte die MotoGP-Krone verteidigen. Den Titel verpasste der Australier aber am Ende der Saison deutlich. Mit sechs Saisonsiegen war das Jahr dennoch erfolgreich. Hinter Valentino Rossi beendete Stoner die Saison als WM-Zweiter.

Marco Melandri erlebte in diesem Jahr eine katastrophale Saison. Als Werkspilot kam der Italiener nicht über Platz 17 der Fahrerwertung hinaus und wurde zu einem prominenten Opfer der Desmosedici. Die beiden Satellitenpiloten Toni Elias und Sylvain Guintoli beendeten das Jahr immerhin auf den Positionen zwölf und 13. Guintoli hatte Mühe, die Ducati auf Tempo zu bringen. Doch was war das Problem?

"Wenn ich das wüsste, würde ich vermutlich noch immer dort fahren. Ich weiß es nicht", gesteht der Franzose im Gespräch mit 'Crash.net'. "Ich bin nicht der einzige Fahrer, der sich damit abgemüht hat. Es ist in vielerlei Hinsicht ein sehr schwieriges Motorrad. Das Motorrad von damals ist nicht mit dem von heute zu vergleichen. Wir nutzten noch den Gitterrohrrahmen. Ich hatte mit dem Motorrad Spaß, war aber nicht schnell."

Ducati gab den Gitterrohrrahmen später auf und setzte auf eine rahmenlose Konstruktion. Diese innovative Bauweise wurde in der Rossi-Ära abgeschafft. Seitdem setzt Ducati auf einen konventionellen Alurahmen, der bei der Gewichtsverteilung mehr Spielraum bietet, da der Motor einfacher verschoben werden kann. Unabhängig vom Rahmenkonzept gab es bisher nur einen Piloten, der die Desmosedici bändigen konnte.

Das bestätigt auch Ex-MotoGP-Pilot Guintoli: "Bis heute gab es nur einen Fahrer, der dieses verdammte Ding zum Arbeiten bringen konnte. Einige Leute sagen, dass die Front das Problem ist. Doch wenn man sich ansieht, wie Casey das Motorrad fuhr, dann kann man festhalten, dass es kein massives Problem gab, weil er damit klar kam."

"Er ist kein verdammter Magier. Er hat es einfach nur verstanden. Egal, ob es daran lag, weil er schlauer oder mutiger war - er war permanent vorn dabei", unterstreicht Guintoli. "Wir hatten seine Daten und ich erinnere mich, wie ich mir dachte: 'Verdammte Scheiße! Dieser Kerl fährt in die Kurven, als ob er nicht wieder aus ihnen heraus kommen möchte. Er machte Dinge mit dem Motorrad, die man normalerweise nicht hinbekommt." Von 2007 bis 2010 absolvierte Stoner 57 Rennen für Ducati, 23 davon gewann der Australier.

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