Rivalen der Rennbahn, Freunde fürs Leben: Simoncelli und Rossi © xpb.cc

Valentino Rossi war ein guter Freund des verstorbenen Marco Simoncelli - In einem heute erscheinenden Buch erinnert sich Rossi an "Sic"

Das zweite Gastspiel der Motorrad-Weltmeisterschaft in diesem Jahr in Italien ist für alle Beteiligten der MotoGP ein emotionales Wochenende. Denn in Misano erinnert schon der Name der Rennstrecke an den im vergangenen Jahr verstorbenen Marco Simoncelli. Vor allem bei Valentino Rossi dürften an diesem Wochenende einige wehmütige Erinnerungen wachwerden. Denn Simoncelli war für Rossi mehr als nur ein Kollege, sondern ein guter Freund. In dem heute in Italien erscheinenden Buch "Il nostro Sic" (auf Deutsch "Unser Sic"), das Simoncellis Eltern Rossella und Paulo geschrieben haben, hat auch Rossi ein Kapitel verfasst, aus dem die 'Gazetta dello sport' zitiert.

Nach Simoncellis Aufstieg in die MotoGP wurden aus den Freunden auf der Rennstrecke Konkurrenten. "Im Laufe der Zeit wurden wir zu Rivalen. Gegen Ende seines ersten Jahres in der MotoGP wurde er richtig schnell", schreibt Rossi, der jedoch bedauert, dass er nicht mit gleichen Waffen gegen seinen Freund kämpfen konnte. "Leider hatte ich damals mit der Ducati ziemliche Probleme. Als er begann richtig gut zu fahren, war ich richtig schlecht. Daher hatten wir keine Chance, auf der Strecke miteinander zu kämpfen. Das war wirklich schade, denn das hätte eine Menge Spaß gemacht."

Rossi spart auch nicht mit Kritik an seinem Freund: "Er war ein wirklich netter Kerl, aber er konnte auch ein Arsch sein, ein Sturkopf, und obwohl wir Freunde waren, hat er auf der Strecke Wege gefunden, einen richtig wütend zu machen. Er hat sich immer gedacht: 'Ich bin wirklich großer Fahrer im Vergleich zu den anderen und bin gegenüber diesen Zwergen im Nachteil. Aber wenn es zum Kampf Ellenbogen an Ellenbogen kommt, habe ich immerhin einen Gewichtsvorteil.' Das hat einige Fahrer wütend gemacht, vor allem Stoner und Lorenzo, denn sie hatten Angst vor ihm", glaubt der 33-Jährige.

Simoncelli habe sich immer hohe Ziele gesetzt. "Manchmal war er sogar unverantwortlich, zum Beispiel mit seinen Sildes. Er kam dann zu dir und hat gesagt: 'In der Kurve bin ich aber ordentlich gerutscht'. Und am liebsten hätte man ihm dann geantwortet: 'Verdammt Sic, wenn du das Motorrad noch nicht völlig unter Kontrolle hast, dann ist es zu gefährlich zu sliden'. Er hätte dir zugestimmt, weil er wusste, dass du recht hast, wäre aber drei Tage später in exakt der gleichen Kurve gestürzt", glaubt Rossi.

"Manchmal hat Sic es übertreiben, aber so ist es im Motorsport, wenn es in einer Runde um alles oder Nichts geht", meint der Italiener. Viele Leute hätten versucht, einen Keil zwischen Rossi und Simoncelli zu treiben. "Aber wir sind immer gut miteinander ausgekommen. Er war ein wahrer Freund, und daran hat sich auch nichts geändert, als wir später Rivalen wurden. Ich habe die gemeinsame Zeit mit Sic sehr genossen."

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