MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Stefan Bradl wurde 2011 Weltmeister in der Moto2-Klasse © getty

Stefan Bradl sorgt mit seinem siebten Platz in Jerez für Furore. Besonders ein Überholmanöver beeindruckt die Konkurrenz.

Jerez/Köln - Stefan Bradl stellte seine Maschine vor der Box inmitten einer Menschentraube ab und genoss den Applaus mit allen Sinnen, als der laute Motor der Honda endlich ausgegangen war.

Gleich nach Teamchef Lucio Cecchinello schloss auch Helmut Bradl seinen Sohn in die Arme, einfach nur "klasse" fand der Papa die Vorstellung in Jerez (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

Der 22-jährige Junior hinterließ beim Großen Preis von Spanien nicht nur durch Platz sieben Eindruck, Bradl verschaffte sich in der Königsklasse vor allem mit seinem beeindruckenden Überholmanöver in der letzten Kurve Respekt im Fahrerlager.

Wie ein alter Hase hatte sich Bradl den ehemaligen Weltmeister Nicky Hayden kurz vor dem Ziel erst zurechtgelegt, dann angegriffen und einkassiert (BERICHT: Stoner siegt in Jerez).

Auf den wenigen Metern bis zum Ziel machte der Neue vor dem Amerikaner die Tür zu ( 476076 DIASHOW: Stefan Bradls Karriere ).

"Man muss immer pushen"

"Der Kampf mit Hayden hat Spaß gemacht", sagte Bradl nach dem packenden Duell.

Über viele Runden hatten sich beide zuvor beharkt, der Neuling musste für das beste Ergebnis seiner noch jungen MotoGP-Karriere ordentlich schwitzen.

"Er hat mir keine Pause gegeben. Er war immer am Hinterrad dran", erklärte Bradl. Der Rookie hat sich schnell daran gewöhnt, dass er in der Königsklasse über die komplette Renndistanz bis an die Grenzen gehen muss.

"Man muss immer pushen", weiß Bradl. Die Auseinandersetzung mit Ducati-Pilot Hayden konnte der Zahlinger trotz aller Strapazen genießen. "Es war ein netter Kampf."

Bradl schon etabliert

Achter beim Saisonauftakt in Katar, Siebter beim ersten Europarennen in Spanien.

Bradl hat sich in der Motorrad-WM nach dem Aufstieg in die schwerste der drei Klassen schon etabliert und dabei auch Rekordweltmeister Giacomo Agostini beeindruckt.

"Ich bin überrascht, wie abgeklärt und professionell sich Stefan in Szene setzt. Er ist von einem 150-PS-Bike auf ein 250-PS-Bike umgestiegen. MotoGP ist eine andere, eine eigene Welt", sagte der 69-jährige Italiener der Tageszeitung "Die Welt".

[kaltura id="0_ilxr941r" class="full_size" title="Bradl belegt Platz sieben"]

30 Sekunden auf Stoner

In Jerez fehlten dem Moto2-Weltmeister am Ende zwar fast 30 Sekunden zum erstmals in Jerez siegreichen Weltmeister Casey Stoner (Honda) und auch der sechste Platz war unerreichbar.

Doch damit kann Bradl gut leben, der Rookie bewegt sich konstant im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Vor dem Start hatte sich Bradl Sorgen gemacht, weil der Asphalt an einigen Stellen feucht war.

"Es ist verdammt schwierig", kommentierte der Honda-Fahrer seine Erlebnisse auf der Einführungsrunde.

Ein schwerer Verbremser

Das dunkle Visier tauschte er lieber noch schnell gegen ein helles aus, danach behielt Bradl trotz aller Nervosität den Durchblick.

Bis auf einen schweren Verbremser kurz nach dem Start ("Am Anfang habe ich zu stark gepusht") verlief das Rennen ohne Schwierigkeiten, zwischendurch machten Bradl lediglich Schmerzen im Arm etwas zu schaffen.

Der derzeit beste deutsche Motorrad-Pilot hat kaum Zeit, sich ordentlich zu erholen. Schon am kommenden Wochenende geht es an der portugiesischen Küste in Estoril weiter.

Rang acht in der Gesamtwertung

Bradl liegt nach zwei Läufen voll auf Kurs, seine 17 Punkte reichen im WM-Klassement zum achten Platz.

Selbst der neunmalige Weltmeister Valentino Rossi (13) muss sich hinter dem Neuen einordnen.

Dass der junge Bayer den Superstar aus Italien hinter sich lässt, ist schon zur Normalität geworden. Rossi kann Bradl mit seiner Ducati derzeit nicht packen.

Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als Bradl aus der Entfernung zu studieren.

Ist Rossi zu alt?

Bei seinem 200. MotoGP-Start wurde der 33-Jährige Neunter und war knapp sechs Sekunden langsamer als Bradl.

Agostini schreibt das auch Rossis Alter zu.

"Man darf nicht vergessen, dass Valentino mit 33 zwar nicht alt ist, aber er hat schon eine lange Karriere hinter sich", sagte er: "Es ist wie bei einer Zitrone. Man presst sie aus, und dann ist irgendwann kein Saft mehr da. Der Kopf ist aber wichtig für das, was man auf der Piste zustande bringt."

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