Stefan Bradl (r.) feierte in bisher 87 Rennen 7 Grand-Prix-Siege © imago

SPORT1-Experte Hofmann glaubt an MotoGP-Debütant Bradl. In der Königsklasse steigt der Druck. Ausreißer nach oben sind möglich.

Köln - Ob auf dem Motorrad, in der Kommentatorenkabine oder mit Mikro bewaffnet in der Boxengasse.

Alex Hofman hat die Königsklasse aus allen Perspektiven kennengelernt.

Als bislang einziger Deutscher ist Hofmann in der MotoGP an den Start gegangen, mit Stefan Bradl ist in diesem Jahr endlich ein Nachfolger unterwegs.

"Das ist doch super", findet der SPORT1-TV-Experte Hofmann, "jetzt fährt er Formel 1 auf zwei Rädern."

Genau zehn Jahre nach Einführung der MotoGP darf sich Bradl im Konzert der Großen versuchen. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

In Katar gegen die Stars

Am Ostersonntag (21 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) geht es für den Zahlinger unter dem Nachthimmel von Katar zum ersten Mal gegen Stars wie Valentino Rossi, Casey Stoner oder Jorge Lorenzo. Eine echte Herausforderung für den den 22-Jährigen.

"Das sind alles Vollprofis, ewig dabei, alte Hasen. Da muss er schon kämpfen", prophezeit Hofmann, von 2002 bis 2006 selbst in der MotoGP unterwegs.

Seit mittlerweile drei Jahren kommentiert und moderiert der Fachmann die WM-Rennen aller Klassen zusammen mit Edgar Mielke bei SPORT1.

"Highlight, in der Startaufstellung deutsch zu sprechen"

In diesem Jahr wird der Ex-Pilot neben Weltmeister Bradl, der nach seinem Titelgewinn in der Moto2 den Aufstieg in die Königsklasse wagt, auch den anderen Fahrern auf den Zahn fühlen - in fünf verschiedenen Sprachen.

Dass in der MotoGP nicht mehr ausschließlich Englisch, Spanisch, Italienisch und Französisch gefragt sind, freut Hofmann: "Es ist ein Highlight, in der Startaufstellung deutsch sprechen zu können."

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Viele Qualitäten bei Bradl

Hofmann traut Bradl eine Menge zu, auch wenn der sich mit viel erfahreneren Piloten als bisher messen muss. "Dass er ein guter Motorradfahrer ist, hat er bewiesen. Den Moto2-Titel holt man nicht mal gerade so eben", sagte Hofmann. ( 476076 DIASHOW: Stefan Bradls Karriere )

Bradl habe viele Qualitäten, die ihm in der MotoGP schnell helfen könnten. "Er ist sehr bedacht, keiner der Harakiri fährt oder mit übertriebenem Risiko versucht, etwas hinzukriegen. Er stürzt wenig, macht wenig Fehler", lobt Hofmann.

Auch deshalb traut der gebürtige Mindelheimer dem deutschen Hoffnungsträger einiges zu. "Top-10-Platzierungen werden wir von ihm ziemlich sicher permanent sehen, außer er hat einen ganz schlechten Tag", glaubt Hofmann.

Ausreißer nach oben sind drin

Ausreißer nach oben seien aber drin: "Ich kann mir gut vorstellen, dass es mal unter die ersten Sechs gehen wird."

Hofmann hat es in seiner MotoGP-Zeit nie aufs Treppchen geschafft, auch für Bradl sei ein Podestplatz nur schwer zu erreichen, meinte er: "Nach vorne wird's natürlich hart."

Nicht nur auf, sondern auch neben der Strecke wird sich für Bradl nach seinem Wechsel vom Kiefer-Team zu LCR-Honda einiges ändern. Hofmann spricht aus Erfahrung.

"Die Wochenenden sind intensiver. Er muss länger und intensiver trainieren. Dazu kommen mehr Verpflichtungen. Er wird im Vergleich zum letzten Jahr viel mehr Sponsorentermine haben", sagt der Ex-Pilot. Bradl sei all dem jedoch gewachsen: "Auf diesem Niveau muss er sich daran gewöhnen, da muss er durch. Aber er ist ein Profi."

Erwartungen sind gestiegen

Durch den WM-Triumph sind die Erwartungen an Bradl ganz automatisch gestiegen. Dazu kommt das international deutlich höhere Interesse an der Königsklasse.

"Der Druck, den es zu verarbeiten gilt, ist immens", warnt Hofmann. Außerdem gebe es "viele neue Eindrücke, die er verarbeiten muss".

Bradl fährt jetzt für einen italienischen Rennstall, allein dadurch ändere sich eine Menge. "Er hatte drei, vier Jahre in der WM ein absolut familiäres Umfeld. Es war eine deutsche Familie", sagt Hofmann.

Englisch statt Bayrisch

Deshalb sei die Umstellung nicht völlig unproblematisch. "Jetzt redet er den ganzen Tag Englisch. Er ist ja schon so ein gemütlicher Bayer. Jetzt bin ich mal gespannt, ob ihm das wirklich gefällt."

Hofmann freut sich auf den Saisonstart am Osterwochenende, mit Bradl bekommt das Konzert der Großen eine ganz besondere Note.

Für den Motorradsport in Deutschland sei dies "sehr, sehr wichtig. Die MotoGP ist die Klasse, wo jeder hin will. Es ist toll, einen zu haben, der gegen Rossi und Stoner fährt."

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