MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Stefan Bradl fährt in seiner ersten MotoGP-Saison für das Team LCR Honda © getty

MotoGP-Debütant Bradl fiebert dem Auftakt in Katar entgegen und will als erster Deutscher den Titel holen. Sein Teamchef lobt.

Von Jakob Gajdzik

München - Darauf haben Fahrer, Teams und Fans lange gewartet.

Mit dem 1. Freien Training am Donnerstag (ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) drehen sich in der MotoGP nach 152 Tagen endlich wieder die Räder.

Im Wüstenstart Katar fällt der Startschuss für die neue MotoGP-Saison. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

Aus deutscher Sicht steht Moto2-Weltmeister Stefan Bradl im Fokus, der nach seinem Aufstieg in die Königsklasse auf seiner LCR Honda Jagd auf Champion Casey Stoner sowie die weiteren Superstars Valentino Rossi und Jorge Lorenzo macht.

Bradl tippt Podiums-Trio

Für die Podiumsplätze sieht Bradl im Gespräch mit SPORT1 drei Favoriten: "Ich tippe aufs Podium: Stoner, Lorenzo, Pedrosa."

Der Zahlinger selbst steht vor einer historischen Chance. Noch nie wurde ein Deutscher MotoGP-Weltmeister. ( 476076 DIASHOW: Stefan Bradls Karriere )

Auf 18 Strecken wird 2012 der Titel vergeben - und Debütant Bradl will mehr, als nur mitfahren.

"Ich bin gespannt, ich freu mich auf Katar. Das ist eine tolle Rennstrecke. Aber ich bin kein Fan von großen Zielsetzungen. Ich lass alles auf mich zukommen. Aber Plätze zwischen Sieben und Neun sind realistisch", sagte Bradl SPORT1.

"Bin noch ganz locker"

"Wie es in der zweiten Saisonhälfte weitergeht wird man sehen, aber da erwarte ich eine Steigerung, aber jetzt bin ich noch ganz locker und schaue, was dabei rauskommt.", ergänzte er.

Dass es eine Klasse höher weitaus härter zugeht, wurde Bradl schnell deutlich.

"Die Leistung ist schon brachial. In jedem Gang musst du darum kämpfen, dass das Motorrad ruhig bleibt", sagte der Fahrer mit der Nummer 6 über seine neue Maschine.

Auf dem Zettel der Konkurrenz steht der 22-Jährige bereits.

Lorenzo glaubt an Weltmeister Bradl

"Er hat definitiv das Zeug, den Titel zu holen. Wenn er nicht zu oft ausfällt, dazulernt und weiter motiviert bleibt, kann er es schaffen", sagte der Weltmeister von 2010, Jorge Lorenzo zu SPORT1.

[kaltura id="0_jg8hyu9m" class="full_size" title="Die neuen Regeln der MotoGP"]

"Hohes Level an Intelligenz und Reife"

Und auch LCR Honda-Teamchef Lucio Cecchinello ist voll des Lobes über Bradl.

"Ich bin überrascht, mit einem so jungen Fahrer mit einem so hohen Level an Intelligenz und Reife zu arbeiten. Außerdem ist er wirklich ein netter Kerl", sagte der Italiener im Interview mit "motogp.com".

"Er ist ein Fahrer mit einer sehr schlauen Herangehensweise - er lernt Schritt für Schritt, versucht auf dem Motorrad immer ans Limit zu gehen. Zeitgleich versucht er zu verstehen, wie das Motorrad arbeitet und sich verhält. Er nimmt sich die Zeit, um sich an die MotoGP anzupassen, aber das Potential ist definitiv da", ergänzte er.

Auch die Honda von Bradl macht Cecchinello große Hoffnungen:

Begeisterung über die RC213V

"Für mich ist es ein Kunstwerk. Die RC213V ist das beste Motorrad, das ich je gesehen habe, weil es eine Konzentration an Hochtechnologie ist. Die neueste Arbeitsweise der Motoren ist einfach unglaublich. Es ist ein fantastisches Bike."

Dafür ist auch Bradl mitverantwortlich.

"Die Mechaniker können sehr gut mit ihm Arbeiten, weil er seine Wünsche und sein Fahrgefühl sehr gut beschreiben kann", sagte Cecchinello zu SPORT1.

1000ccm statt 800ccm

Neben dem Auftritt von Bradl wartet die MotoGP mit weiteren Neuerungen auf.

Statt der bisherigen 800ccm-Hubraum-Motoren, starten die Werkteams in dieser Saison mit 1000 ccm.

Und auch für die sogenannten Claiming Rule Teams gibt es eine Modifikation im technischen Reglement. Bei den privaten Teams soll mit mehreren Neuerungen verhindert werden, dass die Kosten für Investitionen explodieren.

Mehr Motoren für CRT-Teams

Die neue Regel besagt, dass die CRT-Konkurrenten jederzeit Einblick in die Daten der anderen Teams haben und die Motoren der Werksteams kaufen können.

Desweiteren dürfen die CRT-Teams zwölf Motoren einsetzen, im Gegensatz zu den Werkteams, deren Anzahl weiterhin auf sechs limitiert ist. Auch erlaubt das Reglement den CRT-Teams drei Liter mehr Sprit (24 statt der 21 Liter der Werkteams).

Beim Saisonstart in Katar dürfen sich die Fans auf ein Rennen unter Flutlicht einstellen.

Stoner startet als Titelverteidiger

Im ersten Grand Prix des Jahres geht der Titelverteidiger auch als Topfavorit an den Start: Repsol Honda-Fahrer Casey Stoner. In vier der letzten fünf Auftritte im Wüstenstaat durchfuhr der Australier die Ziellinie als Erster.

Auch sein Teamkollege Dani Pedrosa überzeugte in der Vorbereitung und ist ein heißer Kandidat auf das Podium.

Weitere Kandidaten auf die Spitzenplätze sind die Yamaha-Piloten Lorenzo und Ben Spies sowie das Ducati-Team um Rekordweltmeister Valentino Rossi (sechs Titel) und Nicky Hayden.

Doch "Dottore" Rossi, der die vergangene Saison nur auf Rang sieben abschloss, äußert bereits vor dem Saisonstart Bedenken.

Rossi zweifelt am Podium

"Es wird schwierig für mich, ums Podium zu kämpfen. Stoner, Lorenzo und Pedrosa sind viel schneller als wir", sagte der 33-jährige Routinier und beklagte zu wenig Haftung an seiner Maschine.

Auch für Bradl ist "Il Dottore" auf Anhieb kein Podiumskandidat, wie er im Gespräch mit SPORT1 verriet: "Der ist momentan nicht in Schlagdistanz zu den Podiumskandidaten. Ich schätze, er landet am Ende auf Platz fünf oder sechs."

Klarheit über den Stand der Teams bringt allerdings erst das Auftaktrennen ? und wird zeigen, inwiefern Stefan Bradl im Konzert der Großen mitspielen kann.

Weiterlesen