Cortese musste sich in seinem letzten Moto3-Rennen knapp geschlagen geben © KTM

Sandro Cortese wird vom Überraschungsangriff seines Teamkollege Danny Kent kalt erwischt, freut sich aber dennoch über eine "Traumsaison"

Bis wenige Meter vor Ende des nassen Moto3-Rennens beim Großen Preis von Valencia sah es so aus, als würde Weltmeister Sandro Cortese (KTM) seine Moto3-Karriere standesgemäß mit einem Sieg beenden. Doch dann wagte sein Teamkollege Danny Kent in der letzten Kurve einen Überraschungsangriff, mit dem er am Deutschen vorbeifuhr und den Sieg landete. Mit dieser späten Attacke erwischte Kent den 22-Jährigen auf dem falschen Fuß.

"Um ehrlich zu sein: Damit habe ich nicht gerechnet", sagt Cortese nach dem Rennen. "Ich bin am Limit gefahren und habe in der letzten Runde alles gegeben. Es ist im Regen schwierig abzuschätzen, wie viel man in der letzten Runde riskieren kann. Ich wollte zum Ende meiner Moto3-Karriere einfach ein tolles Rennen fahren. Bis auf die letzte Kurve war es ein perfektes Rennen", analysiert der Berkheimer.

Doch dann bliesen die Teamkollegen Kent und Zulfahmi Khairuddin zum Angriff: "Der Danny und der Fahmi sind eine super letzte Runde gefahren. Ich hätte beim besten Willen nicht erwartet, dass sie mich in der letzten Runde angreifen", zeigt sich Cortese erstaunt. "Hochachtung an Danny, der in der letzten Kurve einen Überholversuch riskiert hat. Ich hätte nicht gedacht, dass er so viel schneller fahren kann."

2013er-KTM ein Nachteil

Die feuchten Streckenbedingungen stellten die Fahrer im Rennen vor eine große Herausforderung: "Es war von der ersten bis zur letzten Runde extrem schwierig, vor allem für die Konzentration. Es waren komische Bedingungen. Es war nass, aber teilweise hat es trocken ausgesehen, dann hat es wieder genieselt. Am Schluss war die Strecke trocken, aber natürlich kann man nicht so viel Druck machen", erklärt Cortese.

"Ich wollte die Saison auf keinen Fall mit einem Sturz beenden, daher habe ich nur so viel riskiert, wie ich musste. Es wurde leider kein Sieg, aber ich habe noch nie ein Regenrennen auf dem Podium beendet, das muss man auch erst einmal schaffen", freut sich der 22-Jährige über den zweiten Platz. Dieser ist umso beeindruckender, da Cortese in Valencia mit einem völlig neuen Motorrad fuhr. Der Deutsche setzte bereits die KTM für die Saison 2013 ein. "Es war ein komplett neues Motorrad, wird haben bei Null angefangen."

"Mit einem neuen Motorrad fast einen Sieg zu holen, ist etwas Unglaubliches", so Cortese, der sich mit der gewohnten Maschine noch bessere Chancen ausgerechnet hätte: "Das alte Motorrad kenne ich in- und auswendig, wer weiß, wie es damit ausgesehen hätte. Aber wir haben das Risiko in Kauf genommen, ein neues Motorrad zu entwickeln", sagt der KTM-Pilot. "Es war eine Ehre für mich, das Motorrad zu bekommen, welches alle anderen erst im nächsten Jahr erhalten. Es ist natürlich noch nicht fertig entwickelt, aber KTM hat für die Zukunft gute Arbeit geleistet."

Nach der Rekordsaison folgt die Party

Trotz des knapp verpassten Sieges beim Saisonfinale blickt Cortese sehr zufrieden auf das Jahr zurück: "Es war eine super Saison, vom Anfang bis zum Ende. Ich war nur bei zwei Rennen nicht auf dem Podium, ich denke, das hat bisher noch keiner geschafft." Damit liegt Cortese Richtig, 13 Podien bei 15 Rennen sind ein neuer Rekord in der Motorrad-Weltmeisterschaft. "Wenn man auf den zweiten Platz über 100 Punkte Vorsprung hat, muss man irgendwann auch mal zufrieden sein", meint der Berkheimer. "Im Großen und Ganzen war es eine Traumsaison. Wenn mir das vor der Saison jemand gesagt hätte, hätte ich sofort unterschrieben."

Nun holt sich Cortese erst einmal den verdienten Lohn für seine Leistungen ab: "Jetzt wird erst einmal gefeiert. Heute Abend steht die Siegerehrung an. Dann werde ich die Woche genießen, und am Samstag ist ja die Weltmeisterfeier bei mir in Berkheim. Am nächsten Tag geht es dann nach Almeria zum Testen, dann beginnt ein neues Kapitel." Der Deutsche verzichtet darauf, schon morgen sein neues Moto2-Motorrad zu testen, verteidigt diese Entscheidung jedoch.

"Die Siegerehrung fängt extrem spät an, anschließend ist noch ein Abschiedsessen mit dem Team. Ich will nicht halb Tod morgen früh aufs Motorrad steigen", erklärt Cortese: "Wir haben den ganzen Winter Zeit. Wir haben drei IRTA-Tests, das sind neun Tage. Das ist ausreichend, um sich gut auf die Saison vorzubereiten. Morgen drei Sessions zu fahren, bringt wirklich nichts."

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