Jonas Folger wechselte Anfang August 2012 von Ioda zu Aspar © getty

Folger schafft es in kurzer Zeit von unten nach ganz oben. Bei SPORT1 spricht er über seinen Aufstieg und die Schwierigkeiten.

Von Felix Götz

München - Die Geschichte von Jonas Folger liest sich ein wenig wie ein Märchen.

Vier Wochen vor Beginn der Saison 2012 stand der jüngste deutsche Rennsieger der Motorrad-WM-Geschichte noch ohne Maschine da.

Sein damaliger Arbeitgeber MZ musste wegen der Insolvenz eines Lieferanten auf Kurzarbeit umstellen und im Rahmen der Maßnahmen Geld vom Rennteam abziehen.

Der 19-Jährige wusste nicht, wie es weitergehen soll.

Über IodaRacing zu Aspar

Kurze Zeit später nahm ihn IodaRacing unter Vertrag. Doch große Sprünge waren mit der mäßigen Maschine, die Folger zur Verfügung gestellt wurde, nicht drin.

Folger nahm Anfang August die Chance zu einem Wechsel zum Aspar-Team war - und trumpfte in den bisherigen zwei Rennen groß auf.

Der Rennfahrer aus Mühldorf am Inn wurde in Indianapolis Dritter, eine Woche später in Brünn raste er dann sensationell zum Sieg. (BERICHT: Folger schreibt tschechisches Märchen)

Folger benötigte also nur fünfeinhalb Monate, um von ganz unten nach ganz oben zu kommen.

Im Interview mit SPORT1 spricht Folger über die schwierige Zeit vor seinem Aufstieg und seine Pläne.

Zudem glaubt er, dass Sandro Cortese den Titel schon fast im Sack hat. (DATENCENTER: Der Moto3-Rennkalender)

SPORT1: Herr Folger, vier Wochen vor Saisonbeginn standen Sie ohne Maschine da. Anfang August folgte dann der Wechsel von IodaRacing zu Aspar. Zuletzt Platz drei in Indianapolis und der Sieg in Brünn. Fühlen Sie sich manchmal noch wie im Traum?

Jonas Folger: Mittlerweile habe ich es realisiert. Es läuft bisher wirklich gut, das freut mich ungemein.

[kaltura id="0_92upk65q" class="full_size" title="Bradl extrem fokussiert"]

SPORT1: Sie haben schwere Zeiten hinter sich. Gab es Zweifel, ob es noch Sinn macht, professionell Motorrad zu fahren?

Folger: Ja, die Zweifel waren sogar sehr groß. Deshalb war es ein riesiges Glück für mich, als Aspar kam und mir gezeigt hat, dass sie an mich glauben. Das tat richtig gut.

SPORT1: Es gab mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber gesundheitliche Probleme und Gerüchte um eine Alkohol-Eskapade in Brünn 2011, als sie am Tag nach einer Party, auf der Sie nur alkoholfreie Getränke zu sich genommen hatten, an der Strecke zusammenklappten. Wie geht man in so einem jungen Alter mit so etwas um?(SERVICE: Alles zur MotoGP)

Folger: Das war schwierig für mich. Das Gerücht war ein Gerücht und nicht die Wahrheit. Ich hatte eine Infektion verschleppt. Deshalb war es umso härter, das Ganze zu verarbeiten. Aber ich habe es letztlich weggesteckt. Und jetzt will ich zeigen, dass noch einiges geht.

SPORT1: Jetzt läuft es. Wie viel hat das schlichtweg damit zu tun, dass Sie nun eine bessere Maschine haben?

Folger: Zunächst einmal ist es so, dass es nicht daran liegt, dass ich nun motivierter wäre. Ich war auch bei Ioda zu 100 Prozent motiviert. Das wurde mir ja eine Zeit lang so ein wenig abgesprochen. Das jetzt bessere Material spielt natürlich zudem eine entscheidende Rolle. Ansonsten hilft mir aber auch mein Umfeld viel. Manager, Trainer und Betreuer: Da stehen alle voll hinter mir. Das gibt Selbstvertrauen.

SPORT1: Momentan liegt Sandro Cortese in der Moto3-Fahrerwertung in Führung. Wird er Weltmeister und würden Sie es ihm gönnen?

Folger: Natürlich würde ich es ihm gönnen. Die Chancen stehen gut. Ich hoffe auf einen deutschen Weltmeister. Und ich glaube sogar, dass der Titel so gut wie sicher ist.

SPORT1: Was nehmen Sie sich selbst für die ausstehenden sechs Rennen vor? Am Wochenende geht es in San Marino wieder rund.

Folger: In der Meisterschaft kann ich eigentlich nicht mehr viel machen, zumindest wenn man nach ganz vorne blickt. Deshalb will ich bei jedem einzelnen Rennen das Bestmögliche herausholen, alles geben und - wenn sich die Chance bietet - auf das Podium fahren.

SPORT1: Cortese denkt darüber nach, in die Moto2 zu wechseln. Stefan Bradl fährt in dieser Saison erstmals in der MotoGP. Wie sieht Ihr Plan aus?

Folger: Es gibt keinen konkreten Plan. Für mich geht es erst mal darum, das Jahr gut über die Bühne zu bekommen. Denn ich vergesse nicht, dass es bisher ja nur zwei gute Rennen waren. Im nächsten Jahr muss man dann sehen, was es für Optionen gibt und welches die beste Option wäre.

SPORT1: Das heißt, dass es in die Moto2 gehen könnte?

Folger: Ich weiß es noch nicht, da ist noch keine Entscheidung gefallen. Warten wir es mal ab.

Weiterlesen