Tom Lüthi musste in seiner Jugend meist weite Entfernungen in Kauf nehmen © Paddock GP Racing

Jugendliche, die sich in der Schweiz für den Rennsport interessieren, haben es nicht leicht: Ex-Weltmeister Tom Lüthi gibt einen Einblick

Paddock-Pilot Tom Lüthi zählt zu den routiniertesten Piloten im Fahrerlager der Motorrad-Weltmeisterschaft. Seit der Saison 2003 nimmt der Schweizer regelmäßig an WM-Läufen teil. Der bisher größte Erfolg des sympathischen Moto2-Piloten war der WM-Titel bei den 125ern. In der Saison 2005 gewann Lüthi vier Läufe und krönte sich zum Champion. Seit 2010 geht er in der Moto2 an den Start. Bisher beendete Lüthi jede Saison unter den Top 5.

Der Aufstieg war für Lüthi aber alles andere als einfach. Die Situation in der Schweiz ist für ambitionierte Motorsportler alles andere als ideal: "Es ist schade, dass wir keine Strecken haben. Ich bin einen eher ungewöhnlichen Weg gegangen", wird Lüthi von 'Crash.net' zitiert. "In der Schweiz haben wir Pocket-Bike-Meisterschaften. Diese finden in Parkhäusern oder auf Kartstrecken statt. Man kann in der Schweiz nicht auf eine 125er oder ein größeres Motorrad aufsteigen."

Stattdessen zog es Lüthi in die IDM: "Ich bin in der Deutschen Meisterschaft an den Start gegangen. Ich lebte in der Schweiz und ging dort zur Schule, musste aber viel reisen. Ich hatte jeden Freitag schulfrei, um zu den Rennen zu reisen. Einige Rennen waren 1.000 km weit weg. Ich fuhr das Rennen und kam am Sonntagabend heim. An einigen Montagen war ich erst um sechs Uhr Zuhause und musste um sieben Uhr in die Schule gehen. Ich war dann etwas müde, doch es ging."

Lüthi war in seiner Schulzeit auf die Toleranz seiner Lehrer angewiesen. "Es war hart und ich hatte Glück, dass ich an den Freitagen frei bekam. Die Lehrer meinten, solange meine Arbeit und Noten in der Schule nicht darunter leiden, lassen sie mich gehen. Das war eine große Motivation für mich", blickt der Suter-Pilot zurück. An der Situation in der Schweiz hat sich bis heute nichts getan.

"Rennen auf Strecken sind verboten. Es gab einen großen Unfall in Le Mans und danach wurde der Rennsport für illegal erklärt. Man kann noch immer Rennen in den Bergen oder auf öffentlichen Straßen ausrichten, doch Rennsport auf Rennstrecken ist illegal. Ich glaube, es gibt mittlerweile keine Bergrennen mehr mit Motorrädern, aber mit Autos bestimmt. Meiner Meinung nach ist das deutlich gefährlicher als Rennen auf abgesperrten Strecken", kritisiert Lüthi.

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