Chancengleichheit: Das Moto2-Feld ist nicht nur beim Start eng beieinander © RACE-PRESS.com

Es gibt immer wieder Gerüchte, Marc Marquez' Motorrad wäre illegal - Mike Webb (Technischer Direktor) erklärt, warum das nicht der Fall ist

Seit 2010 sorgt die Moto2 für spannende Rennen. Möglich wird der enge Wettbewerb durch die sehr ähnlichen Motorräder, die alle von einem Einheitsmotor von Honda angetrieben werden. Damit hat zumindest beim Antrieb kein Fahrer einen technischen Vorteil. Dennoch wird die Ausgeglichenheit immer wieder hinterfragt, besonders weil Marc Marquez das Geschehen in der Moto2 meist klar dominiert.

"Es gibt nun drei Leute, die sich die Arbeit aufgeteilt haben. Wir machen Stichproben, bei denen niemand weiß, wann wir was überprüfen", erklärt der Technische Direktor Mike Webb gegenüber 'motomatters.com'. Für eine Untersuchung qualifizieren sich die Moto2-Piloten per Zufallslos oder durch immer wiederkehrende Gerüchte.

Auswertung aller Daten

"Wichtig ist, was wir auf der Strecke sehen. Doch noch wichtiger ist, was wir auf den Daten sehen", stellt Webb klar. "Die Moto2-Teams sind dazu verpflichtet, uns jeden Tag die Daten bereitzustellen. Es ist sehr schnell und einfach. Man erhält schnell einen Überblick. Wenn man alle übereinanderlegt, sieht man schnell, wo ein Fahrer schneller ist, besser beschleunigt, mehr Topspeed hat oder etwas anderes herausragt. Dann kann man festlegen, ob man etwas überprüfen möchte."

"Es ist ein großartiges System", lobt er. Zu den Gerüchten über Marquez hat Webb eine klare Meinung: "Er hat beim Gewicht einen Vorteil. Zudem genießt er die beste Unterstützung. Er hat ein sehr gutes Team, das gut arbeitet. Er ist ein leichter Fahrer, der schnell aus der Kurve herauskommt. Hinzu kommt, dass er sehr talentiert ist und das Motorrad im richtigen Moment beschleunigt."

"Sein Motorrad wird in der Regel mehr überprüft als die anderen. Zum einen ist er oft auf dem Podest. Da wird es automatisch überprüft. Zweitens ist er an vielen Stellen schneller. Deshalb müssen wir herausfinden, warum das so ist", schildert der Technische Direktor. "Es gibt zahlreiche Gerüchte. Wir sind allen nachgegangen und haben nie etwas gefunden."

Geheimer Tuner aus Italien?

Ein weiteres Gerücht behauptet, dass es einen Tuner in Italien gibt, der Moto2-Motoren unauffällig frisiert. "Ich habe dieses Gerücht auch gehört. Kein System ist absolut sicher, weshalb wir alles untersuchen und das auch weiterhin machen werden", berichtet Webb. Zu Betrugsaktivitäten sagt er: "Wenn alle das machen lassen, dann sind sie nicht besonders gut darin, weil die Motorräder die gleichen Topspeed-Werte haben."

"Es gibt bei der Höchstgeschwindigkeit, der Beschleunigung und all diesen Werten nur geringe Unterschiede, die völlig im Rahmen sind. Wenn es ein Moto2-Bike geben würde, das konstant zehn km/h schneller wäre als der Rest, wüssten wir, dass etwas gemacht worden wäre. Doch das war bisher nie der Fall", so Webb.

Ein nicht zu unterschätzender Unsicherheitsfaktor stellt die Einheits-ECU von Honda dar. Viele Experten plädieren für ein eigenes Einheits-Steuergerät, wie es in der Moto3 zum Einsatz kommt. "Das war mein Wunsch. Doch durch den Deal für die Motoren war es unmöglich", erklärt Webb. "Das verstehe ich auch, weil wir die Zuverlässigkeit der Motoren demonstrieren und sie deshalb keine Fremdtechnik möchten. Deshalb haben wir uns für den Sicherheits-Datenaufzeichner entschieden."

Bisher gab es keinen offensichtlichen Betrugsfall. Dennoch zweifelt auch Webb am Heiligenschein der Teams: "Ich bin mir sicher, dass jemand mit etwas davongekommen ist", bemerkt er. "Doch in diesen Fällen haben die Betroffenen keine Vorteile erhalten."

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