MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Stefan Bradl wurde vergangenes Jahr in der Moto2 Weltmeister © getty

Der Honda-Pilot steigert sich von Rennen zu Rennen. Ex-MotoGP-Pilot und SPORT1-Experte Hofmann will er einen Rekord abjagen.

Le Mans/München - Nach seiner Glanzleistung im Regen von Le Mans blühte bei Stefan Bradl der Flachs.

"Jetzt hab' ich dich eingeholt!", rief er gut gelaunt dem früheren MotoGP-Piloten und heutigen SPORT1-Experten Alex Hofmann zu.

Beim Großen Preis von Frankreich hatte Bradl das bis dato beste Ergebnis eines Deutschen in der MotoGP-Klasse eingestellt (Bericht).

Wieder Platz fünf, wieder Regen in Le Mans - was für Hofmann vor fünf Jahren der Glanzpunkt seiner Karriere in der Motorrad-Königsklasse war, soll für Moto2-Champion Bradl nur eine Durchgangsstation sein.

Bradl fühlt sich pudelwohl

Nach vier Top-Ten-Platzierungen in vier Rennen ist der Rookie endgültiin der MotoGP angekommen und macht Hoffnung auf mehr.

"Es war ein tolles Rennen, ich habe mich einfach wohlgefühlt", sagte der 22-Jährige, obwohl das Feld von Beginn an widrigen Bedingungen trotzen musste.

Viel Wasser auf der Straße, immer wieder Regenschauer - doch Bradl behielt den Durchblick.

Zwei "geschenkte Plätze"

"Der Start war gut. Es war verdammt schwierig, weil wir sehr viel Gischt hatten", sagte er gegenüber SPORT1.

Nur von Position 13 gestartet, arbeitete sich der Honda-Pilot schnell vor. "Ich habe gleich am Anfang ein paar gute Leute überholt", sagte Bradl nicht ohne Stolz.

Stürze des Briten Cal Crutchlow und des Italieners Andrea Dovizioso (beide Yamaha) spülten ihn bis auf Rang fünf.

Zwei "geschenkte Plätze", wie Bradl sagt, aber "so was gehört halt auch dazu".

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Pedrosa auf den Fersen

Bei schwierigen Sichtverhältnissen orientierte sich der Neuling bei seinem vierten Rennen zeitweise sogar an einem der Spitzenpiloten.

"Ich hatte eine gute Referenz mit Dani Pedrosa, dem ich eine Zeit lang auch folgen konnte", erzählte Bradl über sein zaghaftes Duell mit dem WM-Dritten aus Spanien (Honda).

Die steile Lernkurve des Zahlingers erfüllt auch Vater Helmut Bradl, selbst 1991 Vize-Weltmeister, mit Stolz. "Diese Leistungen sind schon außergewöhnlich", sagt der 50-Jährige: "Man darf den Umstieg auf die MotoGP-Klasse nicht unterschätzen. Andere Piloten haben dafür deutlich länger gebraucht."

Rang sieben der Gesamtwertung

Anpassungsprobleme sucht man bislang in der Tat vergeblich.

Nach vier Rennen liegt Bradl mit 35 Punkten auf Rang sieben der Gesamtwertung, vor erfahrenen Piloten wie dem früheren GP-Weltmeister Nicky Hayden aus den USA.

Angesichts dieses Aufstiegs stellt sich die Frage, wo das eigentlich noch hinführen soll mit Bradl, der anscheinend in jedem Rennen dazulernt.

Papa Bradl bremst

"Das ursprüngliche Fernziel hat Stefan ja schon nach vier Rennen erreicht", sagt Bradl senior, der dennoch bemüht ist, die Erwartungen zu bremsen: "Natürlich will er sich weiter verbessern. Aber bis zu den Spitzenfahrern wie Casey Stoner fehlt sicher noch etwas. Vor allem die Erfahrung kann man nicht so schnell aufholen."

Einer der erfahrenen Oldies rief sich am Sonntag in Erinnerung.

Superstar Valentino Rossi, seit seinem Wechsel zu Ducati im Jahr 2011 meist ein Schatten vergangener Tage, meldete sich eindrucksvoll zurück.

Rossi mit Überraschungs-Coup

In einem giftigen Duell um Rang zwei hinter dem spanischen Sieger Jorge Lorenzo (Yamaha) schob sich Rossi zweimal am australischen Weltmeister Stoner (Honda) vorbei und wurde jeweils gekontert.

Doch in der letzten Runde, im dritten Versuch, gelang das entscheidende Manöver. "Die Duelle mit Casey waren immer großartig", sagte der neunmalige Weltmeister hinterher.

Er habe "alles gegeben" um den zweiten Platz zu holen. "Vor allem für die Ducati-Jungs" sei so ein Ergebnis mal wichtig.

Vorfreude auf Barcelona

In zwei Wochen macht die Motorrad-WM Station in Spanien, für Bradl der nächste Schritt in der Königsklasse.

"Barcelona ist ein sehr flüssiger Kurs, ich freue mich darauf", sagt der Bayer.

Langsam, aber sicher muss Alex Hofmann um einen weiteren Meilenstein bangen: 2007, in seiner stärksten Saison, holte der damalige Ducati-Pilot 65 WM-Punkte.

Viel fehlt nicht mehr, dann kann Stefan Bradl auch hinter diese Marke einen Haken machen.

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