Nach Jahren des Hoffens erhlt Kris Meeke bei Citroen seine groe WRC-Chance © Citroen

Kris Meeke erhält von Citroen eine große Chance und will sich beweisen: An Speed mangelt es dem Briten nicht, doch mangelnde Konzentration führte 2013 zu Unfällen

Kris Meeke erhielt von Citroen-Teamchef Yves Matton den Zuschlag für 2014. Der Brite wird seine erste volle WRC-Saison bestreiten, obwohl er bereits 34 Jahre alt ist. "Seit der Rallye Frankreich hatten wir eine Ahnung. In Spanien hatten wir einen schönen Abend und schüttelten uns vor einem Restaurant in Salou die Hände", berichtet Meeke bei 'WRC.com' die bangen Wochen der Vertragsgespräche. Nun ist der Vertrag unterschrieben, Citroen präsentierte am vergangenen Montag offiziell das Rallye-Team.

Meeke wird Teamkollege von Mads Östberg sein und schätzt seine Ausgangslage realistisch ein: "Ich weiß, dass es nur eine Möglichkeit ist. Ich habe in Finnland und Australien Unfälle gebaut. Seither bin ich keine Rallye gefahren. Es ist nicht so, dass ich mich als Fahrer verändert habe. Ich habe nur eine Chance bekommen. Deshalb muss ich viel arbeiten und beweisen, dass ich es kann. Es ist nicht der heilige Gral, denn der heilige Gral ist ein WM-Titel. Das ist eine weitere Chance und der nächste Schritt mit einem Team, das viele Erfolge vorweisen kann und ein großes Erbe hat."

"Es ist unglaublich, wenn man seine erste volle WRC-Saison im Citroen-Werksteam fahren darf. Ich möchte das Meiste aus dieser Möglichkeit machen", umreißt Meeke seinen Fahrplan. Obwohl er mit 34 Jahren eigentlich zu den "alten Hasen" im Rallye-Geschäft zählt, kann Meeke nur auf beschränkte Erfahrung zurückgreifen. 2005 und 2006 fuhr er im Citroen Juniorenprogramm einen C2. 2009 errang der Brite mit dem Titel in der Intercontinental Rallye Challenge (IRC) seinen bisher größten Erfolg.

Als Meeke 2011 als Mini-Stammpilot vorgestellt wurde, sah es zunächst nach einer WRC-Karriere aus. Da Prodrive jedoch finanzielle Probleme bekam, wurden es für Meeke schließlich nur sechs Einsätze im John Cooper Works WRC. "Rallye ist eine Motorsportform, in der die Erfahrung dein größtes Kapital ist. Es dauert Jahre, bis man die Erfahrung bei den verschiedensten Rallyes und den unterschiedlichsten Beschaffenheiten gesammelt hat", beschreibt Meeke einen wesentlichen Faktor. "Es ist ganz anders als Rundstreckenrennen."

"Der Rallyesport ist einzigartig. Ich muss geduldig sein und Erfahrungen sammeln. Ich werde das nächste und das übernächste Jahr brauchen. Man sagt, dass ein Fahrer zwei Jahre braucht, um sein Können zu zeigen. Hoffentlich kann ich genug zeigen, damit es 2015 weitergeht." Deshalb lautet sein wichtigster Plan: "Wenn ich Erfahrung sammle, kommt der Speed hoffentlich automatisch durch. Dann kommt die Konstanz. Das ist die Chance, die ich immer haben wollte."

Auch für seinen Teamkollegen Östberg ist das Engagement bei Citroen neu. Beide Piloten müssen zeigen, dass sie in der Rallye-WM eine große Zukunft haben wollen. "Ich kann sicher viel von Mads lernen. Er hat 65 WRC-Starts. Ich habe neun oder zehn", vergleicht Meeke. "Mein Name ist seit vielen Jahren bekannt, aber ich bin nicht viele Rallyes gefahren. 2007 und 2008 bin ich gar nicht gefahren. 2012 und 2013 bin ich kaum gefahren. Es gab als vier Jahre in meiner Karriere, in denen ich praktisch keine Rallyes hatte."

Meeke will Erfahrung sammeln und lernen

"Deshalb kann ich sicher von Mads viel lernen. Vor allem in Schweden, wo er immer sehr stark fährt und um den Sieg kämpft. Ich war noch nie in Schweden, Mexiko und Portugal. Das werden sicher schwierige Läufe für mich. Genau dort will ich ins Ziel kommen und Selbstvertrauen aufbauen. Bei den Rallyes in der zweiten Saisonhälfte kenne ich die Recces. Dort will ich dann meinen Speed aufbauen." Wichtig ist auch das Vertrauen ins Auto.

Meeke zeigt sich vom Citroen DS3 WRC begeistert: "Es ist ein fantastisches Auto. Sie versuchen es für die Fahrer so einfach wie möglich zu gestalten. Sobald ich das erste Mal damit fuhr, machte es sofort das, was ich wollte. Es fühlte sich so an, als würde ich dieses Auto schon seit Jahren fahren. Bei meiner ersten Rallye bin ich beim zweiten Versuch durch 'Ouninpohja' schneller als jemals jemand zuvor gewesen. Bei den Zwischenzeiten war ich schneller als der Rekord. Ich war schneller als Marcus Grönholm und Sebastien Loeb. Leider ging zwei Kurven vor dem Ziel alles schief."

"Ich weiß, dass ich mit diesem Speed fahren kann. Am Ende fehlte etwas die Konzentration und es passierte ein dummer Fehler. Die Fehler in Finnland und Australien passierten nicht, weil ich das Auto überfuhr, sondern wegen der Konzentration. Das rührt natürlich vom Trainingsmangel her. Ich kam nach Finnland und hatte 20 Monate lang keine Rallye bestritten. Mental war ich nicht stark genug, um es über drei Tage auszuhalten", nennt Meeke einen Schwachpunkt. "Jetzt habe ich die Möglichkeit dazu. Ich stehe vor einer vollen Saison und muss nicht in jeder Prüfung das Rad neu erfinden."

"Wenn ich mich nicht komfortabel fühle, dann kann ich es ruhiger angehen, weil ich weiß, dass noch viel kommen wird. Wenn du aber nur eine Rallye hast, dann ist jede einzelne Kurve deine letzte Kurve. Auf dir lastet der Druck auf den Schultern, dass du allen beweisen musst, dass du die Chance verdient hast. Schon beim Test für Monte Carlo fühlte ich mich im Auto relaxt und war komplett auf den Job konzentriert. Man hat viel weniger Druck. Ich fühle mich viel freier. Hoffentlich kann ich das in die Rallyes mitnehmen und in Ergebnisse umsetzen."

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