In seiner ersten Saison im VW holte Sebastien Ogier gleich den WM-Titel © getty

Neu-Rallye-Weltmeister Ogier durchbricht die Dominanz des Rekord-Champions. Der nächste Titel ist schon fest eingeplant.

Straßburg - Ein liebevoller Kuss für den Polo R WRC, eine innige Umarmung für Beifahrer Julien Ingrassia und eine erfrischende Champagnerdusche für das VW-Team:

Der neue Rallye-Weltmeister Sebastien Ogier wusste genau, bei wem er sich bedanken musste, nachdem er den ersten Fahrertitel für einen deutschen Hersteller seit 1984 perfekt gemacht hatte.

Das Ende der Ära von Rekordchampion und Titelverteidiger Sebastien Loeb, der zuvor neun Titel in Folge gewonnen hatte, in diesem Jahr nur bei einigen wenigen Rennen dabei war und 2014 endgültig in die Tourenwagen-WM wechselt, könnte gleichbedeutend mit dem Anfang einer neuen Zeitrechnung in der World Rallye Championship (WRC) sein.

Lob ans Team

Doch für Ogier war beim Triumph in seiner Heimat nur die Gegenwart von Belang.

"Ich bin einfach überglücklich! Ich könnte die ganze Welt umarmen, das Gefühl ist einfach unbeschreiblich", sagte er.

Und fügte an: "Den Weltmeistertitel ausgerechnet in Frankreich zu gewinnen, ist ein Traum, der in Erfüllung geht. Ohne unser großartiges Team bei Volkswagen wäre dieser Erfolg niemals möglich gewesen. Eins ist sicher - wir werden es noch mächtig krachen lassen."

Schon vor dem Start Weltmeister

Der neue Weltmeister hatte schon auf der 4,5 Kilometer langen Strecke beim Power Stage in Straßburg die Gelegenheit, sich mit dem neuartigen Glücksgefühl vertraut zu machen.

Den Titel hatten er und sein Beifahrer Ingrassia bereits sicher, als sie über die Startlinie auf die Strecke fuhren.

Der vor ihnen gestartete Thierry Neuville (Ford), dem vor dem Rennen noch eine (höchst) theoretische Chance auf den Titel geblieben war, kam mit der zweitbesten Zeit nach Tagessieger Dani Sordo (Spanien/Citroen) ins Ziel.

Der Belgier verpasste damit die benötigten drei Zusatzpunkte - der WM-Titel war Ogier nicht mehr zu nehmen.

"Das ist verrückt"

Und die Erleichterung ist riesig.

"Als kleiner Junge habe ich mit meinem Vater in meiner Heimat Gap die Autos und Top-Fahrer bei der Rallye Monte Carlo bestaunt - und jetzt bin ich selbst Rallye-Weltmeister. Das ist verrückt", sagte er, der zusammen mit Ingrassia und seinem Team historische Marken setzte:

Seit fast zehn Jahren war es keinem neuen Fahrer-Duo gelungen, den Titel zu erringen - noch nie war dies einem Hersteller in seiner Premierensaison gelungen.

Volkswagen kurz vor Konstrukteurs-Titel

Es könnte der Beginn der Ära Ogier und Volkswagen sein. Die bisherige Bilanz ihrer ersten Saison in der Rallye-WM spricht für sich: Schon sechs Siege nach bislang zehn WM-Läufen, dazu bereits 25 gewonnene Zusatzpunkte.

Neben dem Fahrertitel ist auch der Gewinn der Konstrukteurs-Meisterschaft fest eingeplant - die Zeichen stehen auf Sieg.

"Das ist der bislang größte sportliche Erfolg in der Geschichte von Volkswagen Motorsport", sagte VW-Motorsport-Direktor Jost Capito.

Zuletzt 1984 hatte Stig Blomqvist (Schweden) mit dem legendären Audi Quattro in einem deutschen Auto die Königsklasse gewonnen.

"Unserer Mannschaft ist es auf Anhieb gelungen, mit dem Polo R WRC ein siegfähiges Rallyeauto zu entwickeln und gegen Konkurrenten mit viel größerem Erfahrungsschatz zu bestehen", sagte Capito.

In nur 29 Monaten zur WM

Erst am 5. Mai 2011 hatte der Konzern offiziell seinen Einstieg verkündet, damals existierte das Weltmeisterauto von Ogier lediglich auf dem Papier.

Den VW-Triumph 29 Monate später erlebte auch Ulrich Hackenberg, der als ehemaliger Vorstand für technische Entwicklung bei VW als Vater des Rallye-Themas gilt, am Rande der Strecke mit.

"Ich bin stolz darauf, dass unser Projekt heute schon mit einem Titel gekrönt wurde", sagte Hackenberg, der sich der historischen Dimension bewusst war:

"Besonders freut mich, dass Volkswagen als erster Hersteller in der Geschichte gleich im Premierenjahr den ersten WM-Titel eingefahren hat."

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